Review

Ich kann mich noch gut daran erinnern zum ersten Mal Cronenbergs "Die Fliege" gesehen zu haben. Mein acht Jahre älterer Bruder hatte den Film mit seinem neuen und hart ersparten ersten Videorecorder aufgezeichnet. Ich war 14 und scharf auf den Film. Ich meine wirklich scharf. Schärfer war ich höchstens noch auf Super Empire Strikes Back für mein Super Nintendo oder die rothaarige Sonya aus der Parallelklasse. Erreichbar war keines dieser Dinge für mich. Keine Chance, wirklich nicht. Bis besagter Bruder Nachtwache beim Bund und die sonst für solche Fälle vorgesehenen Vorsichtsmaßnahmen (Kabel entfernen,etc.) vergessen hatte. Okay, Sonyas Freund fuhr Auto, der offizielle deutsche Verkaufsstart der Star Wars Daddlerei in weiter Ferne aber der Film sollte wenigstens einen Abend nur mein sein. Und was das für ein Film war. Saucool, saublutig (für meine damaligen Verhältnisse) und fast so verstörend wie gemischter Schwimmunterricht in der siebten Klasse.

Seine weiteren Werke habe ich dann erst viel später kennen und schätzen gelernt. Irgendwann war man dann sogar aufgrund eines oder mehrerer Cronenberg Machwerke ein wenig enttäuscht. Aber schon von Spider mit Ralph Fiennes war ich wieder sehr angetan, wenn auch aus anderen Gründen als früher. Nun besinnt sich der Kanadier also wieder auf alte Stärken, zumindest was die Bildsprache angeht.

Tom Stall, solider Familienvater und Besitzer eines Kleinstadtdiners avanciert zum Lokalhelden als er einen brutalen Raubüberfall zu verhindern weiß. Sogar Presse und Fernsehen springen an währen der Rummel für Tom eher unangenehm ist. Wenig später tauchen ein paar skurille Typen auf und behaupten Tom zu kennen. Sie halten ihn für den Bruder eines Gangsterkollegen.

Cronenberg ist hier wieder ein verstörendes Werk der Extraklasse gelungen, wobei man den Titel des Films ruhig wörtlich nehmen kann. Auf intelligente und durchaus subtile Art und Weise (auch wenn wieder alte Stärken ausgespielt und recht deftige Akzente gesetzt werden) wird die Natur der Gewalt ans Licht gebracht. Un dabei ist es auch gerade mal egal ob es sich um psyschiche, physische oder sexuelle Auswüchse selbiger handelt. Inwieweit man sich dabei an die Comicvorlage gehalten hat ist mir leider nicht bekannt, aber der mir bis dahin unbekannte Josh Olson hat hier wirklich ein ganz hervorragendes Drehbuch abgeliefert. Aus der Besetzung möchte ich vor allen Dingen John Hurt hervorheben, der hier zwar nur eine Nebenrolle ausfüllt, mich aber wirklich mit seiner Leistung positiv überrascht hat.

Ein Film der seine Stärken im ausgezeichneten Drehbuch und der abgeklärten Regie und Bildprache Cronenbergs hat. Alte Cronenberg Fans wie ich haben sich zumindest ein Loch in den Bauch gefreut.

8/10

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