David Cronenberg gilt als Regisseur der Extreme. Seine Filme beschäftigen sich zumeist mit physischen (DIE FLIEGE) und psychischen (CRASH) Abnormitäten des Menschen, die radikal gezeigt und beschrieben werden. Damit entziehen sich seine Werke gänzlich den üblichen Sehgewohnheiten. Umso überraschender, dass sich sein neuester Film sehr linear und als scheinbar gewöhnlicher Thriller präsentiert.
Tom Stall ist Angestellter eines Cafes und lebt mit Frau und Kindern ein ruhiges, bescheidenes Leben auf einer Farm einer amerikanischen Kleinstadt. Als eines Tages brutale Raubmörder im seinem Diner für Ärger sorgen, schaltet er diese kurzerhand aus und rückt ins Rampenlicht der Medien. Auch zwielichtige Gangster bekommen davon Wind und glauben Tom zu kennen. Eine Lawine der Gewalt kommt ins Rollen…
Was sich wie eine simple Kriminalgeschichte anhört, entpuppt sich unter der Oberfläche als vielschichtige Gewaltstudie. So wird das Thema in unzähligen Facetten präsentiert und seziert: Es gibt Gewalt aus Spaß, Gewalt zur Verteidigung, sexuelle Gewalt, Gewalt unter Jugendlichen und, und, und. Den einen ist sie gleichgültig, andere gehen daran fast zu Grunde. Cronenberg zeigt schonungslos, wie über ein provinzialisches Idyll etwas hereinbricht, das man so sicher nur in Großstädten für möglich gehalten hätte. Die Inszenierung gestaltet sich bewusst ruhig, aber nicht behäbig und wird nur von wenigen Actionszenen gebrochen. In diesen geht es aber richtig zur Sache: Cronenberg zeigt, was andere nur zu gerne aussparen. Es werden Nasen gebrochen, Schädel zerschossen und auch sonst einige blutige Details geliefert. Aufgrund des explosiven Einsetzens dieser Bilder wirkt das Geschehen äußerst brutal – so wie Gewalt nun mal ist. Dennoch konnten sich einige Zuschauer ein Lachen in diesen Szenen nicht verkneifen. Ein Ausdruck der Verstörung? Komisch war das Gezeigte jedenfalls nicht! Bemängeln ließe sich, dass der Film zu schnell und zu abrupt endet, aber in Wirklichkeit ist er nur konsequent: Er endet an einem Punkt, an dem es nichts mehr zu sagen gibt. Das Geschehen hier noch weiter auszudehnen wäre unnütz. Und so endet ein Film, der trotz simpler Grundidee zu fesseln vermag und auch dank der souveränen Schauspieler stets glaubwürdig bleibt. Wer also mal einen Thriller sehen möchte, der sich im Nachhinein diskutieren lässt, sollte diesen Film sehen. Anhänger von David Cronenberg kommen ohnehin nicht daran vorbei. (8/10)