Review

Nachdem er fliehen musste, landet der bekannte Archäologe Dr. Jones, gespielt von Harrison Ford, in einem kleinen Dorf in Indien, in dem schon mehrere Kinder als Sklaven für eine Sekte entführt wurden. Jones nimmt die Jagd auf und stößt auf einen merkwürdigen Todes-Kult.

Für die meisten Fans der Indiana-Jones-Reihe ist "Indiana Jones und der Tempel des Todes" der schlechteste Teil, zumindest bis 2008 "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" erschien. Meiner Meinung nach ist dies definitiv der schlechteste Teil der Reihe. Die Story kann nicht mit dem ersten Teil mithalten. Diesmal wird die Handlung zum Ende hin zunehmend abenteuerlicher und unwahrscheinlicher und kann kaum noch Spannung aufbauen, da sie einfach zu weit hergeholt ist und keinen Ansatz von Realismus enthält. Bei der Charakterkonstruktion gibt es keine Neuheiten und keine unbekannten Fassetten von Jones, die im ersten Teil nicht schon zur Geltung gekommen wären. Darüber hinaus nervt die aufgesetzte Love-Story um Jones. George Lucas, der bereits die Drehbücher zu "Krieg der Sterne" und "Jäger des verlorenen Schatzes" verfasst hatte, kann es doch eigentlich besser.

Dafür leistet Spielberg bei seiner Inszenierung einmal mehr gute Arbeit und zeigt, dass er nicht umsonst zu dem kommerziell erfolgreichsten Regisseur der Welt aufstieg. Mit Action, einem Ansatz von Spannung und einem bisschen Humor gelingt ihm einmal mehr ein solider Blockbuster, der mehr an seiner Story, als an seiner Inszenierung scheitert. Einmal mehr baut er seinen rabenschwarzen Humor in den Film ein und sorgt somit für einige Lacher. Darüber hinaus inszeniert er die Action-Szenen überzeugend, wobei sie verglichen mit modernen Action- und Fantasy-Filmen natürlich nur noch nostalgischen Wert haben. Vor allem zum Ende hin übertreibt er es jedoch ein wenig mit der Action, sodass der Film ein bisschen auf der Stelle tritt. Die Filmmusik ist sehr gut gemacht und einmal mehr wurde der unvergessliche Soundtrack mehrfach in den Film eingebaut. Die Kulisse von Indien hat hohen optischen Schauwert und wurde von Spielberg sehr gut in Szene gesetzt. Durch finstere Höhlen und diverse düstere Rituale kann diesmal eine nicht ganz so bedrohliche Atmosphäre wie im ersten Teil aufgebaut werden, da der Film mit seiner überdrehten Action und seinem schnellen Erzähltempo keine sonderlich atmosphärische Inszenierung zulässt. Bei der Maske, der Requisite und der Garderobe wird meiner Meinung nach ein bisschen zu dick aufgetragen, sodass "Indiana Jones und der Tempel des Todes" stellenweise wie eine dämliche Freakshow wirkt und damit nicht nur von der Story her lächerlich und unwahrscheinlich wirkt. Spannung wird also nur mäßig aufgebaut, Dramatik lässt die schwache Story nicht zu, also ist der Film zwar unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Mit "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" und "Jurassic Park" zeigte Spielberg aber später, dass "Jäger des verlorenen Schatzes" kein Glückstreffer war und, dass er definitiv zu den besten Regisseuren der Welt gehört.

Nachdem er mit "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" in seinem letzen "Star Wars"-Teil zu sehen war, mit "Jäger des verlorenen Schatzes" einen Überraschungserfolg feiern konnte und mit "Apocalypse Now" und "Blade Runner" in zwei weiteren Kultfilmen zu sehen war, stand Harrison Ford zum Zeitpunkt von "Indiana Jones und der Tempel des Todes" auf dem Höhepunkt seiner Karriere und wurde nur ein Jahr später für "Der einzige Zeuge" erstmals für den Oscar nominiert. Ford spielt die Rolle des abenteuerlustigen Archäologen einmal mehr überzeugend und beeindruckt durch seine ernste und kantige Art und darüber hinaus durch seinen schwarzen Humor. Damit spielt er ähnlich gut wie in "Jäger des verlorenen Schatzes", allerdings zeigt seine Rolle einige Verschleißerscheinungen, da ihr seit dem ersten Teil nichts mehr hinzugefügt wurde und es keine neuen Fassetten an seiner Figur gibt. Der übrige Cast spielt solide, wobei neben Ford kein Darsteller wirklich brillieren kann.

Fazit:
Mit seiner unrealistischen und abenteuerlichen Handlung kann "Indiana Jones und der Tempel des Todes" keine Spannung aufbauen und kann lediglich durch die gute Inszenierung von Stephen Spielberg und die starke Leistung von Harrison Ford einigermaßen solide unterhalten. Dies ist definitiv der schwächste Teil der Reihe.

55%

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