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Robert Cummings spielt Barry Kane, einen Mitarbeiter einer Flugzeugfabrik, der bei einem Brand im für die Kriegswirtschaft wichtigen Werk zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Er reicht, als das Feuer ausbricht, einen Feuerlöscher an seinen besten Freund weiter, der daraufhin in den Flammen stirbt. Wie sich später herausstellt, war der Feuerlöscher mit Benzin gefüllt, weshalb Kane der Sabotage verdächtigt und von der Polizei gesucht wird. Allerdings gelingt es ihm unterzutauchen, woraufhin er sich auf die Suche nach dem wahren Saboteur begibt, für den er einen Mann namens Fry hält.

Hitchock hat Meisterwerke wie „Psycho“ oder „Das Fenster zum Hof“ hervorgebracht, die dem Publikum auch Jahrzehnte nach dem Tod des Regisseurs noch vor Augen führen, warum der Brite als „Master of Suspense“ gefeiert wird. Viele seiner Filme entfalten immer noch eine dichte Atmosphäre, zeichnen sich bis heute durch eine perfekte Spannungskurve aus. Darüber gerät mitunter etwas in Vergessenheit, dass auch ein Hitchcock seinerzeit einige angepasste und konventionelle Filme gemacht hat, die im Laufe der Jahrzehnte viel von ihrem Zauber verloren haben. „Saboteure“, in dem, wie später in „Der unsichtbare Dritte“, ein Unschuldiger quer durch die USA verfolgt wird, bietet zwar soliden Kurzweil, kann sich aber kaum mit den besseren Filmen des Altmeisters messen.

Mit der Thematik um eine größenwahnsinnige Organisation, die in den USA Sabotageakte auf kriegswichtige Industriebetriebe oder direkt auf militärische Ziele verübt, reiht sich Hitchcocks Film in die Riege der zum Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg erschienenen Propagandafilme ein, was aus historischer Sicht recht interessant, inhaltlich aber recht platt ist. Hitchcock ventiliert die Kriegspropaganda immerhin recht dosiert und baut zudem auch einige gelungene Ideen ein, wie etwa die Begegnung des Verfolgten mit einer Zirkustruppe, in der die gesellschaftlichen Außenseiter, die Freaks, ein großes Herz und mehr Menschenkenntnis als die meisten Gesetzeshüter offenbaren.

Auch in weiterer Hinsicht ist „Saboteure“ eher stumpfe Auftragsarbeit als schöpferisches Meisterstück. So riecht der gesamte Film nach Studio, allzu oft ist deutlich erkennbar, dass es sich um gekünstelte Szenen vor Pappkulissen handelt. Und auch die vorhersehbare wie aufgesetzte Liebesgeschichte zwischen dem Verfolgten und der von ihm entführten Dame, die den Film immer wieder ausbremst, untermauert wiederholt den Eindruck, dass es sich bei diesem Hitchcock um einen etwas antiquierten Durchschnittsfilm handelt.

Dennoch sorgt die wechselhafte Schnitzeljagd durch die USA durchaus für Kurzweil, weil der im Stile eines Roadmovies erzählte Film für allerhand Abwechslung sorgt und selten lang an Ort und Stelle verharrt. Da die hinter dem Saboteur stehende Organisation mit jeder neuen Entdeckung immer weitreichender und einflussreicher zu werden scheint, da sie bestens vernetzt ist und das bis in höchste Kreise, wird zudem für Spannung gesorgt, weil prinzipiell jeder mit der Organisation unter einer Decke stecken könnte. Der Abgang ist dann, trotz Action-Szene auf der Fackel der Freiheitsstatue und Schießerei in einem Kinosaal, etwas enttäuschend, weil sich das Finale zu sehr in die Länge zieht und immer dann, wenn es schlecht um den Protagonisten und seine Begleiterin steht, doch wieder auf ein retardierendes Moment gesetzt und das Tempo verschleppt wird.

Fazit:
„Saboteure“ ist eine über weite Strecken unterhaltsame Mischung aus Thriller und Roadmovie, jedoch in vielerlei Hinsicht etwas antiquiert und für Hitchcock-Verhältnisse auch sehr konventionell. Zu Recht einer der weitgehend vergessenen Filme des Altmeisters.

50 %

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