Review

Ist euer Partner die Person, für die ihr ihn haltet? Ja? Und wenn nicht, was seit ihr selbst dann? Wenn ihr Familie habt, wer sind dann eure Kinder?
Fragen, die wir alle uns vielleicht nie gestellt haben, die aber Kultregisseur David Cronenberg in seinem letzten Film „A History of Violance" aufwirft. Der Film erzählt die Geschichte des glücklichen Familienvaters Tom Stall (Viggo Mortensen), der es bei seiner Arbeit als Betreiber eines Diners mit einer Kundschaft aus Philadelphia zu tun bekommt, die ihm ausschließlich Unbehagen entgegenzubringen scheint. Es soll ein schauderhafter Besuch werden, der ihn seine vergessen geglaubte Vergangenheit vor der Nase hält. Einer Vergangenheit, die er sich entledigt geglaubt hat zu haben. Einer Vergangenheit, die so furchtbar - so existenzbedrohend für die Gegenwart ist, dass er sie schlichtweg verleugnen will. Verleugnen jedoch hat keinen Sinn. Tom Stall ist kein Kind von Traurigkeit und die Art und Weise, wie er mit den ungebetenen Gästen kurzen Prozess macht, lässt keinen Zweifel daran: Tom Stall ist nicht der nette Nachbar von nebenan, für den er in seinem kleinen Wüstenkaff gehalten wird. Der finstere Besuch kam nicht von ungefähr. Das alles mag vielleicht noch seine Frau Edie ( Maria Bello) glauben - Der Aufmerksame Filmfreund jedoch riecht den Braten dann doch recht schnell. Unterdessen wird Tom höchst unfreiwillig zum „Small Town Hero", der in den Schlagzeilen der Dorfgazette steht, nachdem er sich in Gangstarmanier von seinem ungebetenen Besuch entledigte.
Es soll aber nicht der letzte Besuch aus Philadelphia bleiben. Die Gefolgschaft, die sich nun wiederum ankündigt versteht noch erheblich weniger Spaß, als es die Gäste aus Philadelphia zuvor taten. Es scheint sogar so, dass diese ungebetenen Gäste eine gewisse Beharrlichkeit - Ja Zähigkeit aufweisen. Nein - diese zweite Gefolgschaft um den trübäugigen Carl Fogarty (Ed Harris) weis, was sie will und sie kennt ihre Mission. Und sie scheint Tom - nein Joej (so nennen sie ihn) zu kennen. Und es scheint so, als ob dem zwielichtige Carl Fogarty etwas auf den Nägeln Brennt, als ob er so etwas will, wie Vergeltung! Der Zuschauer ahnt es bereits: Das sind eiskalte Profis und Tom Stall ist in Wirklichkeit Joey Cusack aus Philadelphia - Seine Vergangenheit scheint ihn eingeholt zu haben. Nein, damit habe ich noch nicht zuviel verraten. Der Film spielt lange mit der Idee der doppelten Identität Tom Stalls, jedoch ist das nicht die schlussendliche Aussage des Films. David Cronenberg beschäftigen andere Fragen:
Wie wichtig ist Gewalt in der (amerikanischen) Gesellschaft? Hebt die Ausübung von Gewalt den sozialen Status? Zumindest beim eher sensiblen, in sich gekehrten Sohn Toms - Ashton - scheint es so zu sein, als er in einen Nebenhandlungsstrang seinen Widersacher aus dem Baseballteam zu Boden schlägt, nachdem dieser ihn immer und immer wieder verbal erniedrigte. Die Ausübung von Gewalt bringt also gesellschaftliche Anerkennung, genauso, wie es beim lieben Vater war! Stoff zum nachdenken!
Ich verrate nicht zuviel - in diesem Streifen hat die Gewalt erst angefangen - Nicht umsonst ist sie im Filmtitel eingebunden - eingehen will ich jetzt aber nicht mehr drauf, weil das Ende des Films nichts mit der schlussendlichen Aussage zu tun hat und ich nicht unnötiger weise mehr verraten will als notwendig.
Interessant allemal noch die Frage, wie geht eine Familie um, mit Jemanden, der vorgibt jemand zu sein, der er nicht ist. Es scheint so, als ob sich dieser Jemand einen neuen Rang erarbeiten muss und das dies nur ganz langsam geschehen kann - wenn überhaupt.Die Gewaltszenen die uns David Cronenberg darbot waren recht spektakulär. Nein, da reichte es nicht aus jemanden so richtig zu verdreschen - Das Nasenbein musste ihn ins Hirn geprügelt werden. Wenn jemanden in den Kopf geschossen wird, dann hat der Unterkiefer auf halb acht zu hängen und wir alle können dann doch noch zumindest für recht lange Sekunden den röchelnden Todeskampf beiwohnen. Bei Kopfschüssen fliegt dann das gesamte Gedöhns durch die Luft. Vor Sexszenen schreckt ein David Cronenberg auch nicht zurück. Dass Joey Cusack wirklich ein ganz anderer Mensch ist als Tom Stall wird erst hier deutlich.

„A History of Violence" ist ein Film über Gewalt und und er zeigt Gewalt. Ob es schön ist oder nicht, danach fragt David Cronenberg nicht. Das ist auch gar nicht seine Intention. Gewalt an sich ist etwas Abscheuliches und genauso abscheulich stellt er diese Gewalt auch dar.

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