Es ist schon ein paar Jährchen her, als die letzte Komödie des frei erfundenen Untergenres "Jim Carrey-Comedy" in den Kinos lief. Als göttlicher "Bruce Allmächtig", brachte Carrey seine Zuschauer das letzte Mal zum Brüllen, bevor er sich darauf hin erst einmal in zwei etwas anders artigen Filmen preisgab und wieder einmal bewies, dass er auch noch wesentlich mehr kann, als reine Comedy. So gab er sich im traurig-schönen "Vergiss mein Nicht" als bedauernswerter Trauerkloß aus, der seine Ex-Freundin aus dem Gedächtnis löschen lassen wollte und in "Lemony Snicket..." als bitterbösen Graf Olaf, der es auf das Erbe der Baudelaires abgesehen hat. Beides absolut wunderbare Filme ihres jeweiligen Genres. Doch mit "Dick und Jane" (einem Remake des hier zu Lande kaum bekannten Films "Das Geld liegt auf der Straße") soll Jim Carrey nun endlich mal wieder, in einer astreinen Komödie, sein komisches, und noch längst nicht eingeschlafenes, Comedy-Talent unter Beweis stellen, wenn auch mit bitteren Untertönen. Und unterm Strich reicht es auch für unterhaltsame 90 Minuten im typischen Carrey-Stil, wenn auch die Klasse seiner Comedy-Highlights von früher nicht mehr ganz erreicht werden.
"Dick und Jane" erzählt die Geschichte des Ehepaares Harper, die eigentlich glücklicher kaum sein könnten. Beide haben einen gut bezahlten Job, ein Kind, ein Haus und einfach all das, was man sich als perfekte Familie nur wünschen kann. Und als Dick eines Tages sogar in die Chef-Etage befördert wird, scheinen alle Träume in Erfüllung gegangen zu sein. Doch nur einen Tag später, macht sich der Oberboss seiner Firma mit 400 Millionen Dollar aus dem Staub und erklärt die Firma für Bankrott. Nun steht Dick mit nichts in der Tasche da und als auch das letzte Vermögen ausgegeben ist (Jane hatte, im Zuge der Beförderung ihres Mannes, ihren Job gekündigt), beschließen Dick und Jane ihren "Unterhalt" mit weniger legalen Mitteln zu verdienen. Doch das will erst einmal gelernt sein... Im Grunde bietet die Story zu "Dick und Jane" eine recht gelungene Mischung aus Gauner-Comedy und Gesellschaftskritik, vermischt mit einigen bitter-dramatischen Szenen. Das Skript macht größtenteils Spaß und bietet sogar einigen Tiefgang, auch wenn man es mit der Logik hier und da nicht ganz so genau genommen hat. Doch hauptsächlich geht es bei einer Jim Carrey-Komödie um den Spaß und davon gibt es ziemlich viel.
Brillante Lacher wechseln sich hier nur selten mit einigen Blindgängern ab und nahezu durchgehend kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wenn Dick seinem Hund z. Bsp. ein elektrisches Halsband um den Hals bindet, damit er nicht ständig bellt, dann kann man lachen. Wenn Jim Carrey im Fahrstuhl "I belive I can fly" schmettert, lacht man schon ziemlich sicher. Und wenn Dick dann als aufgetakelte Dame einen Autohändler überfällt (grandios, Jim Carrey in Frauenfummel!), eine Dinner-Bude wegen ein paar "fettfreien Muffins" auf den Kopf stellt, fast einen FBI-Agenten das Geld am Automaten raubt oder eine seiner vielfältigen Grimassen schneidet, dann kugelt man sich garantiert auf dem Boden. Jim Carrey-Humor, so wie man ihn kennt und liebt.
Aber manchmal kann einem das Lachen auch fast im Halse stecken bleiben, denn "Dick und Jane" ist nicht nur eine Carrey-Comedy, sondern auch eine relativ ernst zu nehmende Kritik, an der Wirtschaft von heute und vor allem an den unmöglichen Firmenpolitiken einiger Großfirmen und dessen Managern, die 1000 von Mitarbeitern feuern, nur um sich danach mit Millionenabfindungen zur Ruhe setzen. Wenn Dick und Jane langsam wirklich alles verloren haben, sich Dick selbst für den schmutzigsten Billig-Job nicht mehr zu fein ist und deshalb sogar fast in den Knast wandert, dann bekommt man beim Lachen mitunter auch einen bitteren Nachgeschmack zu schmecken. Dabei gelingt es "Dick und Jane" die Gesellschaftskritik relativ glaubwürdig zu vermitteln und nicht irgendwie aufgesetzt wirken zu lassen. Was Michael Moore schon mit einigen seiner frühen Dokumentationen geschafft hat, gelingt Carrey hier sozusagen auf komische Art und Weise.
