Review

Der feine Unterschied zwischen Untertauchen und Untergehen - „Submerged" oder „Die Abenteuer von Johnny Donnerkotelette" oder „Für eine Handvoll Mayonnaise"

In „Submerged" von 2005 sehen wir Vaterlandsvertreter Steven Seagal dabei zu, wie er vergeblich über 90 Minuten versucht, sein enormes Übergewicht zu kaschieren. Der dazu verwendete Ledermantel hätte durch Filzhut und Dackel noch die entsprechende Abrundung gefunden, dafür stand aber kein Budget mehr zur Verfügung. Das dann aber möglich gewordene Wortspiel vom Speck im Dackelmantel wäre allerdings die fiskalische Aufstockung wert gewesen. Sei`s drum und widmen wir uns der Prämisse: Eine der größten wandelnden, narzisstisch geprägten Profilneurosen trifft auf hochaktives Bodyshaming - Was für ein Spannungsmoment! Aber: Kann Regisseur Hickox die Ausgangslage auch nutzen?  


Story 
Cody (Seagal) wird aus der Vorratskammer gezerrt, um mit seinen alten Kameraden einen Mann namens Lehder auszuschalten, der mittels Gehirnwäsche liebe in böse Soldaten verwandelt, indem er sie mit grottenschlechter CGI bestrahlt. Deswegen macht man sich mit einem U-Boot als Fortbewegungsmittel der Wahl auf, um das Labor des wahnsinnigen Wissenschaftlers zu zerstören. Dies gelingt, jedoch kann der Schuft entwischen. Der will nun den Botschafter in der Oper durch gehirngewaschene Handlanger ermorden lassen, weil er die Idee in „Die nackte Kanone" ganz offensichtlich für gut befunden hat. Cody aktiviert die Kraft seiner Koteletten und es kommt zum waghalsigen Showdown, für den dann der Ledermantel einem Wollmantel weichen muss.  

Na dann... 
Die etwas verworrene, dünne und dennoch gestreckte Story lassen wir einfach mal beiseite und konzentrieren uns auf das Wesentliche. 

Seagal kommt dick durch eine Tür, 

Seagal hockt dick im Gebüsch, 

Seagal steht dick in Sofia, das hier kurzerhand in Montevideo umbenannt wurde. 

Seagal trägt Leder und jagt Lehder (intelligentester Move des Drehbuchs). 

Anthony Hickox inszeniert das Ganze mit pubertärem Verve inklusive Figureneinführung in Clip-Optik, kann auf ganz nette Kulissen bauen und hat mit Christine Adams eine faszinierend schöne Frau im Cast, die ungeachtet des sie umgebenden Blödsinns tapfer die Fassung bewahrt. Mit Vinnie Jones und William Hope ist solide B-Qualtät gesichert, andere Darsteller chargieren hier etwas zu sehr und sorgen für eine angenehm trashige Note.  

Diese wird durch zahlreiche vom Schwachsinn geschwängerte Szenen intensiv gestützt, wenn beispielsweise während einer Schießerei zwischen einem kleinen Bataillon Soldaten nebst Panzer und unserer Heldentruppe in einem geraden und schmalen Tunnel (!) Seagal und Konsorten mitten im Gang stehen und losballern und weder vom Panzer noch von Schüssen der gegnerischen Schar getroffen werden. Das klingt zwar nach Genre-Standard, wirkt hier aber noch eine Nummer plumper als in vergleichbaren Flicks. Dabei hält Hickox das Tempo aber angenehm hoch, schafft sogar den einen oder anderen Schauwert und liefert einen im besten Sinne mittelmäßigen Actioner für den Katertag ab, an dessen Sinn und Inhalt man nicht einen einzigen Gedanken verschwenden muss. Ich möchte hier ebenso wenig Werbung fürs Saufen wie für Seagal machen, aber letzterer setzt ersteres voraus.

Ganz eigene Gedanken 
Man drehte in Bulgarien, machte daraus aber Uruguay. Meine Vermutung: Man wollte nach Uruguay, verwechselte es mit Ungarn, verfuhr sich dann aber nach Bulgarien (GPS-Navigation steckte anno 2005 noch in den Kinderschuhen) und klopfte dann kurzerhand beim Bürgermeister von Sofia an die Tür, der so freundlich war, die Drehgenehmigung zu erteilen.  

Fazit  
So bleibt zu sagen, dass dies hier einer der besseren Filme des faschistoiden, sexistischen und wohlgenährten Vollblutarschlochs nach seiner bis 1995 andauernden Blütephase ist. 

Was hier hängenbleibt? 

Verdammte UN! 

Die weitere Karriere Seagals bestand bis jetzt aus wachsendem Körperumfang (Statt Blut klebt jetzt dauernd Mayonnaise an seinen Händen!) und parallel dazu abnehmender filmischer Qualität. Man kann es aber auch so sehen: 20 Jahre nach seinem letzten Hit ist Seagal immer noch dick im Geschäft! Und irgendwie erschien es schon mit „Submerged" 2005 folgerichtig für Seagal, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dort kann Kumpel Wladimir die Menschen ja zwingen, sich seine Filme anzuschauen. Ein kluger Schachzug. 

Ich tat es in diesem Fall freiwillig und habe es nicht bereut. Kater sei Dank!

Abschließende Gedanken: Wäre es mittlerweile nicht viel naheliegender, Seagal-Witze statt Chuck-Norris-Witze zu machen? In vielen Fällen reicht der Namenstausch, man könnte aber auch gleichzeitig Dicken-Witze mit in den Fundus integrieren. Dies scheint zumindest eine lohnenswerte Überlegung zu sein.

Und nicht vergessen: Verdammte UN!

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