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Ein Höhepunkt des deutschsprachigen Kriminalfilms

Vor dem zweiten Weltkrieg war der deutsche Film weltweit führend. Als "Es geschah am hellichten Tag" Ende der 50er erschien, war dies schon lange nicht mehr der Fall. Dabei hat der Thriller über einen Serienmörder von Kindern internationales Format und gehört sicher zum Besten, was man in Sachen Spannungskino seines Jahrzehnts finden kann. Hitchcock oder Clouzot hätten das nicht besser hinbekommen. Heinz Rühmann spielt einen hartnäckigen Polizeikomissar, der es sich zur Aufgabe macht, einen mehrfachen Kindermörder zu fassen. Und niemand könnte dies besser. Er versprüht eine Verlässlichkeit und Hartnäckigkeit, die nicht nur bundesweit damals seines Gleichen suchte. Zudem wirkt er alles andere als nur glänzend oder unfehlbar. Eine ambivalente, faszinierende Figur. Dazu gesellt sich Gert Fröbe als sein Gegenspieler, ebenfalls perfekt besetzt. Kein Wunder, dass die James Bond-Produzenten ihn hier nach unbedingt als Goldfinger haben wollten. Er schafft das Unmögliche und verleiht dem eiskalten Mörder sogar eine gewisse Menschlichkeit.

"Es geschah am hellichten Tag" ist hervorragend gealtert. Sein Thema ist düster und zeitlos, sein Tempo nicht angestaubt, sein Bösewicht geht einem unter die Haut und sein Held hat etliche Seiten. Es zeigt sich mal wieder, dass die simpelsten Geschichten am meisten fesseln. Wenn sie denn so gut umgesetzt sind wie dieser BRD-Klassiker, dem wesentlich mehr internationale Anerkennung zustehen müsste. Von den atemberaubenden schweizer Bergkulissen bis zum Gegensatz der jederzeit spürbaren kindlichen Unschuld in Gefahr lässt der Krimi die Zeit verfliegen. Und ganz nebenbei werden noch brisante Themen wie ungesunde Obsession, männliche Unterdrückung und sogar kurz Massenhysterie angesprochen. Da kann man nicht meckern. Da kann man nur den Hut ziehen. Vor allen Beteiligten. Für mich ein leicht verschollener Klassiker des europäischen Spannungskinos, den man jedem Fan des Schwarz-Weiß-Kinos wärmstens empfehlen muss.

Fazit: wer ist der Kindermörder? Und wird er rechtzeitig gestoppt? Ein düsterer Thriller aus deutschen Landen mit perfektem Verbrauch und idealer Spannungskurve. Der inoffizielle Nachfolger von "M". Als Heimatfilme noch Klasse, Mut und Brisanz hatten.

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