Apokalypse aus der Zweitverwertung
Joe D’Amato, ein Name, der bis heute zuverlässig die Nasen der Hochkultur rümpfen lässt, war nie ein Regisseur des guten Geschmacks. Er war ein Pragmatiker, ein Schnellarbeiter, ein Mann des Marktes. „Endgame – Das letzte Spiel mit dem Tod“ ist dabei kein Höhepunkt seines Genres, aber ein faszinierender Knotenpunkt: Endzeitkino, Bahnhofsschmuddel, Videothekenfutter und dystopische Fantasie in einem. Ein Film, der heute nur noch existieren kann, weil er damals gedreht wurde.
Die Handlung von „Endgame“ ist völlig schamlos aus dem damaligen Endzeit-Mainstream zusammengeklaut. Nach dem Erfolg von „Mad Max“ und „Die Klapperschlange“ ergoss sich eine regelrechte Flut italienischer Rip-offs über die Kinoleinwände und Videotheken Europas. D’Amato, einer der produktivsten und chamäleonartigsten Regisseure des europäischen Exploitationkinos, war nie jemand der den Zug verpasste, und so reiht sich „Endgame“ brav in diese Tradition ein: Nach einer nuklearen Katastrophe ist die Welt zu einer postapokalyptischen Müllkippe verkommen, bevölkert von Mutanten, Banden, Söldnern und dubiosen Organisationen, die tödliche Menschenjagden als Volkssport veranstalten. Unser Held Shannon (Al Cliver), ein wortkarger Einzelgänger mit beeindruckendem Haarvolumen und minimaler Mimik, gerät zwischen die Fronten und muss sich durchballern, um zu überleben. Das Drehbuch folgt dabei der klassischen Italo-Maxime: Logik ist optional, Coolness Pflicht.
Gerade der Beginn ist überraschend atmosphärisch und wirkungsvoll: Blaustichige Filter, dichter Nebel, verlassene Industrieanlagen, zerfallene Hallen und Betonruinen erzeugen eine Stimmung, die irgendwo zwischen Endzeit-Albtraum und italienischem Musikvideo der frühen Achtziger schwebt. Der treibende Synthie-Score – billig, repetitiv, aber ungemein effektiv – pumpt dem Film eine melancholisch-maschinelle Seele ein. Man spürt förmlich, wie D’Amato und sein Team mit begrenzten Mitteln maximale Wirkung erzielen wollten.
Die Action ist: endlos. Und billig. Und herrlich. Schießereien ohne erkennbare Taktik, Waffen mit unerschöpflichen Magazinen, Explosionen, die mehr Rauch als Schaden anrichten. Motorräder – bevorzugt Motocross-Räder – werden gefahren, als wären sie das einzig verbliebene Fortbewegungsmittel der Menschheit. Realismus? Fehlanzeige. Energie? Jede Menge. Die Kostüme sind eine Offenbarung. Oder eine Beleidigung. Oder beides. Leder, Nieten, Stirnbänder, Schulterpanzer, Netzshirts – alles wirkt, als hätte man es aus einem schlecht beleuchteten Second-Hand-Laden für Heavy-Metal-Fans zusammengesammelt. Und genau das ist großartig. Diese lächerlichen Outfits sind kein Makel, sondern Markenzeichen. Sie erzählen von einer Zeit, in der Stil wichtiger war als Budget und Geschmack eine sehr dehnbare Kategorie.
Al Cliver als Shannon ist ein Ereignis für sich. Mit seinem stoischen Blick und der nahezu katatonischen Mimik liefert er eine Performance ab, die Chuck Norris nicht nur optisch Konkurrenz macht. Er spricht wenig, schaut viel und wirkt dabei stets so, als würde ihn all das nur mäßig interessieren. George Eastman gibt – wie so oft – den leicht schmierigen Antagonisten. Ein Mann, der aussieht, als würde er auch im echten Leben niemals einem Gebrauchtwagenkauf trauen. Laura Gemser schließlich ist mehr als nur dekoratives Beiwerk. Natürlich darf sie gut aussehen – das gehört zum Genre –, aber sie bekommt auch Momente der Stärke. Sie beschützt Shannon mehrfach, was innerhalb dieses testosterongeschwängerten Endzeitkinos fast schon progressiv wirkt.
Fazit
„Endgame – Das letzte Spiel mit dem Tod“ ist ein Film, der genau weiß was er ist: europäisches Schmuddel-Bahnhofskino, entstanden in einer Zeit, in der man Trends nicht analysierte, sondern kopierte – schnell, schamlos und mit Leidenschaft. Er erreicht nicht die kultische Klasse eines „Fireflash“ oder „The Riffs“, doch er besitzt diesen schwer greifbaren Charme, den nur das italienische Genre-Kino der frühen Achtziger erzeugen konnte. Das ist Kino, das riecht nach VHS-Kassetten, verrauchten Videotheken und durchgesessenen Kinosesseln. Wer Lust auf Nebel, Synthesizer, absurde Kostüme, stoische Muskelmänner und das unverwechselbare Flair des italienischen Genrekinos hat, wird hier gut bedient.