Heinz Rühmann ist, ohne Frage, einer der bedeutendsten deutschen Schauspieler aller Zeiten, wenn nicht sogar der ewig Beste seines Faches. Egal in was für einer Rolle er auf der Leinwand zu sehen war, nahezu jeder seiner Filme wurde zu einem Klassiker, so dass es wirklich schwierig ist, seine besten Filme, aus der großen Menge seiner Rollen, herauszufiltern. Eine Rolle, die ihm aber definitiv mehr als nur auf den Leib geschneidert wurde, ist die Rolle des scharfsinnigen Pater Browns, dem Priester, der seine Liebe nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Kriminalistik gefunden hat und dabei sogar den ortsansässigen Kriminalkommissar, immer wieder, an der Nase herumführt. Beide seiner Pater Brown-Filme sind eine Klasse für sich, und "Das schwarze Schaf" dürfte dabei den herausragendsten der beiden Teile abgeben. Selten war Kriminalistik so wunderbar mit Komik verknüpft, wie hier.
"Das schwarze Schaf" ist wieder einmal ein mehr als guter Beweis dafür, wie grandios doch die früheren deutschen Kriminalfilme waren, vor allem dann, wenn sie auf englischer Literatur basierten. Denn nicht nur die ganzen Edgar Wallace-Filme basieren auf britischer Literatur, auch "Pater Brown" wurde dort erfunden, bzw. genauer gesagt auf der Nachbarinsel Irland. Gilbert K. Chesterton, heißt der geistige Urvater des gewitzten Pfarrers, der mit seinen Kriminalromanen, Agatha Christi alle Ehre machen könnte. Die Geschichten seines Paters sind nur so vollgestopft mit cleverer Spurenlegung und dem jeweiligen Verwischen dieser Spuren. So auch in "Das schwarze Schaf". Aber nicht nur Chesterton hat ein gutes Gespür für kriminalistisch gute Bücher, auch der Drehbuchautor Hans Jacoby hat das Talent dazu. Von ihm stammt nämlich das Skript, zu diesem wunderbaren Film.
Vor allem in Sachen Spurenlegung, Spurenverwischung, Täterprofile und dem Aufbau einer immensen Spannung, wurde hier wirklich alles richtig gemacht. Von der ersten Minute an, wird eine Spannung erzeugt, die selbst in vielen Filmen von heute noch seines gleichen sucht. Da wäre zuerst ein Mord vor Pater Browns Kirche, den der Pfarrer aber mit Fingerschnippen löst. Als er darauf hin in ein ach so friedliches Dorf versetzt wird, dauert es nicht lange, bis der nächste Mord geschieht und dieses mal wird es sogar richtig knifflig für den Pfarrer. Doch sein Gespür lässt ihn auch hier nicht im Stich. Kurzum, hier wird noch beste Kriminalunterhaltung geboten, wie man sie nur in den früheren Krimis zu Gesicht bekommen hat. Der Zuschauer fiebert förmlich mit dem Pater mit, rätselt in Gedanken und kommt nur mit viel Clevernes, auf den wahren Mörder. Doch bevor er sich richtig sicher sein kann, wird er noch einmal mit einer knackigen Wendung belastet, die ihn dann doch noch einmal zweifeln läßt. "Das schwarze Schaf" bietet wirklich Spannung bis zur letzten Sekunde, ohne auch nur eine Minute lang langweilig zu werden oder dem Zuschauer etwas zu zeigen, was er eh schon längst gewusst hätte. Hier wird noch Spannung bis zum Schluss geboten und dafür kann man nur dankbar sein. Dazu bleibt das ganze Geschehen auch durch die Bank weg logisch und verstrickt sich in keinster Weise in Details, die eigentlich gar nicht sein könnten. Hier könnten sich so manche Schreiberlinge noch ne gehörig große Scheibe abschneiden.
Aber nicht nur in punkto Krimi wird hier beste Arbeit geboten, auch der Komödien-Aspekt kommt nicht zu kurz. Dabei sind es vor allem die köstlichen Dialoge zwischen Brown und dem Kriminalinspektor oder zwischen Brown und seiner Haushälterin Fr. Smith, die für einen Brüller nach dem anderen sorgen. Beispiel gefällig?: Fr Smith: "Zum nächsten ersten kündige ich", Brown: "Das ist dann bereits das 25. Mal. Jubiläum! Darauf stoßen wir heute abend bei einer Flasche Rotwein an". Oder auch: Brown: "Wo ist denn der Teufel?", Theater-Darstellerin: "Unten", Brown: "Klar, Was für eine dumme Frage. Da ist er ja schließlich immer anzufinden!"! Ja es ist wirklich köstlich, was einem hier für Dialoge geboten werden und vor allem, wie sie einem vorgetragen werden.
Denn den größten Teil zum Gelingen, steuert vor allem, wieder einmal, Heinz Rühmann bei, der in der Rolle des Pfaffen einfach nur grenzenlos gut ist. Wie er seinem witzigen, sympathischen und cleveren Charakter das Leben einhaucht, ist schlichtweg sensationell. Spätestens nach diesem Film, hat er sich das oberste Treppchen, auf der Leiter der besten dt. Darsteller aller Zeiten, redlich verdient. Es gibt bzw. gab wirklich nie einen Besseren! Neben ihm agieren dazu eine wunderbare Lina Carstens und ein ebenfalls wunderbarer Siegfried Lowitz, die aber neben Rühmann dennoch verblassen, was man ihnen allerdings auch nicht anlasten kann. Ein absolut lobenswerter Cast, den man nicht genug loben kann.
Fazit: "Pater Brown - Das schwarze Schaf" ist ein Kriminalkomödien-Klassiker der wirklich aller besten Sorte, den man sich eigentlich nicht oft genug anschauen kann, da er auch noch beim X-ten Mal für Wohlgefallen sorgt. Ein unglaublich cleverer, spannender und durch und durch logischer Kriminalpart, vereint sich hier mit einem Komödienpart, der absolut köstlichsten Sorte, bei dem vor allem die Dialoge, das komplette Ah und Oh sind. Kurzum, dieser Film ist nicht nur ein absolutes Muss in jeder Klassikersammlung, er gehört auch einfach mit zum Besten, was das Genre überhaupt hergeben kann. Ein Klassiker, der diese Bezeichnung, mehr als nur verdient hat!
Wertung: 9,5/10 Punkte