Review

Es dürfte die Grundidee gewesen sein, welche Publikum und Kritiker seinerzeit dazu verleiteten, Hitchcocks Werk "Ich beichte" nicht sonderlich positiv aufzunehmen. Das Einhalten eines Schweigegelübtes mag für Nicht-Katholiken unter gewissen Umständen nicht nachvollziehbar sein, doch die eigentliche Problematik offenbart sich während des Showdowns, um aus dieser Nummer wieder halbwegs heil herauszukommen.

Priester Logan (Montgomery Clift) nimmt seinem Hausmeister Otto Keller (O.E. Hasse) die Beichte ab, in der er einen Mord an einen Anwalt aus Habgier schildert. Kurz darauf ermittelt Inspektor Larrue (Karl Malden) und beobachtet ein Treffen zwischen Logan und Ruth (Anne Baxter). Logan gerät daraufhin selbst in den Kreis der möglichen Täter, denn dieser wurde am Tatort in einer Priester-Soutane beobachtet...

Es ist ein wiederkehrendes Motiv bei Hitchcock, dass Figuren zu Unrecht verfolgt werden, da aufgrund der Schilderung von Keller mithilfe einiger Rückblicke Logans Unschuld früh untermauert wird. Hinzu kommen eine verbotene Liebe und eine daraus resultierende Erpressung, was die Erzählung insgesamt ein wenig konstruiert erscheinen lässt.
Doch im Endeffekt beichten sie alle, wenn auch nicht in der Form, wie es der Zuschauer erwarten würde, denn Ruth muss ihr Geheimnis preisgeben, dem Inspektor werden Informationen zugetragen und auch der Priester offenbart sich, - jedoch nicht auf die Art und Weise, wie es das Publikum, primär im Kontext einer Gerichtsverhandlung vielleicht gerne gesehen hätte.

Ansonsten ist der komplett ernste Grundton der Geschichte eher untypisch für Hitchcock, - eine Eigenheit, die er im Nachhinein selbst als deutlichen Fehler herauskristallisierte. Demgegenüber wirken die kirchlichen Gemäuer in Quebec fast schon ein wenig zu gewaltig und überdimensioniert in Szene gesetzt, obgleich das Spiel mit Licht und Schatten ansonsten hervorragend funktioniert, was ebenfalls für die ausgezeichnete Kameraführung gilt. Der Score von Dimitri Tiomkin ist zwar recht stimmungsvoll, doch aus dem Gesamtwerk geht leider kein markantes Thema hervor.

Erzählerisch verläuft das Ganze zuweilen ein wenig schleppend, zumal ein Whodunit wegfällt und einige Flashbacks zu ausladend sind. Auf der positiven Seite sind jedoch die durchweg guten darstellerischen Leistungen zu verbuchen, denn ein gezügelter Clift performt mit starker Präsenz und auch E.O. Hasse brilliert mit eindringlichem Spiel. Kleine Regie-Eigenheiten wie eine Apfel essende Frau in der Menge fallen natürlich sofort auf und auch das obligatorische Cameo lässt nicht lange auf sich warten, doch im Gesamtbild gehört "Ich beichte" zwar zu den vielen guten Werken Hitchcocks, doch mit vergleichsweise wenig Suspense und komplett fehlender Leichtigkeit innerhalb der Erzählung auch kein Highlight des Meisterregisseurs.
Knapp
7 von 10

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