Review

Die neue Comedy-Generation ist langsam herangewachsen.
Sie ist nicht ganz so zotig, nicht ganz so billig, aber nicht weniger albern als die Früchtchen, die uns die späten 90er und den Beginn des neuen Millenium versüßt bzw. versauert haben.
Und sie haben den unschätzbaren Vorteil, daß sie nicht aus der Comedyvorhölle stammen, sondern aus dem Drama erwachsen sind und deswegen wesentlich entspannter an ihre Rollen herangehen.

Die Wilson-Brüder, Stiller, Ferrell und Vaughn erfinden damit die Filmkomödie nicht neu, aber sie sind erfrischend unprätentiös, haben die nötige Träne im Knopfloch und vor allem die schauspielerische Basis, um das Produkt automatisch um ein paar Punkte aufzuwerten.

So ist dann „Die Hochzeits-Crasher“ auch kein Neuaufbruch in Sachen „Sachen zum Lachen“, besitzt aber den zündenden Funken, der manchem anderen Standard-Material aus dem Bereich „Rom-Com“ fehlt.
Wie üblich genügt eine Grundsituation für den ganzen Film: Owen Wilson und Vincent Vaughn geben hier zwei Arbeitskollegen und spaßbereite Singles, die die alljährliche Hochzeitssaison ausnützen, um sich in die Feiern einzuschleichen, mitzumischen, Spaß zu haben und hübsche Frauen für einen Nacht, nicht mehr, abzuschleppen. Dabei ist der One-Night-Stand stets nur die Krönung, der Fun steht an erster Stelle.
Und wie es eben so kommt im Leben, als sie sich an die Hochzeit der Tochter eines eventuell zukünftigen Ministers machen, hat die wahre Liebe plötzlich ihre Hand im Spiel.

Regisseur David Dobkin realisiert die Grundsituation mit großer Ausgelassenheit, läßt den Charakteren Platz zum Wachsen und gibt dem Zuschauer damit die Gelegenheit, nicht nur zwei Abziehbilder zu beobachten. Das Skript transportiert seinen Witz dabei nicht nur über Gags, sondern über die Dialoge, die die gegensätzlichen Typen in ihren Gemeinsamkeiten antreibt.
Während Owen Wilson dabei der wahren Liebe hinterher stellt und in seinen Grundsätzen schwankt, spielt Vaughn mehr in Richtung Party-Monster, das in einer weiteren quietschigen Tochter seinen Meister findet.

So ist dann auch die Komik schön ordentlich verteilt: Wilson sorgt für das „Rom“ und Vaughn für das „Com“, wobei die meisten Mißgeschicke und bösen Situationen von der sexsüchtigen Tochter, über den schwulen Sohn bis zum mißgünstigen Schwiegersohn in spe immer ihn zu treffen scheinen.
Dabei gibt es wenig wirkliche Überraschungen, ganz zärtlich wird der Grossout gestreift, weicht aber Unappetitlichkeiten stets treffsicher aus und tendiert zum Slapstick. Sexuell sind da schon mehr Sequenzen gefärbt, aber selbst da bleibt Dobkin geschmackssicher.
Natürlich geht so manches schief, werden unsere Helden entlarvt, entzweien sich und kommen schließlich (natürlich) bei einer Hochzeit doch noch zum Ziel, aber wie uns das präsentiert wird, zeugt sowohl von Stilsicherheit wie Ausgelassenheit.
Grund genug, sich des öfteren mal quietschend im Sessel zu winden.

Ein spielfreudiges Ensemble begabter Nebendarsteller rundet das alles ab, von den gänzlich unverbrauchten weiblichen Widerparts, über eine laszive Jane Seymour bis zum (leider) nur Standards abliefernden Christopher Walken sind alle voll und ganz bei der Sache.
Das letzte Drittel wirkt manchmal etwas gestreckt dramatisch und das erweiterte Cameo von Will Ferrell ist mehr oder minder ein überflüssiges Zuckerchen, aber wer Hochzeitsfilmen schon immer was abgewinnen konnte, hat hier den besten Beitrag, seit Hugh Grant was von Andie McDowell wollte. (8/10)

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