Schade nur, dass das sonst meist recht hohe Tempo, der früheren Jim Carrey-Comedys, hier nicht mehr ganz gegeben ist. Die Einführung in den Film ist z. Bsp. spürbar zu lang geraten. Bevor Dick und Jane endlich auf ihre Ur-komische Diebestour gehen, dauert es doch fast eine geschlagene 1/2 Stunde, von insgesamt gerade einmal 90 Minuten. Manches wirkt recht unpassend und viel zu sehr in die Länge gezogen. Da hätte man sich hier und da doch sicher etwas kompakter halten können.
Und auch das dünne Ende enttäuscht. Nachdem man sich über die Diebestour, sowie Dicks Umsetzung des cleveren Plans, seinen ehemaligen Boss übers Ohr zu hauen, prächtig amüsiert hat, ist der Film urplötzlich zu Ende. Es ist weder ein passender Showdown gegeben, noch ein würdiger Ausgang aus der Geschichte. Man hat eher das Gefühl, dass Carrey und seinem Team auf einmal irgendwie die Lust vergangen ist und alles schnellstmöglich auf ein Ende zugesteuert wurde. Und das ist im Nachhinein dann doch ziemlich schade.
Was die Inszenierung angeht, hält sich alles auf typischen Hollywood-Comedy-Niveau. Die Ausstattung ist prächtig, die Kostüme passen, die Arbeit der Maskenbildner ist einwandfrei und in einer Szene (Jim Carrey als kriminelle Diva) fast schon Oscarverdächtig. Und als krönenden Abschluss gibt es noch eine durch und durch passende Musikuntermahlung, die das Geschehen optimal unterstreicht! Man merkt schon ein bisschen, wo die 100 Millionen Dollar(!) Budget so hingeflossen sind.
Zu den Darstellern gibt es, bis auf eine Ausnahme, ebenfalls nur Gutes zu berichten. Jim Carrey ist natürlich wieder einmal brillant in allem was er tut. Seine Verkörperung, des zwar cleveren aber dennoch vom Pech verfolgten Dick, ist grandios und wirklich einen Lacher nach dem anderen wert. Egal ob es nur seine wunderbare Körperbeherrschung ist, seine zum brüllen komische Gesichtsakrobatik oder eben sein Schauspieltalent, alles passt hier einwandfrei. Dazu ein guter Alec Baldwin als schmieriger Firmenmanager, der wunderbare Richard Jenkins und noch das ein oder andere Gesicht, das Spaß macht. Nur Téa Leoni als Jane enttäuscht leider. Während sie es in den ersten Filmminuten völlig übertreibt und außer einigem Gekreische und Gegluckse nicht viel zu Stande bringt, wirkt sie im restlichen Teil eher lustlos und lasch, als hätte ihr beim Drehen irgend etwas die Stimmung verhagelt. So schwach wie hier, hat man sie jedenfalls nur selten gesehen. Vielleicht liegt es aber auch nur an Carrey, neben dem einfach jeder Darsteller verblasst. Der eine mehr, der andere weniger!
Fazit: Größtenteils recht gelungene Mischung aus Carrey-Comedy und Gesellschaftskritik, die mit ihrer recht passenden und sogar mit etwas Tiefgang behafteten Story, dem zwar recht unlogischen aber dennoch unterhaltsamen Skript, sowie einem mehr als nur brillanten Jim Carrey, mal wieder jeden J.C.-Fan zum Lachen bringen dürfte. Auch wenn die Jokes mitunter bitterer sind als in sonstigen Carrey-Streifen, das Tempo am Anfang fehlt und die, später aufkommende, Luft dann am Ende leider viel zu schnell wieder raus ist, so kann man unterm Strich doch sagen, dass auch dieser Carrey wieder prächtig unterhalten kann, wenn auch mit weniger Brüllern als früher. Für nette 90 Minuten Kinospaß ist jedenfalls gesorgt!
Wertung: 7/10 Punkte