Review
von Leimbacher-Mario
Spaß mit Jim & Téa
Viele halten „Dick & Jane“ nur für eine weitere Carrey-Blödelei, die wahrscheinlich sogar 10 Jahre zu spät kam. Manche sehen den cleveren Hintergrund und bescheinigen immerhin einen „Nice Try“. Aber nur ganz wenigen gefällt diese intelligente, oft zum Schreien komische Gesellschaftssatire dermaßen gut wie mir. Ich weiß auch nicht woran das liegt, aber ich halte diese ungewöhnliche Bankraubgeschichte für eine der unterschätztesten Komödien der letzten 20 Jahre. Trotz vielleicht noch besserem Original mit Jane Fonda. Erzählt wird von einem recht gut situierten, glücklichen Ehepaar, das aber plötzlich arbeitslos dasteht und dessen Finanzen, Hab und Gut, das mühsame aufgebaute Leben in der gehobenen Mittelschicht unverdientermaßen auseinanderbricht. Was nun also tun, wenn das Leben und die (besonders in den Staaten) kaputte Konsum- und Kapitalismusgesellschaft einem verfaulte Zitronen reicht? Richtig, man macht sich vor dem nächsten Raubzug einen leckeren Zitronensaft...
„Dick & Jane“ mag sich nicht so ganz entscheiden ob Blödelei oder bissige Gesellschaftskritik - dennoch macht er beides gut genug, führt beides solide zusammen, sodass ich jedes Mal voll auf meine Kosten komme. Und leider wird der Film und sein Thema wohl auch noch lange aktuell und zeitlos bleiben. Und man bedenke: das war weit vor der Bankenkrise Ende der 00er! Frau Leonie mag ich oft eher nicht - hier ist sie bezaubernd, witzig und ihre Chemie mit Carrey ist top. Und Carrey selbst verbindet seinen unbändigen Slapstick ziemlich geschickt mit seiner ernsteren, traurigeren Seite - ähnlich wie der Film selbst. Vielleicht sogar noch etwas besser. Desweiteren merkt man, dass ein junger Herr Apatow hier schon seine Finger im Drehbuch hatte, Alec Baldwin ist ein famoser Bösewicht und es ist selten, dass man über dermaßen miese Aussichten und nicht allzu unrealistische (wenn auch comichaft überzogene) Abstürze locker und laut lachen kann. Das ist fast meisterhaft und auf dem Niveau des ebenfalls sehenswerten Originals aus 70ern. Jeder Neu-Arbeitslose sollte sich den angucken - und seine Situation nicht nur deprimierend und niederschmetternd betrachten. So schwer das auch fallen mag, so hoch das Risiko damit einen kriminellen zu züchten auch sein mag ;).
Fazit: oft sehr witzig, oft ebenso hintergründig (wenn auch sein volles Potenzial nie ganz realisierend). Eine Komödie über Arbeitslosigkeit, Gier, Ehe und vieles, was in unserer kapitalistischen Geschäftswelt heutzutage massiv falsch läuft. Das Lachen bleibt zwar selten im Hals stecken - aber es hat immer schallende Hintergedanken, die „Dick & Jane“ deutlich über die normale Carrey-Comedy heben.