Review

Die Handlung setze ich als bekannt voraus bzw. sie kann hier nachgelesen werden.

Ja, die Erwartungen an einen neuen "Cronenberg" sind doch stets immer hoch. Auch und gerade nach seinem letzten Film "Spider". Ich kenne alle seine Filme und die dazugehörige Primär -und Sekundär Filmliteratur und mir ging es ebenso. Und dann waren dann doch viele enttäuschte Kinobesucher nach dem Film um mich herum. Warum eigentlich ? Was waren die Erwartungen ? Der Film wurde meines Erachtens im Vorfeld ungewöhnlich breit in den Overground Medien gefeatured.

Ehrlich gesagt, wann verbleibt man schon mit einem positiven Hochgefühl nach einen Cronenberg Film zurück ? Die Zeiten der lauten Töne a la "Fliege" sind schon ein wenig her. Er ist doch letztendlich ein Meister der langsamen und leisen Töne, des teils versteckten und langsam wirkenden Grauens. Und so hat der Film auch seine langsamen Passagen mit erstaunlich einfachen Dialogen und wenig Komplexität. Einfachen Gemütern, die mit handelsüblichen Action Thrillern großgewordenen sind wirds hier langweilig....zugegeben.

Heftig aufwühlend, schnell und brutal wird es nur bei den 3-4 Schieß- bzw. Kampfszenen. Welcher Regiseur läßt schon nach ca. 2 Minuten ein kleines Kind aus nächster Nähe erschießen ? In ersten Minuten denkt man in einem Roadmovie von Tarantino zu sein. Generell drückt Cronenberg auch im Detail den Special Effects seinen eigenen kleinen Gore-Stempel auf. Zitat aus dem Publikum "der Cronenberg - die Sau".......das ist erfrischend.

Eigentlich fand ich auch erst den Film zu langsam, aber nachbetrachtend verhilft dies dem Film zu einem unheimlich grossen Realismus. Der Kontrast zwischen den überwiegenden ruhigen Szenen und den vereinzelten extremen und schnellen Gewaltausbrüchen symbolisieren geradezu meisterlich die Zerissenheit der Hauptfigur mit seiner Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Doch wenn er gefordert wird, wenn es aus ihm rausbricht dann kann er es in voller Härte ausleben.

Erfrischend anders war auch der für Cronenberg Filme zumindest untypische und augenzwinkerfreie Humor. In einigen Szenen wurde wirklich gelacht, das kann man ja nicht bei allen Filmen von ihm behaupten.

Unheimlich gut schildert er die Wandlung der Stimmung innerhalb der Famile, die verschiedenen Zerreißproben zwischen Angst, Zusammenhalt, Loyalität, Hass, Liebe.......schauspielerisch wird hier erste Sahne geboten - und zwar nicht nur von den Hauptpersonen, sondern auch allen Nebendarstellern. Die o.g. Gefühlsdimensionen kommen wirklich sehr deutlich rüber. In Kombination mit den unspektakulären, einfachen Dialogen kommt man richtig rein in den Film und lebt quasi mit....das erreichen nicht viele Filme.

Es ist nicht mein Lieblingsfilm von David Cronenberg aber dennoch ein Film der weit über vieles was sonst so angeboten wird hinausragt. Schauspielerisch meisterhaft, im Tempo gewöhnungsbedürftig und kantig, (noch) keine Massenware eben. Ich gebe ihm 7/10 Punkten.

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