Review

Sechs Jahre ist es nun her, dass der Engel Damiel zum Menschen wurde. Zurückgelassen hat er seinen Freund Cassiel, der nun auch endlich begreifen möchte wie es ist, ein Mensch zu sein. Also entschließt auch er sich den großen Sprung zu wagen. Doch er entdeckt die Einsamkeit, den Alkoholismus und das Verbrechen, während ihm die Liebe, einst Damiels Motiv Mensch zu werden, verborgen bleibt.

In weiter Ferne, so nah erinnert doch frappierend an der Himmel über Berlin, die Charaktere sind die gleichen, die Schauspieler auch und selbst die Story erinnert an Wim Wenders eigenen Film sechs Jahre vorher. Nennt man wohl Remake, Reimaging oder doch Fortsetzung, paßt aber eigentlich alles drei. Diesmal allerdings erleben wir Berlin aus Sicht von Engel Cassiel, nachdem Damiel ja im Vorgänger während der Transferperiode dem Team der Menschen beigetreten ist.
Erneut sehen wir die Welt aus Sicht der Engel. Diese können zwar frei durch Zeit und Raum wandeln (und so auch mal einen Abstecher wie hier in Kriegszeiten unternehmen) und den Menschen ihre Gedanken lesen, aber sind auch so einsam und isoliert, sehen die Welt nur in schwarz/weiß (was Wenders auch konsequent so über die Farbgebung zeigt), ist also auch nicht alles eitel Sonnenschein hier.
So erleben wir als Zuschauer kleine Geschichten über verschiedene Menschen ohne großen Zusammenhang und durchgehendem Storybogen. Anfangs eben noch in s/w gefilmt wirkt der Film hier furchtbar schwermütig, zwar künstlerisch wertvoll, aber doch eben schwermütig. Leichte Filmkost sieht jedenfalls definitiv anders aus. Als ein kleines Mädchen allerdings vom Balkon in den sicheren Tod stürzt, gibt er auch seine Existenz aus, wird Mensch und rettet die kleine. Der Film wechselt auf farbig und Cassiel muß sich nun in der realen Welt mit den zu erwartenden Problemen zurecht finden.
Zum schnell dahinkonsumieren taugt der Film sicher nicht, allein schon wegen der schwere des Stoffes und Erzählweise, aber auch durch die beinahe 140 Minuten Laufzeit, aber wo bekommt man schon einmal Peter Falk, Michael Gorbatschow und Heinz Rühmann in einem einzigen Stück Zelluloid zu sehen. Nicht ganz verstanden habe ich die zahlreichen Passagen in untertitelten ausländischen Dialogen in italienisch, französisch, russisch und englisch, schielte man da schon auf die internationale Vermarktung? Man muß sich allerdings schon wirklich auf das Gesamtkonstrukt einlassen, was sicher nicht jedermanns Sache. Ich hab mich stellenweise echt schwer getan, auch wenn man in weite Ferne, so nah sicherlich das Prädikat künstlerisch wertvoll verleihen kann.
6/10

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