Review

*seufz* Das Kinojahr 2006 beginnt leider genauso, wie das vorherige aufhörte – enttäuschend. Ausgerechnet Comedy-Ass Jim Carrey („Ace Ventura: Pet Detective“, „Dumb & Dumber”) kehrt nach zwei Jahren nur mit überdurchschnittlichem Erfolg in „sein” Fach zurück und weckt wehmütige Erinnerungen an seinen früheren, brachialen Zwerchfellattacken, die er heute ja leider nicht mehr in dieser Form spielen möchte.
Bereits vor zwei Jahren störte der Romantik-Part enorm den fröhlichen Ablauf von „Bruce Allmighty“, hier ist es nun der satirische Bezug zur Realität, der sich nie so recht mit Carreys Gebärden arrangieren kann. Im Grunde heben sich beide Elemente auf, denn das Grundkonzept funktioniert nicht.
Denn für eine Satire ist „Fun with Dick and Jane“ nicht bissig genug, weil intelligente, wahre Ansätze nur angetastet werden und für ein reinrassige Carrey-Komödie werden dem Ausnahmekomiker zu wenige Freiräume zugeteilt, in denen er sich so richtig austoben kann.

Carrey-Jünger, wie ich, werden hier dennoch, wenn auch mit Abstrichen, ihren Spaß haben, denn der Meister der Gesichtsverrenkungen und Hampelmanneinlagen steht mit 43 immer noch voll im Saft und zeigt Anti-Komikern wie Rob Schneider nach wie vor die Grenzen auf. Jim Carreys Auftreten ist unverwechselbar und er schafft es nach wie vor mit einer simplen Geste ein Grinsen auf die Gesichter seiner Zuschauer zu zaubern. Einer der größten Pluspunkte, den der Film innehat.
Nur für echte Zwerchfellattacken reicht es bei „Fun with Dick and Jane“ gerade mal in einer Szene (Die Aktion mit dem Stimmenverzerrer...), ansonsten hat der Film nur Schmunzel-Potential, obwohl Carrey sein gesamtes Können abruft: Lächerliche Maskierungen, hektische Reaktionen, verzogene Gesichtspartien, Infantilität und noch mehr Ungeschicktheit.

Jim Carrey spielt hier mit Dick Harper einen ambitionierten, fleißigen Mitarbeiter der Firma Globodyne, der endlich am Ziel seiner Träume angekommen ist und von seinem Boss Jack McCallister (ein richtig guter, weil schmieriger und verlogener Alec Baldwin, „The Hunt for Red October“, „The Edge“) zum PR-Chef befördert wird. Enthusiastisch verbreitet er zu Hause die gute Nachricht, so dass seine Frau Jane (relativ blass: Téa Leoni, „Bad Boys“, „Jurassic Park III“) ihren stressigen Job kündigt, um mehr für ihren Sohn da zu sein, der fast im Alleingang von der Spanisch sprechenden Haushälterin großgezogen wird. Doch der GAU soll eintreten, als Dick vor laufender Kamera in einem Interview in Erklärungsnot gerät und man ihn mit Fakten konfrontiert, die die Pleite von Globodyne beweisen. Arbeitslos, auf einem Schuldenberg sitzend und ohne Perspektiven muss er sich einen Ausweg aus der Misere überlegen, während McCallister, der das Kapital aus dem Unternehmen zog und es dann gezielt abstürzen ließ, verlogen in aller Öffentlichkeit seinem nun luxuriösen Leben nachgeht....

Der auch in Amerika knappen Joblage nimmt sich „Fun with Dick and Jane“ dann leider weniger gewitzt an. Der tatenlose und zuhause sitzende Dick wird nur angerissen und der Wettkampf um ein Bewerbungsgespräch auch nur ein polarisierendes Zwischenspiel.
Erst die Verzweiflung, die sich aus dem Entzug der Lebensstandards (u.a. Abtransport des Rasens) ergibt, fördert dann Kreativität und eine klare Botschaft zutage: Mit Ehrlichkeit bringst du es in der heutigen Welt nicht weit, also werd’ kriminell.

