Heinz Rühmann war seit Beginn der 30er Jahren ein passionierter Pilot und eng mit dem im 1.Weltkrieg berühmt gewordenen Kampfflieger Ernst Udet befreundet, der inzwischen als Generalluftzeugmeister der Wehrmacht verantwortlich für die Organisation der Luftstreitkräfte war. Der Film "Quax, der Bruchpilot", dessen Grundidee auf den Versen Hermann Grotes beruhte, in denen sich dieser über die Probleme eines Flugschülers lustig macht, war folgerichtig eine Herzensangelegenheit für Rühmann, der nicht nur die Hauptrolle spielte und den Film produzierte, sondern als Pilot auch die Luftaufnahmen selbst übernahm. Die Besetzung des damals 30jährigen Kurt Hoffmann als Regisseur geht ebenso auf seinen Einfluss zurück, wie das Drehbuch von Robert A.Stemmle - mit Beiden hatte er zuvor schon mehrfach erfolgreich zusammen gearbeitet.
Angesichts dieses privaten Engagements wird Rühmanns spätere Äußerung, er hätte nie den Eindruck gehabt, an einem Propagandafilm mitzuwirken oder für die Wehrertüchtigung zu werben, verständlich, zumal "Quax, der Bruchpilot" ganz seinem gewohnten Rollentypus untergeordnet war. Als Otto Groschenbügel, genannt "Quax" gibt Heinz Rühmann hier wieder seine Paraderolle des kleinen Mannes, der es am Ende allen zeigt. Der Mitarbeiter eines kleinstädtischen Reisebüros hatte die Ausbildung zum Piloten bei einem Preisausschreiben gewonnen, worüber er aber nicht glücklich ist, denn anstatt des Hauptpreises hatte er es auf eine Reise abgesehen, auf die er mit seiner Freundin Adelheid (Hilde Sessak) gehen wollte. Entsprechend schnell gibt er die Ausbildung wieder auf, nachdem ihm sein Fluglehrer Hansen (Lothar Firmans) deutlich gemacht hatte, auf einen unmotivierten Angeber wie ihn sehr gut verzichten zu können und ihm der ans Militär erinnernde Drill zu viel geworden war.
Doch die Geister, die er rief, wird Otto Groschenbügel so schnell nicht wieder los. In seiner Heimatstadt gilt er schon als Held und Ehrenbürger, während sich seine Freundin Adelheid inzwischen anderweitig orientiert hat. Wohl oder übel kehrt er an den Fliegerhorst zurück und fordert seine Ausbildung bei Hansen ein. Die Stärke des Films liegt in Rühmanns unnachahmlicher Verkörperung eines rigorosen Angebers, dem trotzdem die Sympathien des Publikums gehören. Anders als in seinen schwächeren Komödien, in denen er nur einen Moment lang auf dem Pfad der Sünde schreitet, bevor er schnell wieder zum Ehrenmann bekehrt wird - wie etwa in "5 Millionen suchen einen Erben" (1938)) - zieht er hier kräftig vom Leder und tritt selbst dann noch in jedes Fettnäpfchen, als er schon als begabter Pilot gilt und mit Marianne (Karin Himboldt) eine neue Liebe kennengelernt hatte.
Erst in der abschließenden Szene - nachdem das erwartete Happy-End schon eingetreten war - legt der inzwischen selbst zum Fluglehrer und damit zum Berufspiloten aufgestiegene "Quax" wert auf Disziplin und Kameradschaft, weshalb Rühmanns Rolle kaum als Vorbildcharakter für eine soldatische Karriere herhalten konnte, sondern phasenweise sogar wie eine Parodie darauf wirkte. Trotzdem war der Film nicht nur an den Kinokassen sehr erfolgreich, sondern galt auch als einer der Lieblingsfilme Adolf Hitlers, den dieser sich mehrfach vorführen ließ. Erklärbar wird das an Hand der Figur des Fluglehrers Hansen. Im Kontrast zu dessen ernsthafter, disziplinierter Attitüde wirkt "Quax" wie ein schwer erziehbares Kind. Es ist kaum anzunehmen, dass der erfahrene Pilot Heinz Rühmann einem Angeber wie „Quax“ gerne auf dem Flughafen begegnet wäre, aber er nutzt den Freiraum einer sonst vorbildhaft agierenden deutschen Pilotengemeinschaft, um überzeugend einen spleenigen Individualisten zu mimen, der viel Zeit benötigt, bis er die hoch stehende gemeinschaftliche Verantwortung eines Piloten begreift - letztlich ein positiver Gradmesser für die Pilotenausbildung, sogar einen "Quax, der Bruchpilot" bekehrt zu haben.
In dieser abschließenden Konsequenz unterscheidet sich der Film von den typischen Rühmann-Komödien, die zwar häufig eine moralische Läuterung verlangten, selten aber eine so deutliche Veränderung des Charakters. Rühmanns Rollen zeichneten sich in der Regel dadurch aus, dass er sich letztlich immer treu blieb. Abgesehen von dieser Konzession an die Propaganda, hält sich der Film merklich zurück, werden weder Feindbilder genannt, noch Zusammenhänge zu militärischen Aktionen hergestellt. Das entsprach der damaligen Phase im deutschen Film, in der mehr der unterhaltende Charakter als konkrete Feindbilder betont werden sollten – trotzdem lassen die Kriegereignisse 1941 den Schluss zu, dass die immanente Botschaft gewollt war.
Die Luftwaffe galt unter Militaristen seit dem Ende des 1.Weltkriegs als Kriegs entscheidende Waffe, weshalb der Rüstungsentwicklung besondere Aufmerksamkeit zukam. Die „Luftschlacht um England“, mit der Deutschland von 1940/41 versuchte, das Land zur Kapitulation zu zwingen, galt zum Zeitpunkt des Erscheinens von „Quax, der Bruchpilot“ im Dezember 1941 schon als gescheitert und hatte große Verluste gefordert, weshalb es einen erheblichen Bedarf an zusätzlichen Piloten gab. Ernst Udet, Rühmanns alter Freund, hatte, nachdem ihm die Schuld an dem Fiasko gegeben wurde, im November 1941 Selbstmord begangen, was aber von der Propaganda zu einem tödlichen Unfall gewandelt wurde. Udet wurde mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt und „Quax, der Bruchpilot“ konnte wenig später seinen fröhlichen Bruchpiloten auf die Leute loslassen.
Das patriotische Hervorheben eigener Leistungsstärke und die Betonung des Gemeinschaftsgeistes haben in internationalen Produktionen nach wie vor Tradition, weshalb „Quax, der Bruchpilot“ - losgelöst von den historischen Zusammenhängen – heute als wenig innovative Komödie erscheint, der vor allem die originellen Nebencharaktere fehlen. Fluglehrer Hansen musste zu sehr die oberlehrerhafte Position des Fluglehrers vertreten, um als Antipode dem bestens aufgelegten Hauptdarsteller Paroli bieten zu können, von dessen Leistung der gesamte Film lebt. (6/10)