Review

„Es ist dir wohl Spaß, Menschen zu töten?“

Der Erfolg von „Mad Max“ inspirierte auch die italienische Filmindustrie zum einen oder anderen Endzeit-Film. Im Jahre 1982 drehte der berüchtigte Low-Budget-Filmer Joe D’Amato („Man-Eater“) in diesem Zuge „2020 - Texas Gladiators“, ein Jahr später folgte „Endgame – Das letzte Spiel mit dem Tod“, kurz nachdem Sergio Martino mit „Fireflash – Der Tag nach dem Ende“ den vielleicht besten italienischen Endzeit-Beitrag auf die Leinwand gebracht hatte.

„Endgame – Das letzte Spiel mit dem Tod“ geht einmal mehr von einer durch einen Atomkrieg in naher Zukunft weitgehend zerstörten Planeten aus, auf dem sich unterschiedliche „Rassen“ bzw. Interessengruppen gegenseitig bekämpfen. So hat sich eine Art neuer Diktatur der „Normalen“ gebildet, die die durch die atomare Strahlung veränderten „Mutanten“ unterdrücken und jagen. Im „Endgame“ treten unterschiedliche Gladiatoren zur Publikumsunterhaltung gegeneinander an, der stärkste von ihnen ist Ron Shannon (Al Cliver, „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“), Nachdem er einen weiteren Sieg, auch über seinen ehemaligen Schulfreund Karl Karnak (George Eastman, „Man-Eater“), den er als einzigen Gegner am Leben ließ, eingefahren hat, bittet die attraktive und zur Telepathie befähigte Mutantin Lilith (Laura Gemser, „Nackt unter Kannibalen“) ihn, sie und andere Mutanten aus der Stadt an einen sicheren Ort zu bringen. Die versprochenen 50 kg Gold überzeugen Shannon schließlich, der eine Geleittruppe aus mehreren Söldnern zusammenstellt und sich auf die beschwerliche Reise macht…

D’Amato hat offensichtlich recht optimistische Vorstellungen von den Folgen atomarer Verstrahlung, denn in „Endgame“ befähigt sie die „Mutanten“ zu telepathischen Fähigkeiten. Praktisch ist es da, dass auch Shannon diese Gabe zum Teil besitzt und er so kraft seiner Gedanken mit der schönen Lilith kommunizieren kann, die, obwohl von „Black Emanuelle“ Laura Gemser gespielt, nicht pausenlos nackt durchs Bild läuft, sondern sich unter einer Art Schleier verhüllt. Die Thematik der Menschenjagd zu Unterhaltungszwecken ist heutzutage zwar fast schon ein alter Hut, „Endgame“ entstand jedoch noch vor „Running Man“, jener Stephen-King-Verfilmung, die den wohl populärsten Beitrag zu dieser 1970 von Wolfgang Menge mit „Das Millionenspiel“ losgetretenen Form von Medien- und Gesellschaftskritik im Spielfilmformat darstellt (und um Längen besser ist als „Running Man“, aber das nur am Rande). Diese steht auch gar nicht im Mittelpunkt von „Endgame“, sondern dient lediglich der Einführung der Charaktere, dem Aufzeigen des post-zivilisatorischen Zynismus – und bietet Raum für einige explizite Brutalitäten, die sich durch den ganzen Film ziehen werden. Im Mittelteil verkommt „Endgame“ gar leider zu einer stumpfen Action-Orgie mit ihren monotonen minutenlangen Schießereien; so oder so wird immer wieder ostentativ herausgekehrt, dass ein Menschenleben in dieser Post-Apokalypse keinen Pfifferling wert ist.

„Endgame“ wirkt in allen Belangen billiger und einfacher als beispielsweise Martinos „Fireflash“, kann aber wie so viele Filme dieses Subgenres mit einigen abgefahrenen Kostümen und gelungenen Masken sowie Make-up-Effekten aufwarten, was durchaus Spaß macht. Der Mutanten gibt es nämlich viele verschiedene und nicht jede „Gattung“ ist so lieblich anzusehen wie unsere Lilith. Ziel der Reise ist übrigens das Erschaffen einer neuen, friedlichen Gesellschaft, was die Gutartigen unter den Mutanten durch Hippie-Gequatsche von einer schönen, freien Welt versichern. Über zahlreiche Action-Einlagen inkl. Motorradstunts und aufgepimpter Endzeit-Mobile hangelt man sich so über wahre Leichenberge bis zum Finale, in dem ein kleiner Junge durch Telekinese zum Helden wird, bevor die idiotische Pointe einen denkbar unbefriedigenden Schlusspunkt unter diese mit zunehmender Spielzeit immer trashiger gewordene Sause setzt – ich denke da z.B. an die herunterpurzelnden Leichtbaufelsen, an denen jede Schauspieler-Berufsgenossenschaft aufgrund ihrer Harmlosigkeit ihre Freude hätte. Auf die Idee, das irgendwie zu kaschieren, kam D’Amato anscheinend nicht. Der Synthesizer webt permanent einen dudelnden Klangteppich, hin und wieder schleichen sich jedoch auch Trompetentöne ein, die mich dann schon wieder an „Fireflash“ erinnern.

Das Beste an „Endgame“ ist eindeutig sein Darsteller-Ensemble, denn Al Cliver macht als entfernt an „Die Klapperschlange“ gemahnende coole Sau eine überraschend gute Figur, Eastman passt ohnehin prima in solche Filme und die Gemser funktioniert als Beschützerinstinkte weckende Sympathieträgerin ob ihres zerbrechlichen Äußeren auch in Laken gehüllt gut. Doch obwohl sich „Endgame“ betont humorlos und grimmig gibt, ist hier natürlich überhaupt nichts ernstzunehmen. So fällt D’Amatos Ausflug nach Endzeithausen für einen Stumpf-Action-Muffel wie mich dann auch nur unter leidlich unterhaltsame Trash-Gefilde und erntet nur 5 von 10 tödlichen Handkantenschlägen. Die hat er aber auch verdient, insbesondere in Anbetracht dessen, was D’Amato einige Jahre später noch so verbrechen sollte, als er in seiner ganz realen Spielfilm-Endzeit abseits des Porno-Milieus angekommen war. Filme wie „The Riffs“ und, auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, „Fireflash“ sind dann aber doch eine andere Liga.

Details
Ähnliche Filme