Review

Es ist vollbracht. Nach Jahren der Durststrecke bekommt der arg gebeutelte B-Actionfan einen Film serviert, der ohne Frage zu den besten Genrevertretern aller Zeiten gehört und mit Nonstop-Action sowie Bruckheimer-Style überzeugt. Verantwortlich dafür zeigen sich die NuImage-Produzenten Lerner, Timbort und Short sowie Regisseur Anthony Hickox, der mit einem lächerlichen Budget von 15 Mio. Dollar einen B-Actioner der ersten Güte inszenierte. Blutige Schießereien, Explosionen und Autocrashs gehören ebenso zum „Dinner“ wie ein recht prominenter Cast. Doch Steven Seagal allerdings erweißt sich als schwächstes Glied und nervt mit seiner Bocklosigkeit die komplette Laufzeit. Das tut dem Spaß jedoch keinen Abbruch, denn was „Submerged“ bietet, ist schon unverschämt geil ...

Die Story bietet erstaunlicherweise einige Thriller-Elemente, die gar nicht übel sind. Die Wendungen sind gar nicht mal schlecht, leider kommt der Showdown wie man ihn erwarten musste. Allerdings fand ich das „offene“ Ende super und untypisch für einen derartigen Film. Das unterstreicht die Kreativität, die sich hinter dem schmalen Budget keineswegs verstecken braucht. Warum der Film „Submerged“ heißt, bleibt wohl ein Rätsel. Denn gerade mal 15 Minuten spielen im U-Boot, der Rest des Spektakels läuft an Land ab (allerdings meinte Hickox im Making-Of, dass die Story sich ursprünglich um ein genmanipuliertes Monster drehen sollte, dass ein U-Boot angreift).
Die Action ist das Glanzstück des Films, denn hier geht die Post so richtig ab. Knallharte Fights mit Knochenbrüchen, blutige Shout-Outs par exellence und einige nette Autostunts inklusive Luxuskarren und Hubschrauber, die geschrottet werden. Da bekommt der geneigte Fan endlich das geboten, worauf er solange warten musste. Das Steven Seagal bei seinen Kämpfen so gut wie immer gedoubelt wird und sich wie eine Pekingente bewegt, dürfte eigentlich selbstverständlich sein. Das es NuImage schafft, nach einer so langen Durststrecke einen solch starken Actionfilm abzuliefern, hätten wohl nur die wenigsten gedacht – ich auch nicht.
Die Darsteller liefern souveräne Leistungen ab. Vinnie Jones macht meiner Meinung nach die beste Figur, ebenso wie sein Landsmann Nick Brimble, der den Bösewicht Lehder mit Bravour verkörpert. Gary Daniels hingegen wird etwas verheizt, von ihm hätte ich gerne mehr gesehen.
Den Vogel schießt jedoch Seagal persönlich ab. Mit einer Unlust sondergleichen stampft er mit böser Mine durch das Spektakel, nuschelt seine Dialoge und wirkt einfach nur gelangweilt. Da kann er im Making-Of noch so viel Crew und Film loben, das kauft ihm keiner ab (es schaut tatsächlich so aus, als würde ihn Avi Lerner mit einer Knarre zu den Lobeshymnen auf den Film zwingen). Da erneut Bulgarien als Drehort diente, was man dem Film nicht sofort ansieht, sind natürlich auch die üblichen Ostblockstatisten an Bord.
Kommen wir zur Inszenierung. Was Regisseur Anthony Hickox („Storm Catcher“, „Blast!“) hier mit diesem Budget hinzaubert, ist einfach phänomenal. Der Mann genießt ab jetzt meinen vollen Respekt. Die Optik ist ein Genuss und sticht so manche A-Produktion locker aus. Schnelle Schnitte, Farbfilter sowie Zeitlupen- und tolle Kamera-Effekte lassen einen staunen, die Musik ist ebenfalls top (vor allem, wenn Seagal das erste Mal ins Bild kommt). Lediglich die lächerlichen Modellflugzeuge zu Beginn stoßen sauer auf, ansonsten gibt’s an der Inszenierung nichts auszusetzen. Auch die CGIs überzeugen und wirken realer als in manchen Hollywood-Filmen (z.B. „xXx2“). Man muss sich wirklich mal vor Augen halten, in welcher Budgetliga wir uns hier befinden. Daher kann ich nur sagen: Hut ab vor Herrn Hickox. Hier handelt es sich um das perfekte Medikament für Phoenician-und-Co-Geschädigte.


Fazit:
„Submerged“ dürfte Seagal zu einem Comeback verhelfen, dass er eigentlich nicht verdient hat. Der Ex-Actionstar rennt lustlos durchs Bild und ist immer noch außer Form.
Der Rest jedoch ist aller erste Sahne. Inszenatorisch gibt’s eine traumhafte Optik sowie tolle Kamerafahrten und einen geilen Score. Die Action lässt das Herz eines jeden Fans höher schlagen – Knochenbrüche, blutige Shoot-Outs und stylische Verfolgungsjagden. Sogar die Story mag zu gefallen, wenn auch nicht durchweg. Hier passt einfach alles zusammen und das Ergebnis ist fulminant und sehr sehr unterhaltsam.
Daher erklimmt „Submerged“ zumindest vorübergehend den B-Actionthron, mal schauen was Snipes mit „7 Seconds“ demnächst abliefert.
Der nächste Seagal-Film „Today you die“ kann also kommen (der Trailer verspricht auch einiges) !!!

Details
Ähnliche Filme