Innerhalb der Wallace-Reihe wurde im Laufe der Zeit immer wieder mit alten Traditionen gebrochen um der Serie neue, unverbrauchte Impulse zu verleihen. Ausflüge ins Drogen- und Rotlicht-Milieu, harte Revierkämpfe zwischen rivalisierenden Gangsterbanden, Schutzgelderpressung und Raubüberfälle sollten den Kinozuschauern eine Abwechslung zu den genretypischen Erbstreitereien bieten, die Bestandteil unzähliger Verfilmungen waren.
Auch Alfred Vohrers "Der Hexer" von Drehbuchautor Herbert Reinecker hebt sich wohltuend vom Wallace-Klischee ab und überzeugt auf ganzer Linie als leichtfüßiger, flotter Krimispaß, dessen Humor - trotz Eddi Arents Engagement in der Rolle des Butlers - weniger klamaukhaft ausgerichtet ist, sondern mit geistreichen Dialogen und Selbstironie überzeugt.
Die Besetzung dieser Krimikomödie ist bis in die kleinsten Nebenrollen erlesen besetzt und das Ermittlergespann setzt sich aus Siegfried Schürenberg, Blacky Fuchsberger, Heinz Drache und Siegfried Lowitz zusammen - besser geht es nicht.
In der Rolle der Bösewichte überzeugen Joachim Brockmann (bekannt als erster Wallace-Schurke aus "Der Frosch mit der Maske") und Carl Lange, die einen schwunghaften Mädchenhändlerring betreiben. Als man ihnen auf die Schliche kommt wird die unliebsame Mitwisserin kurzerhand aus dem Weg geräumt, ohne zu ahnen, dadurch auf der Todesliste des berüchtigten "Hexers" zu stehen, einem genialen Gentleman-Verbrecher, der es wie kein anderer schafft, die Mörder seiner Schwester zur Strecke zu bringen, ohne auch nur selbst einen Tropfen Blut zu vergießen. Er spielt die Gangster geschickt gegeneinander aus und ist Scotland Yard stets einen Schritt voraus. "Der Hexer" ist ein Genie und ein Mann der 1000 Masken, der stets in anderen Verkleidungen auf der Bildfläche erscheint und somit erst in einer der letzten Einstellungen des Films vom Yard und dem Publikum enttarnt werden kann.
Somit funktioniert die Auflösung dieses Verwirrspiels natürlich nur beim ersten Mal, dennoch zählt "Der Hexer" zu einer der besten und auch erfolgreichsten Produktionen der gesamten Reihe, so dass eine Fortsetzung unvermeidlich war, die allerdings nicht die Klasse des Originals erreichen konnte.
"Der Hexer" überzeugt weniger als klassischer Krimi nach bewährtem "Wer ist der Täter?"-Prinzip, sondern konzentriert sich voll und ganz auf die Frage, wer der "Hexer" ist. Dazu werden dem Zuschauer jede Menge falscher Fährten gelegt, die Verdachtsmomente unter anderem auch auf Heinz Drache gelegt, dessen Rolle bis zum auflösenden Ende sehr undurchsichtig angelegt ist.
Bis das raffinierte Verwirrspiel komplett entwirrt ist sorgt das clever konstruierte Drehbuch für einen ordentlichen Anstieg des Bodycounts und temporeiche Action mit augenzwinkerndem Humor, bei dem lediglich der alberne "Zickenkrieg" der beiden Darstellerinnen Sophie Hardy und Ann Savo übertrieben nervtötend ist und den Spaß etwas bremst.
Ansonsten ist und bleibt "Der Hexer" in seiner inszenatorischen Finesse und seiner unerreichten Klasse ein absolutes Highlight innerhalb der Wallace-Reihe, das auch noch 50 Jahren nichts von seinem Charme und Unterhaltungswert eingebüßt hat. Ein kleines, pfiffiges Meisterwerk, das sich von der typischen Machart anderer Adaptionen wohltuend unterscheidet.
8/10