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Martial Arts Filme vom chinesischen Festland waren bis zur allmählichen Öffnung des Landes rar gesät und wenn schafften sie es nur selten auch über die Landesgrenzen hinweg eine gewisse Popularität zu erlangen. 1982 erlangte ein unbekannter junger Kampfkünstler und Wushu-Champion namens Jet Li mit „Shaolin Temple“ über Nacht Berühmtheit. Weit weniger bekannt aber nicht minder sehenswert als Li’s schlagfertiges Leinwanddebut ist der hier rezensierte Eastern „Wu Dang“.

„Wu Dang“ kann man gewissermaßen als Gegenstück zu „Shaolin Temple“ betrachten, da sich in den Klöstern im Wu Dang-Gebirge der zweite sagenumwobene Entstehungsort der chinesischen Kampfkunst befindet. Während sich in den Tempeln des Shaolin Ordens am Berg Songshan die Shaolin-Kung Fu bekannte Kampfkunst Shaolin Quanfa entwickelte, gilt Wu Dang Shan als Wiege der inneren „weichen“ Kampfkünste wie Tai Chi Chuan.

Der Film „Wu Dang“ widmet sich nicht explizit den unterschiedlichen Kontrasten der verschiedenen Kampfkünste, zeigt dafür aber auf sehr unverfälschte Art und Weise die Wu Dang Kampfkunst. Damit unterscheidet sich diese Produktion von den meisten Genrevertretern, denn wenn einmal von Wu Dang die Rede ist dann wird meist nur die Schwertkampfkunst präsentiert. Das sich in Wu Dang aber sehr effektive Techniken ohne Waffen entwickelt haben wird dabei meist vernachlässigt, schon allein aus diesem Grund kann dieser Film jedem Martial Arts Film vorbehaltlos empfohlen werden.

„Wu Dang“ ist zugegeben ein sehr simpler Film der mit einfachsten Mitteln produziert wurde. Da offensichtlich kaum Geld zur Verfügung stand, sind die dargebotenen Kampftechniken sehr bodenständig. Vielleicht macht auch das gerade den besonderen Reiz dieses Films aus, denn die Techniken sind zu keinem Zeitpunkt übertrieben und realitätsfern. Im Gegenteil, der unverfälschte Charakter tut dem Film gut, denn so wird noch deutlicher das die Darsteller wirklich kämpfen können und zu artistischen Glanzleistungen in der Lage sind. Hinzukommt das auf Grund der geringen finanziellen Mittel viele Außenaufnahmen von den Original Schauplätzen im Wu Dang Gebirge zu bestaunen sind, was Filme aus Hongkong aufgrund der Trennung von China seinerzeit nicht bieten konnten. Die fantastischen Landschaftsaufnahmen dürften nicht nur jeden China-Interessierten begeistern, sondern werten „Wu Dang“ als Film deutlich auf.

Da der Schwerpunkt auf den Kampfszenen liegt, bietet die Geschichte in erster Linie Altbewährtes und setzt wieder einmal auf das gängige Racheschema. Wurzel allen Übels sind dabei wie so oft japanische Aggressoren, die sich durch ihre feindliche Expansionspolitik auf chinesischem Boden breit machen und einheimische Kampfkünstler gegen ihre eigenen Kämpfer antreten lassen. Dabei schrecken die Japaner auch nicht vor hinterhältigen Machenschaften zurück um gegen die Chinesen zu gewinnen.

Ein gewisses Maß an Propaganda kann man diesem Film sicher nicht absprechen, obwohl es heute schwer zu beurteilen ist ob eventuell die kommunistische Regierung hier gezielt rassistische Gedanken hat einfließen lassen. Kein Geheimnis ist aber das japankritische Eastern zu jener Zeit, insbesondere in den 70’ern, ein gern genutztes Mittel waren um sich gegen die Unterdrücker von Einst zu revanchieren.

Kein leichtes Unterfangen ist hingegen die Beurteilung des Filmes vom schauspielerischen Standpunkt, da schnell deutlich wird das es sich bei den Akteuren wohl in erster Linie um Kampfkünstler handelt. Die Handlungsszenen und Dialoge fallen daher reichlich einfach aus und sind kaum vergleichbar mit den Standards die heute im Genre gesetzt werden. Über diese Unzulänglichkeiten sollte man fairerweise großzügig hinweg sehen und den Film ausschließlich vom Kampfkunstaspekt betrachten.

Fazit:
„Wu Dang“ ist trotz oder gerade wegen des geringen Bekanntheitsgrades ein absoluter Geheimtipp für Eastern-Fans, da hier noch rohe und unverfälschte Kampfkunst geboten wird. Im Vergleich mit dem zeitnah entstandenen Jet Li Film „Shaolin Temple“ steht „Wu Dang“ kaum schlechter da. Im Gegenteil, beide Filme liegen qualitativ in etwa auf einem Level. Im Übrigen spielen die inneren Kampfkünste auch in Jet Li’s „Tai Chi“ eine zentrale Rolle, welcher an dieser Stelle auch noch einmal empfohlen sei.

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