Review

„Off screen“ ist ein Film, der die Realität zumindest in der Geiselnahme usw. exakt wiedergibt. Am 11 März 2002, genau ein halbes Jahr nach den Anschlägen vom 11. September, nahm ein scheinbar verwirrter Mann eine Gruppe von Menschen in Amsterdam als Geiseln...


Im Amsterdamer Rembrandt-Tower zieht der Busfahrer John Voerman (Jan Decleir) urplötzlich eine Waffe, lässt aber alle Menschen gehen bis auf zwei Leute des Personals.
Voerman will die beiden als Geiseln, bis der Chef des Philips-Konzerns, Gerard Wesselinck (Jeroen Krabbé), sich bereiterklärt, eine bestimme Pressekonferenz zu geben. Voerman glaubt, dass sich unter den schwarzen Balken eines Breitbild-TVs geheime Codes verstecken, mit denen die Menschen bald manipuliert werden sollen. Ferner erfährt der Zuschauer mehr über das immer katastrophalere Leben von John Voerman und seinem Verhältnis zu Gerard...


Dass der Film wirklich auf wahre Ereignisse beruhen soll, kann man zumindest in Deutschland nicht wissen, da diese Meldung wohl an den allermeisten vorbeigegangen ist. Den Geiselnehmer und seine Aktion gegen den Philips-Konzern hat es aber wirklich gegeben, wobei die in diesem Film erzählte Geschichte natürlich (noch?) ins phantastische abdriftet, schließlich soll man unterhalten werden.
Und wieder mal schaffen es die Benelux-Länder, nach Filmen wie „De zaak alzheimer“ oder „De indringer“ den Zuschauer mit ihren bescheidenen Mitteln zu unzerhalten. So gibt es wieder mal ein Großaufgebot, zumindest an Benelux-Stars, wie den Belgier Jan Decleir, der filmisch im 2. Frühling zu sein scheint und der Holländer Jeroen Krabbé, der selbst in Deutschland kein unbekanntes Gesicht ist.

„Off screen“ ist ein über weite Strecken ziemlich ruhiger Film, der immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin- und herspringt, um zu zeigen, wie es überhaupt zu der Geiselnahme gekommen ist. Dabei erlebt man, je länger der Film dauert, den psychischen und sozialen Abstieg von John Voerman. Kurioserweise wird Voerman fast immer von Gerard Wesselinck aufgefangen, doch ist das die ganze Wahrheit?

Auch wenn man das Ende relativ schnell erraten kann oder es nicht zufällig schon irgendwo gelesen hat, es passt einfach in unsere heutige Gesellschaft und hält uns einfach nur den Spiegel vor das Gesicht. Der Film zeigt, was in der heutigen Gesellschaft wirklich zählt, Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, zählen nicht mehr, es zählt nur die Gier und der eigene Erfolg. So endet dann auch dieser kleine, traurige Film mit einem wieder mal überragenden Jan Decleir, der seiner Rolle wie schon in „De zaak alzheimer“ die nötige Kraft verleiht und man ihm die Rolle jede Sekunde abnimmt. Auch Jeroen Krabbé überzeugt in der Rolle des unscheinbaren Managers, der doch irgendwie nicht so sein kann, wie er sich gibt.


Fazit: Auch der nächste Benelux-Film überzeugt, langsam wird es unheimlich, was so aus Belgien und den Niederlanden immer wieder rüberschwappt, aber in Deutschland keine oder kaum Beachtung findet. So wird auch diese kleine niederländisch-belgische Filmperle den meisten Zuschauern verschlossen bleiben, doch gerade durch sein realitätsnahes Finale ist der Film jede Sekunde wert, vor allem Dank des Belgiers Jan Decleir. Von mir aus kann die belgisch-niederländische Filmindustrie so weitermachen. Zur Zeit läuft sie in meiner Gunst ganz klar Amerikanern und Co Den Rang ab.

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