Review

In dem „neuesten Gewaltschocker“ (so wurde der Streifen des Öfteren bezeichnet), der sich plump, aber treffend „A History of Violence“ nennt, merkt man möglicherweise vieles, aber vor allem eines ganz eindeutig: nämlich Cronenbergs absolut unmotivierte Regie.

Die größte Schwäche des Thrillerdramas ist definitiv die konstant flach verlaufende Dramaturgie. Dass die Hauptperson Tom alias Joey (zwar gut gespielt von Viggo Mortensen, dennoch als Figur eher blass) eine schattenhafte Vergangenheit hat merkt man zu schnell und unüberrascht. Dialoge und diverse Situationen lassen zu schnell und zu eindeutig darauf schließen, dass eine Verwechslung der Identitäten vollkommen ausgeschlossen ist, und ich frage mich, ob der Film überhaupt ein Geheimnis daraus machen wollte. Wenn nicht, dann stellt sich allerdings die nächste Frage, nämlich woher der Film sonst seine Spannung beziehen könnte? Tja...
Einziger Bonus neben den angestrengt und teilweise authentisch - bemüht spielenden Darstellern sind die vergleichsweise wenigen, aber durchaus drastischen Gewaltszenen, bei denen keine Kompromisse eingegangen werden. Keine Tötung wird hier geschönt, und die Kamera weigert sich schroff, in den richtigen Momenten auszublenden, sodass den Zuschauer gewiss keine rote Farbe erspart bleibt. Auch ansonsten wurde hierbei handwerklich sehr akribisch gearbeitet, was am Schnitt und den Kameraperspektiven deutlich erkennbar ist.
Ansonsten hat der Streifen leider so gut wie nix zu bieten. Wie schon beschrieben will partout keine Spannung aufkommen, die Auflösung wird zu schnell vorweg genommen und das Finale ist (neben ein paar netten Kills durch unseren beliebten Aragorn) wirklich unter aller Sau – da kann auch William Hurt, an sich einer meiner Lieblingsdarsteller, nichts mehr dran rütteln, so dümmlich kommt das Ganze rüber. Warum vor die Shootouts noch so überflüssige Dialoge pflanzen, die nicht einmal im Ansatz tiefgründig sind? Nicht einmal der Versuch, in einem kleinen amerikanischen Provinzkaff eine urbane Gangsterbedrohung aufkommen zu lassen, die die friedliche Idylle des Landes dahinsprengt, will gelingen, Cronenberg und sein Team bekommen echt nichts auf die Reihe. Auch Ed Harris´ imposanter Auftritt als Gangsterboss wird durch das hohle Drehbuch zunichte gemacht. Im Grunde genommen könnte man die Zusammenfassung des anspruchlosen Films fast schon darauf beschränken, dass der gute alte Viggo in netten Einstellungen diverse Leute ins Jenseits befördert. Fertig. So fade sind und bleiben Story und Dramaturgie.

Viel versprechend durch Namen und angekündigte Handlung im Vorhinein, Enttäuschung nach dem Ansehen. Lieber bei einem Kumpel reinziehen, der dumm oder reich genug war, einen Zwanni für die DVD hinzulegen.

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