The Myth heißt Jackie Chans jüngster Versuch, seinem etwas angestaubten Image neuen Glanz zu verleihen. Zeigte sein zuvor produzierter Actionstreifen New Police Story das er es immer noch kann, ist dieser Mix aus Abenteuerfilm und Historienepos leider wieder ein Schritt zurück.
Auch Jackie ist unterdessen etwas in die Jahre gekommen, daher wundert es auch wenig wenn er nicht mehr mit ganz so halsbrecherischen Stunts aufwarten kann wie einst. Damit verbunden ist wohl auch Chans Bemühen sich auf neues schauspielerisches Terrain zu wagen und in Filmen mitzuwirken die eigentlich gar nicht recht zu ihm passen bzw. die Fans nicht von ihm erwarten. Der angestrebte Imagewechsel zum kindgerechten Abenteuerfilm war zwar eigentlich schon mit In 80 Tagen um die Welt gescheitert, aber wie man sieht wohl nicht der letzte Film dieser Art.
The Myth ist eigentlich ein zweigeteilter Film, ein zur Hälfte in der Gegenwart spielender Abenteuerfilm, auf der anderen Seite ein historisches Fantasyepos im alten China. Schon Jet Li probierte sich in Dr. Wai and the Scripture Without Words (Schrift des Todes) an einem in Vergangenheit und Gegenwart geteilten Handlungsverlauf, doch schon damals war das Ergebnis eher mangelhaft. Angespornt durch die derzeit große Beliebtheit von monumentalen Wu’Xia Filmen a’la Hero und die gute internationalen Vermarktungsmöglichkeiten, wendet sich also nun auch Jackie der Antike zu. Mit mäßigem Erfolg, wie sich schnell herausstellt.
Der in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang ist wie der erwähnte Hero ebenfalls in der Zeit der Qing-Dynastie angesiedelt. Jene Epoche gilt als die Geburtsstunde des Großreiches China, auch wenn sie durch blutige Kriege herbeigeführt wurde. Die Zeugnisse der damaligen Zeit, wie die im Film zu sehenden Terracotta Krieger, sind bis in unsere Zeit erhalten geblieben.
Der in der Gegenwart angesiedelte Handlungsbogen erzählt die Geschichte des Archäologen Jack (Jackie Chan) der von Träumen heimgesucht wird, welche ihn als General Meng Yi der kaiserlichen Armee in die Zeit der Qing-Dynastie versetzen. Dort soll er Prinzessin Ok Soo zum Hof geleiten um des Kaisers Konkubine zu werden. Diese will aber vom sterbenden Kaiser nichts wissen und verliebt sich in Meng Yi. Jack macht sich mit einem Freund auf, seine merkwürdigen Träume zu erkunden und muss feststellen dass sie mehr sind als bloße Fiktion...
Leider harmonieren beide Handlungsbögen nicht wirklich miteinander und stören sich eher gegenseitig. Was wohl am meisten nervt sind die ständigen Zeitwechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Archäologenstory wäre ja an sich nichts schlimmes, denn Jackie hatte ja auch schon mit Armour of God einen recht brauchbaren Abenteuerfilm abgeliefert. Hier gestaltet sich das aber schwieriger, da der Film durch die ellenlange Dialoge der zwei Forscher unnötig in die Länge gezogen wird. Immerhin bringt der Ausflug nach Indien zumindest einkleinwenig Jackie Action mit sich, fällt aber insgesamt auch eher enttäuschend aus.
Die fiktive Storyline in der Qing-Zeit ist zunächst durchaus interessant und episch in Szenen gesetzt, verliert sich aber immer mehr in der Romanze zwischen Meng Yi und Ok-Soo. Besonders in den Massenszenen mit hunderten Soldaten zu Ross und Fuß fühlt man sich an Zhang Yimous Meisterwerk erinnert, dessen inhaltliche Qualitäten aber zu keinen Zeitpunkt erreicht werden. Dafür fehlt es der Geschichte einfach an einem dramatischen Unterbau welcher mit der nötigen Spannung und Tragik aufwarten kann. Von Beginn an dominiert die schnulzige Love Story um General Meng Yi und die Prinzessin das Geschehen, ein kleines Novum für Jackie denn Affären waren in seinen Filmen bisher nie das Hauptthema. Die Dialoge wirken oft platt und aufgesetzt, sind obendrein auch eher kitschig und wirken konstruiert. Für den asiatischen Film ist das ja an sich nichts Neues und kann durchaus gefallen, von einem Jackie Chan Film erwarte ich aber ein höheres Tempo und mehr Dynamik statt betörenden Liebesgeständnissen.
Immerhin gibt man sich optisch keine Blöße, denn viele der Landschaftsaufnahmen sind wirklich bildschön. Die richtige Abenteuerstimmung will zwar auch nicht so recht aufkommen, der Ausflug nach Indien stellt aufgrund der interessanten Kulisse aber eine angenehme Abwechslung dar. Bollywood-Schönheit Mallika Sherawat ist ein netter Blickfang, auch wenn ihr Part insgesamt eher unbedeutend ausfällt.
Actionpuristen kommen hingegen kaum auf ihre Kosten. Ein paar nette Schwertkämpfe gibt es zwar schon zu bestaunen, wirklich herausragend sind die Kampfchoreographien aber auch nicht. Vielleicht liegt es auch daran das Jackie einfach nicht gemacht ist für die Rolle des Swordsman, auf mich wirkte er oft ziemlich verkrampft und steif. Gegen Referenzwerke wie Crouching Tiger, Hidden Dragon zieht The Myth also schon mal klar den Kürzeren, zudem vermiesen immer wieder blödsinnige Drehbucheinfälle den Spaß am Film. So teilt beispielsweise Jackies Pferd Huftritte aus um herannahende Soldaten in Schach zu halten. Jackies Figur wird gegen Ende hin gar zum Übermenschen stilisiert der so viele Soldaten tötet bis sich ein ganzer Berg voll Leichen angehäuft hat.
Doch es wird noch fantastischer, gegen Ende schweift die Geschichte immer mehr ab und wird zusehends alberner. Wieso plötzlich ein Meteoritenstück herhalten muss um die Story irgendwie in Gang zu halten, ist wohl auch nur den Autoren bekannt. Jedenfalls können die Menschen in der Nähe dieses Steins jetzt der Erdanziehung trotzen und fliegen, was die beiden Archäologen schließlich zu einer großen unterirdischen Grabkammer führt. Spätestens hier fühlt man sich an Tiefpunkte wie Das Medaillon erinnert, denn noch hanebüchner kann man die Geschichte kaum zu Ende erzählen.
Dennoch erweist sich The Myth über weite Strecken als passables Leinwandabenteuer, das ganz ordentlich zu unterhalten weiß. Wenn man sich auf die Liebesgeschichte einlässt und keinen der üblichen Jackie Chan Filme mit Haudrauf-Action und Slapstick erwartet, könnte einem das Dargebotene durchaus ansprechen. Wer ein Fable für asiatischen Fantasy- und Wuxia Stoff hat, darf ebenfalls einen Blick riskieren. Nur die richtigen Jackie-Fans werden am Ende wohl maßlos enttäuscht sein, denn die obligatorischen Stunts und Actioneinlagen fehlen fast völlig. Ob es nun am Alter liegt oder Jackie einfach nur mal was anderes probieren wollte bleibt wohl sein Geheimnis. Hoffen wir mal dass es mit seinem neuesten Streich Rob-B-Hood wieder etwas aufwärts geht.