Carrey erhält dann wieder seine Szenen und kaspert sich gewohnt gut durchs Filmgeschehen (u.a. eine „I believe I can fly“ – Gesangseinlage im Fahrstuhl). Sein nächtlicher Rasendiebstahl im zornigsten Gewitter ist zudem ein vielversprechender Auftakt zu einer Verbrecherkarriere, der sich alsbald auch Jane anschließt, die ihrerseits bis zu Medikamentenversuchen schon jegliche Arten der Geldbeschaffung durchprobiert hat. Anfangs noch scheiternde Überfälle des schusseligen Ehepaares münden in einem dann wirklich gelungenen Musterbruch, bei dem man endlich auch einmal den alten Jim Carrey antrifft.

Ansonsten darf er sich bei den Überfallen zwar verzetteln und ungeschickt wie vergesslich aus der Affäre ziehen, doch so hoch die Gagdichte auch ist, die wahrhaftigen Brüller fehlen meist, weil der Film sich immer wieder um Seriosität bemüht. Besonders das harmlose, zahme Finale in der Bankfiliale mit seinem erzwungenen Happy End fällt dabei sehr negativ auf. Überhaupt scheint dem Film trotz seiner kurzen Laufzeit auf seiner Zielgeraden die Puste auszugehen, denn nachdem das geläuterte Paar seine kurz während Verbrecherkarriere abrupt beendet, fallen dem Drehbuch keine großartigen Witze mehr ein. Flugs wird ein Ende herbeigeholt, dass alle Probleme löst und den richtigen bestraft, ohne dass auch nur noch einmal ernsthaft am Gebären rückradloser Wirtschaftsbosse gerüttelt wird.

Dieser Teil des Films ist ohnehin mangelhaft ausbalanciert. Kaum sind die beiden in Fahrt und holen sich auf illegale Weise trotz oft misslingender Verbrechen ihr altes Leben zurück, schon schließen sie damit wieder ab. Dramaturgisch wenig ausgereift, spult Dean Parisot („Galaxy Quest“) seinen Stoff herunter, ohne dann in ernsten Momenten mal kurz inne zu halten und die mit der Arbeitslosigkeit verbundenen Sorgen und Ängste wirken zu lassen. Dabei wären solche Sekunden der Wahrheit dem Film zuträglich gewesen, gerade weil sie das Handeln der beiden viel unmittelbarer und nachvollziehbarer machen. So wirkt das alles leider ziemlich oberflächlich.

Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass „Fun with Dick and Jane“ eine schlechte Komödie ist. Immerhin hat er Jim Carrey und der Mann ist ein Garant für witzige, spontan aussehende Auftritte, zumal Parisot ihm hier auch ein paar entsprechende Situationen zuschanzt, in denen er sich austoben darf und auch Téa Leoni müht sich zumindest redlich sich mit dem übermächtigen Komiker ein paar Bälle zuzuspielen, was mal mehr (Leoni als Mann und Carrey als Frau beim Überfall verkleidet!) und mal weniger funktioniert. Als zunächst noch vernünftiger Gegenpart, der die kriminelle Energie des Ehegatten einigermaßen in geordnete Bahnen zu lenken versucht und dann selbst gepackt wird, erhält sie erst spät Szenen, in denen sie ihr Comedytalent zeigen darf.
Dem Film mangelt es nur am letzten, genialen Quäntchen, das ihn über das gute Mittelmaß hebt, eben weil man an Komödien mit Jim Carrey mit etwas mehr Anspruch geht. Immerhin war der Mann einmal der führende Komiker der Neunziger und da kann sich auch ein Adam Sandler noch so sehr bemühen, das Niveau konnte bisher kein Komiker über diesen Zeitraum halten.


Fazit:
Ansatzweise gelungene, aktuelle Satire, die sich zunächst genüsslich über die grundlegenden Wertevorstellungen des amerikanischen Bürgers hermacht und dann ganz aktuell Arbeitslosigkeit und ihre Ursachen, nämlich u.a. skrupellos und verantwortungslos handelnde Finanzjongleure, die ohne Rücksicht stets ihren Vorteil vor Augen haben, als Ziel anvisiert. Zugunsten Jim Carreys, den man bekanntlich zu ganz anderen Zwecken besetzt, zeigt „Fun with Dick and Jane“ allerdings nie den Mut zum letzten konsequenten Biss, sondern belässt es bei einem Kompromiss mit zu hohen Ambitionen. Amüsant bleibt der Film dank Carreys Einlagen damit immer noch, aber er ist leider weder eine Zwerchfellattacke erster Garnitur noch eine intelligente Satire, die die Probleme unserer Gesellschaft unverblümt offen legt und mit ihnen abrechnet.

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