Review

Jim Carrey war für mich lange Zeit eine abstruse,hektische Ausgeburt des typischen amerikanischen Humors, dem ich mich trotz des durchaus zu erkennenden Hangs zu gesellschaftszersetzendem Anarchismus nicht öffnen konnte.

Das ich mir inzwischen Filme wie „Dick und Jane“ ansehe, könnte man also auch damit begründen, daß seine Filme an Schärfe verloren haben, also leichter zu konsumieren sind.

Nur waren seine Filme schon immer eine Mischung aus Kritik an bestehenden Verhältnissen einerseits und gleichzeitigem Hochleben der amerikanischen Eigenarten andererseits, sonst wäre Carrey dort nicht so beliebt und erfolgreich. Wer mag schon Jemanden der nur den Finger in die Wunde legt ?

Für mich ist aber die entscheidende Veränderung, daß Carrey nicht mehr größtenteils den total Irren gibt, sondern seine Fähigkeiten zur Grimasse und Zappeligkeit in den Dienst der Sache stellt . Sicherlich ist es bei totalen Carrey Fans genau umgekehrt, aber zu denen zählte ich noch nie...

Hier ist er ein mittelprächtig erfolgreicher PR-Mann, der in einer dieser typischen amerikanischen Vorortvillensiedlungen lebt. Hier herrscht natürlich das Gesetz der gegenseitigen Überbietung an Statussymbolen, welche ihn und seine Frau Jane(Tea Leoni) basierend auf dem wachsenden Neidfaktor immer mehr in den Strudel der finanziellen Abhängigkeit treibt.

Als er dann zum obersten PR-Chef seiner Firma befördert wird (sehr schön seine Fahrt im Aufzug zum Olymp im 51.Stock) scheint er am Ziel seiner Wünsche angekommen. Doch sehr schnell stellt sich das als mieser Trick heraus, bei dem die gesamte Firma in den Ruin getrieben wird und damit Dick in die Arbeitslosigkeit...

Der nun kommende Teil des Films, der Dick und Jane in den Abgrund der tiefsten Erniedrigung treibt, ist wirklich ein Meisterstück aus Witz und Tragik. Wenn man Dick ungeschickt um eine Anstellung kämpfen sieht ,dann hat das wirklich einen zersetzenden Humor. Man lacht, obwohl man gerade den finstersten Auswirkungen des Kapitalismus zusieht.

Aber natürlich weiß der „American Way of Life“ noch eine Lösung, man greift zur Waffe (wenn auch nur die Spielzeugpistole des Sohnes) und damit zur Tat...

Hier endet dann leider wieder die konsequente Abrechnung mit den bestehenden Verhältnissen, allerdings nicht der Witz an der Sache, die schlußendlich von Dick und Jane wieder zum gerechten Schluß geführt wird.

Dazwischen gibt es immer wieder witzige Überraschungen, wenn Dick z.B. selbst bei einem Banküberfall überfallen wird und sich der Täter als ehemaliger Kollege herausstellt, so daß der gesamte Film ein durchgehend amüsantes Vergnügen darstellt, daß auch von überschaubarer Länge bleibt.

Fazit : durchaus empfehlenswerte gut gespielte Komödie, die leider das zwischendurch erreichte Niveau nicht durchhält und doch wieder in den ewigen Gefilden des „alles wird gut“ endet. Allerdings was soll Carrey auch machen ? – Gegen das menschliche Bedürfnis, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen ist einfach kein Kraut gewachsen...(7/10)

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