Aus Laird Koenigs Feder stammt sowohl der gleichnamige Roman als auch das Screenplay und tatsächlich würde die Mischung aus Thriller und Drama in "Das Mädchen am Ende der Straße" sicherlich auch ungemein gut als Bühnenstück funktionieren. Das kann man alleine schon daran festmachen, dass der Film im Wesentlichen von den oftmals scheins schlichten, tatsächlich aber sehr cleveren Dialogen und natürlich der Performance der Darsteller getragen wird. Kaum eine Szene im Film, die man sich nicht auch im Rahmen einer Theaterinszenierung vorstellen könnte. Dabei sind die Rollen nicht einmal besonders tiefgründig oder facettenreich angelegt (von Rynn einmal abgesehen, die von Jodie Foster geradezu genial verkörpert wird, obwohl sich Foster - schenkt man der imdb Glauben - retrospektiv nicht einmal sonderlich vorteilhaft über die Produktion geäußert hat). Doch tatsächlich gehen alle Mitwirkenden in ihren Rollen auf und spielen sich gegenseitig die Bälle zu. Gerade die Kinderdarsteller liefern dem Zuschauer durch ihr überzeugendes Zusammenspiel eine perfekte Illusion der Wirklichkeit.
Wie wichtig es ist, dass die Chemie zwischen den Darstellern stimmt, wird bei dieser oft kammerspielartigen Produktion gut deutlich. Nur wenige Szenen finden im Freien statt, die Handlung spielt sich meist im Wohnzimmer von Rynns Haus ab und ich kann mich ad hoc an keine Szene erinnern, in der mehr als drei Personen gleichzeitig vor der Kamera standen. Neben Jodie Foster und Scott Jacoby (beide sehr große Sympathieträger, trotz ihres dunklen Geheimnisses und des daraus resultierenden Verhaltens, welches im Film jedoch erfreulicherweise in keiner Weise bewertet wird) glänzt vor allem auch Martin Sheen als pädophiler Unsympath, der gleich zu Beginn des Films schon mal symbolisch den Schmutz in Rynns Haus tragen darf.
Dass Rynn ein dunkles Geheimnis hat, das wird gleich in den ersten Szenen deutlich, wenn Rynn wiederholt nach ihrem Vater gefragt wird, der scheinbar nie persönlich anzutreffen ist. Auch die Enthüllung dieses Geheimnisses auf halbem Wege lässt den Zuschauer nicht unbedingt aus allen Wolken fallen. Und dennoch kann der Film von Anfang bis Ende eine Spannungskurve behaupten, die auch Meister Hitchcock kaum besser hinbekommen hätte. Das zartbittere Ende ist inszenatorisch so untertrieben schlicht wie genial geraten. Nicolas Gessners Film hat genau das, was leider auch manch einem guten Film neueren Datums abgeht und ohnehin scheins immer seltener wird: Stil und Klasse. Somit ist "Das Mädchen am Ende der Straße" eine uneingeschränkte Empfehlung wert und zwar völlig unabhängig von der doch eher marginalen Frage, ob die kurze Nacktszene im Film nun von Foster selbst oder aber von ihrer älteren Schwester gespielt wurde.