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Jonathan Rhys Meyers spielt einen jungen Tennislehrer, der sich in eine Frau aus einer reichen Familie verliebt und schließlich heiratet. Durch die Heirat und die Sympathie ihres reichen Vaters gelingt ihm endlich der gesellschaftliche Aufstieg, von dem er schon so lang geträumt hat. Doch als er sich in die junge amerikanische Schauspielerin Scarlett Johansson verliebt und ein Verhältnis mit ihr beginnt ist dieser Aufstieg bedroht. Dann wird Johansson auch noch schwanger und will die Affäre preisgeben.
Die Story, so banal und altbekannt die Handlung auch sein mag, ist sehr gut. Woody Allen beweist einmal mehr, dass er der vermutlich beste Drehbuchautor aller Zeiten ist. Er verbindet eine Gesellschaftssatire und ein Liebes-Drama, dass zum Ende hin immer mehr zu einem klassischen Thriller ausatet. Die Charaktere haben Tiefe und sowohl Meyers Frau, als auch Johansson sind relativ liebenswert konstruiert, sodass Meyers selbst noch skrupelloser wirkt. Der Film ist praktisch gespickt mit Gesellschaftskritik und Symbolen. Die Szene, in der Meyers den Ehering einer alten Frau an das Brückengeländer wirft und der Ring dann doch auf die richtige Seite fällt, wird der Zuschauer nicht so schnell vergessen.
Der Film läuft ein wenig langsam an und entwickelt seinen Unterhaltungswert erst im Mittelteil, der den Zuschauer durchaus fesseln kann. Das Ende ist dann sogar spannend und die Auflösung war so nicht vorherzusehen. Hier kann Allen einmal mehr billige Thriller-Klischees abwenden und konstruiert so einen einzigartigen Film.
Die Hintergrundmusik, die viele Kritiker besonders lobten, ist meiner Meinung nach der große Schwachpunkt des Films. Aufgrund der tragischen Handlung erinnert der Film an die alten griechischen Tragödien oder an Opern-Stücke, weswegen Allen sich entschied, als Hintergrundmusik ausnahmslos italienische Opernstücke zu verwenden. Die Idee ist gut, aber spätestens nach der ersten Hälfte des Films nervt diese ständige Beschallung den Zuschauer dann doch. Egal ob Kuss- oder Mordszene, die ganze Zeit ist die gleiche nervige Opern-Musik zu hören. Die Kulisse hingegen ist gut und vermittelt einen gewissen Glamour der oberen Gesellschaftsschicht und erinnert somit auch an das klassische Drama.
Regisseur Woody Allen, dem im Laufe der 90er Jahre oftmals vorgeworfen wurde, seine Filme seien belanglos, schaffte es mit diesem Werk und seiner Oscar-Nominierung fürs Drehbuch sämtliche Kritiker zum Verstummen zu bringen. Es war der erste Film, den Allen nicht in New York, sondern in London drehte und scheinbar hat der Ortswechsel ihm gut getan. Es ist bereits der 39. Film vom Altmeister. Wer hier aber wieder eine gelungene Tragi-Komödie mit viel Wortwitz ganz im Stil von Allen erwartet, wird vermutlich bitter enttäuscht werden.
Jonathan Rhys Meyers spielt sehr gut und liefert ohne Zweifel die bis dato beste Leistung seiner Karriere ab. Scarlett Johansson spielt ebenfalls sehr gut und drehte im Anschluss an Match Point die Krimi-Komödie Scoop -Der Knüller ebenfalls in London und ebenfalls mit Woody Allen. Die übrigen Nebendarsteller sind ebenfalls gut.
Zusammenfassend ist Match Point eines der besten neueren Werke von Woody Allen, das mit guten Darstellern gespickt ist und eine gute Mischung aus Thriller und Liebesfilm darstellt, aber leider mit überaus nerviger Musik unterlegt wurde.

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