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Das amerikanische Komödienfach befindet sich momentan in den Händen von fünf Komikern, die oft zusammenarbeiten. Drei davon sind auch hier dabei, nur auf Ben Stiller und Luke Wilson muss man verzichten.
John Beckwith (Owen Wilson) und Jeremy Grey (Vince Vaughn) sind zwei lockere Hallodris, Scheidungsrichter und Arbeitskollegen. Die beiden haben eine besonderes Hobby, das Crashen von Hochzeiten: Ohne Einladung marschieren sie zur Feier, geben sich als entfernte Verwandte aus und sehen zu, dass sie in der lockeren Stimmung Frauen abschleppen. Wie das abläuft, zeigt „Die Hochzeits-Crasher“ in einer Art Best of Crashing, was schon mal einen brüllend komischen Start abgibt, denn die beiden Schlitzohren gehen dabei nicht subtil vor, sondern hauen voll auf die Pauke.
Ihr größter Erfolg soll die Hochzeit einer Tochter des Ministers Cleary (Christopher Walken) werden. Doch bald gibt es Probleme: John verliebt sich in Claire (Rachel McAdams), die zweite, aber vergebene Tochter des Brautvaters, während Jeremy in die Fänge der besitzergreifenden jüngsten Tochter, Gloria (Isla Fisher), gerät. Sie nötigt die beiden mit auf ein Wochenende im Landhaus ihres Vaters zu kommen, wo John sein Glück bei Claire versuchen will…

„Die Hochzeits-Crasher“ ist so unterhaltsam wie man es von den Filmen der Komiker gewohnt ist, wenn auch weniger derb als z.B. „Dodgeball“. Trotzdem ist die Story auch hier nicht sonderlich komplex, das Happy End ist so sicher wie das Amen in der Kirche und mit Klischees wird nicht gespart. So entpuppt sich Claires Verlobter als brutales Arschloch erster Güte, dass man sich wünscht, dass er endlich eine geballert bekommt – glücklicherweise erfüllt Jeremy diesen Herzenswunsch gegen Ende. Auch die Freaktruppe von Verwandtschaft ist etwas klischeehaft gezeichnet: Die unbefriedigte Ministergattin, die keifende Großmutter, der Sonderlingssohn usw.
Doch die Spielfreude der hier versammelten Darsteller macht die Ansammlung von Klischees wieder wett. Vince Vaughn und Owen Wilson spielen ihre Parts mal wieder lässig, aber derartige Rollen spielen sie ja ohne große Abwandlungen seit Jahr und Tag. Die weibliche Darstellerriege spielt mit viel Freude gegen die Weiblichkeitsklischees an, mit denen das Drehbuch um sich schlägt, und Will Ferrell hat mit seinem Gastauftritt mal wieder Brüller garantiert. Lediglich Christopher Walken bleibt unerwartet blass: Zwar macht er einen gewohnt guten Job, doch seine Rolle gönnt ihm relativ wenig Screentime und kaum erinnerungswürdige Momente.

Zudem fällt bei „Die Hochzeits-Crasher“ auf, dass die Angelegenheit mehr Herz als die meisten anderen Komödien der Beteiligten hat. Es darf auch mal romantisch werden, wenn die Hallodris merken, dass nicht nur Fun und Freizeit, sondern auch zwischenmenschliche Werte zählen. Zu Tränen rührt das keinen Zuschauer, doch auch in den ruhigen Szenen verliert „Die Hochzeits-Crasher“ nie die Balance, sondern bleibt ebenso beschwingt. Auch das obligatorische Happy End kommt erfreulich kitschfrei daher.
Das Wichtigste bei den Filmen dieser Gattung ist aber nach wie vor der Humor und da schlägt sich „Die Hochzeits-Crasher“ mehr als passabel, auch wenn das letzte Drittel (von Will Ferrells Gastauftritt mal abgesehen) recht gagarm ausfällt. Doch davor geht es mit viel Timing zur Sache, wobei vor allem die herrlich dreisten Aktionen bei den Hochzeiten (z.B. um Geld wetten, ob die Braut weint) stets zum Lachen anregen. Fehlzündungen gibt es nur einmal, nämlich in der unkomischen Episode mit Jeremy und dem schwulen Ministersohn, doch sonst kann man stets angesichts der Gags brüllen.

Schlussendlich ist „Die Hochzeits-Crasher“ eine flotte Komödie mit vielen frechen Sprüchen und einer kleinen Portion Herz. Im letzten Drittel geht den Witzen dann leider etwas die Puste aus, doch gute Comedy-Unterhaltung wird hier allemal geboten.

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