Review

A History of Violence

Wieder wagt ein Regisseur den Blick hinter die Gardinen einer vorbildhaften Vorstadtfamilie. In Unterschied zu diversen anderen, ähnlichen Demontagen des amerikanischen Traums, ist bei David Cronenberg’s neuestem Film am Anfang tatsächlich noch alles in bester, gepflegter Ordnung. Tom (Viggo Mortensen) lebt mit seiner Frau Edie (Maria Bello) und seinen zwei Kindern ein völlig normales und zufriedenes Leben, als die Gewalt eines Tages in dieses Leben einbricht und von dort an nicht mehr weichen will. Alles beginnt damit, dass Tom in Notwehr zwei psychopathische Killer erschießt und damit widerwillig zum Kleinstadthelden aufsteigt. Ein paar Tage später sitzt ein in schwarz gekleideter Mann (Ed Harris) in Tom’s Café und ist fest davon überzeugt, dass sich beide in der Vergangenheit bereits getroffen und nun noch eine Rechnung offen haben...
Langsam aber sicher lässt Cronenberg die Familie immer tiefer in den Sog der Gewaltspirale kommen. In „A History of Violence“ geht es nicht um die Ursachen der Gewalt, sondern um ihre Auswirkungen. Deshalb verkauft man den Film auch unter Wert, beziehungsweise missversteht das Anliegen Cronenberg’s, wenn man sich über fehlende Storytwists oder krasse Wenden beschwert. Auch den Ausweg für die Familie deutet Cronenberg am Ende lediglich zaghaft an. Bis dahin hat der Zuschauer allerdings schon einiges zu schlucken.
Mit einem sehr dezenten Score unterlegt, bemüht sich „A History of Violence“ um Authensität und lässt die Gewalt das Bild der Ruhe, ähnlich wie in Kitano’s Werken, ohne Stilisierung beinahe explosionsartig zerstören.
Was Cronenberg’s kleinen aber feinen Thriller dabei zusätzlich so spannend macht, sind die überragenden Leistungen der Schauspieler. Wie die Familie langsam an den Ereignissen zerbricht ist durch die Leistungen von Maria Bello und insbesondere Viggo Mortensen fast schmerzlich zu spüren. Besonders letzterer beweist in seiner Darstellung des ruhigen, gutmütigen Familienvaters, der, wenn es ein muss, allerdings auch zu allen Mitteln greift um seine Familie zu verteidigen, dass er eindeutig zu den talentiertesten, derzeit aktiven Schauspielern gezählt werden darf. Auch die Nebenrollen sind mit Ed Harris und William Hurt perfekt abgedeckt stellen je eine Besonderheit für sich dar. „A History of Violence“ ist großes, spannendes und eindringliches Schauspielkino mit Anspruch. Der Zuschauer wird gefordert und zum nachdenken gebracht, gerade weil Cronenberg ihm zum Schluss keine vorgekaute Lösung oder moralische Botschaft vor die Füße wirft.
Damit zählt der Film eindeutig zu den absoluten Thrillerhighlights der letzten Jahre.
8-9/10 Punkten.

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