Jolly Roger: Das Massaker von Cutters Cove hat es nicht leicht mit den Fans. Entweder wird über die billige Machart des Filmes oder die tumben Darsteller gewettert, wenns ganz dicke kommt hat der geneigte Fan auch noch zur deutschen Fassung gegriffen, in der so gut wie sämtliche Splattereffekte kaschiert wurden. Kurzum: Man hat schon einige Gründe dieses nette Trash-Stück abzulehnen.
"Hey, siehst du das? Sieht aus wie eine alte Schatztruhe!"
Das denken sich die tumben Teenies die am Strand ne Sauf- und Grabbel-Party feiern und bevor man zum Stich kommt, klarissimo, findet man ne olle Truhe die mal eben so rumsteht, schneidet sich, lässt Blut drauf tropfen, wirft den darin liegenden Schädel spöttisch ins Meer und widmet sich erst dann der Leibesertüchtigung.
Hätte man nicht tun sollen und so ist Jolly Roger fix wieder da, richtig angepisst und metzelt sich durch das kleine Küstenviertel Cutters Cove, dass ansonsten nur von tumben Teens, einer resoluten Bürgermeisterin und hoffnungslos überforderten Cops bewohnt wird.
Wie so oft bei solch einem Streifen geschrieben: Nein, die Darsteller sind nicht Oscar-verdächtig und benehmen sich mit der durchschnittlichen Natürlichkeit eines Godzilla-Film-Statisten. Die Story ist auch brav zusammengeklaut und wohin der Hase läuft hat der findige Fan bereits nach zehn Minuten kapiert.
"Was? Kein Alkohol? Wer ist der Gouverneur von dieser Kolonie?"
Aber warum schauen sich viele Leute gerne schlechte, oder besser gesagt, ziemlich vorhersehbare und etwas billige Schlitzerfilme an? Wenn Jason seine Machete zückt, Freddy seine Sprüche ablässt und Michael mal wieder starr vor sich hin schaut kommt halt das Gefühl auf, dass dies fast noch die sympathischsten Figur sind, dass sie die eigentlichen "Helden" der Filme sind, in denen Beau und Beauty mal wieder schmachtend gegen das Böse kämpfen wollen.
Und hier hat man bei Jolly Roger so ziemlich alles richtig gemacht. Der LeChuck (Monkey Island, irgendjemand?) Look-Alike schwingt bewusst humorvoll seinen Säbel, es gibt ein paar nette Creative-Killing-Methoden und überhaupt sind die Sprüche vom untoten Seefahrer einfach nur witzig geraten. Ob er sich nun beschwert das er kein Bier im Stripschuppen bekommt oder arschig meint, dass er schon immer für Trinkgeld zu geizig wird, dieser Freibeuter ist einfach klasse und sein rauhes Lachen verdammt eingängig.
"Sir, sie werden es nicht glauben, aber es gibt schon wieder ein Piratenmassaker!"
So ist Jolly Roger für halbwegs anspruchsvolle Horrorgucker natürlich kein leckeres drei Gänge Menü und satt wird man vom Filmgenuß wahrscheinlich auch nicht, aber ein schneller Horror-Double Whopper mit viel bekanntem Spaß und einem kräftigen Schuss Soße muss manchmal auch einfach drin sein. Von außen macht dieser frische Killerhappen nicht unbedingt viel her, aber beim Reinbeißen erinnert man sich wohlig an die Zeit, in der auch der normalste Burger abseits der großen Markennamen (Fred, Mickel und Jason) geschmeckt hat.
In diesem Sinne: Guten Appetit!
(Überhaupt wurde das Gericht von den Köchen bekannter Fast-Food-Filmchen wie Mosquito und Spiders zusammengerührt und die Freunde eben jener Trash-Mahlzeiten werden auch jeden Fall kulinarisch-cineastischen Anschluss an das finden, was uns dieses mal aufgetischt wurde.)