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In seinem 3. Film traute sich John Singleton schon einiges zu. "Higher Learning" ist der (mehr oder weniger) offizielle Nachfolger von "Boyz N the Hood", immerhin spielen Ice Cube, Regina King, Laurence Fishburne und Morris Chestnut (wenn auch in einer etwas anderen Rolle) wieder mit.

Der Film zeigt die Schwierigkeiten der Studienanfänger Kristin (Kristy Swanson), Malik (Omar Epps) und Remy (Michael Rapaport), die sich in der wirklichen Welt, in der Rassismus, Sexismus und Vorurteile regieren, zurechtfinden müssen.
Kristin wird auf einer Party vergewaltigt und sucht danach nach ihrer sexuellen Identität.
Malik ist schwarz und hat mit Vorurteilen bzw. Rassismus zu kämpfen, außerdem muss er um ein Vollstipendium kämpfen.
Remy stammt aus der Provinz und hat Probleme, Anschluss zu finden. Als Neonazis ihn für ihre Gruppe gewinnen wollen, lässt sich Remy auf sie ein. Zu spät merkt er, in welche Verstrickungen er sich begeben hat. Beim Showdown während des Friedensfestes kommt es zur tödlichen Auflösung, wo sich alle drei Studienanfänger wieder begegnen...

Rassismus und Vorurteile sind nicht nur in Deutschland Dauerthema und ein heißes Eisen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Kameradschaft in Neonazi-Kreisen, die viele junge Männer anzieht, werden in "Higher Learning" realistisch dargestellt. Remy hat nur die Wahl zwischen hilflosem Einzelgänger oder Neonazi. Da siegt dann eben der Herdentrieb.
Maliks Probleme sind dagegen weniger verständlich. Dass er versucht, bei Professor Phipps (Laurence Fishburne) bessere Noten zu erreichen, indem er an das Zusammengehörigkeitsgefühl der Schwarzen erinnert oder sich einredet, dass er aufgrund seiner Hautfarbe anders behandelt wird, ist einfach nur lächerlich. Aber es kann ja tatsächlich sein, dass solche Hohlblöcke an amerikanischen Universitäten rumlaufen (würde mich nicht wundern, immerhin können die sogar Präsident werden).
Er hat halt nur ein Stipendium bekommen, weil er ein guter Läufer ist, das ist alles. Wenn er nicht rennt, ist er ein Niemand (das wird von Ice Cube thematisiert (als er versucht, Malik aufzuklären): "Run, Nigga, Run!").
Kristin hingegen ist nach der Vergewaltigung auf der Suche nach Erfüllung. Die Vorsitzende der Frauengruppe kommt Ihr näher, ebenso wie Maliks Zimmergenosse.

Der konsequent-traurige Showdown rechtfertigt dann doch die BBFC15- bzw. FSK16-Freigabe, ansonsten hat der Film keine Action. Hier und da wird sich mal gekloppt, das war’s. Die Neonazis bekommen es ganz schön drauf in dem Film, teilen aber auch aus. Remy wird als psychisch labiler, nur bewaffnet selbstbewusster Mitläufer, der später zum Täter wird, dargestellt. Für die Rolle ist Michael Rapaport einfach ideal.
Für Fans von "Boyz N the Hood" ist der Streifen natürlich Pflicht, ansonsten nur für Leute, die sich für Rassismus oder die Zustände an amerikanischen Universitäten interessieren.

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