Fredric March, Spencer Tracy, Jack Palance und Michael Caine, - alles große Namen, die einst dem Doppelgänger-Phänomen Jekyll/Hyde ihre persönliche Note gaben.
Und jetzt Bryan Fisher. Klar, wer kennt ihn nicht, den aufstrebenden Hollywood-Mimen, der in Klamotten wie „Surviving Christmas“ irgendwo am Rande eine Statistenrolle bekleidete.
Aber gut, dem Knaben kann man nicht den großen Vorwurf für diese Gurke machen, die nahezu rein gar nichts mit der Literaturvorlage von Robert Louis Stevenson gemein hat.
Schon eher Nick Stillwell, der mit seinem Regiedebüt auf annähernd allen Ebenen versagt und es noch nicht einmal fertig bringt, aus dem veränderten Stoff einen ansehnlichen Slasher zu basteln.
Im Mittelpunkt steht Medizinstudent Jay, der in Sachen Forschung zur Gemütsaufheiterung mit Drogen Selbstexperimente durchführt. So wird aus dem unscheinbaren Brillenträger ein offenbar unwiderstehlicher Aufreißer, bis die Nebenwirkungen der Drogen ihn zum Mörder machen. Freundin Martha und eine Professorin kommen dem Bengel langsam auf die Schliche.
Bewegungsarme Umsetzung ist an sich noch beschönigt, denn hier ist lange Zeit überhaupt kein roter Faden erkennbar. Die vertrackte Erzählstruktur bringt besonders zu Beginn gerne mal unnötig verschachtelte Zeitsprünge, - greift eine Einstellung des Showdowns vorweg, dann wieder zwei Wochen vor und von da aus wieder sechs Wochen weiter.
Von Jay erfährt man nur, dass sein Forschungsprojekt von der Professorin abgelehnt wird, weshalb er hinter geheimen Mauern weiter forscht und nebenher ein Videotagebuch führt, welches den Zuschauer mit oberflächlichen Monologen langweilt.
Jays Freundeskreis jedoch auch, denn Medizinstudenten basteln sich ihre eigenen Pillen zum Einwerfen, hängen in Clubs ab und umgeben sich mit austauschbaren Beziehungsproblemen oder amüsieren sich mit mehreren Damen gleichzeitig.
Lange Zeit herrscht totale Ereignislosigkeit, die den Betrachter schon fast in seinen minimiertesten Unterhaltungsansprüchen beleidigt.
Doch auch mit viel Wohlwollen ändert sich daran im Verlauf wenig. Jay nennt sich selbst Hyde, schleppt die minderjährige Tochter seiner Professorin ab, killt diverse Kommilitonen (was grundlegend nur im Off stattfindet), krempelt seine angepisste Freundin mit einem einfühlsamen Coitus ab und labert einmal mehr in die Kamera.
Lediglich eine kurze Partie Russisch- Roulette auf dem Dach eines Hochhauses lässt für einen Moment Interesse entstehen, doch wenn man zum Finale in den Kellergewölben eines Hospitals landet und meint, mit abwechselnder Dunkelheit und Blick durchs Nachtsichtgerät Nervenkitzel zu schaffen, sollte sich vielleicht erstmal mit Begriffen wie Spannung und Dramatik auseinandersetzen.
Denn bis zum Schluss bleibt´s ein gefühlsloser Stuss ohne Handlungsfluss und nachvollziehbaren Charakteren.
Mehr noch, die Studenten sehen nahezu alle identisch aus, was nicht viel ausmacht, da die sich, bis auf die Hauptfigur, alle gleich oberflächlich verhalten und man nicht allzu viel von den wirklichen Beziehungen untereinander mitbekommt.
Und wirklich plausibel erscheint daher nicht, warum Jay plötzlich alle ehemaligen Kumpels umbringen will, da weder die Zusammensetzung der Drogenmischung, noch deren Wirkung irgendwie näher ins Licht gerückt wird.
So liegt vieles, nicht nur handlungstechnisch im Dunkeln, was nicht einmal der auffallend gut gewählte Score mit gefühlsbetonten Songs wie „Kyrie Eleison“ aufzufangen vermag.
Es bleibt ein bemüht und zugleich völlig unterkühlt wirkendes Unterfangen, den klassischen Stoff in die Moderne zu holen. In Gewand eines Slashers hätte man eventuell noch ein wenig retten können, da hier aber kaum Gewaltszenen vorhanden sind, fällt auch diese Option flach.
Am Ende steht eine fahrige Erzählung ohne erkennbare Spannungskurve, durchweg farblosen Darstellern in unauffälliger Ausstattung, was im Gesamtbild eher auf eventuelle Schlafpillen verzichten lässt.
2 von 10