So, zum späten Abend noch einen echten Downer: Johnny ist ein missgestalteter Mutant, nackt eingesperrt in einem dunklen Keller, ganz auf sich allein gestellt. Seine Ängste und Langeweile setzen ihm zu. Fast schon wahnsinnig vor Verzweiflung beginnt er, seine negativen Emotionen hinaus zuschreien bzw. in seiner eigenen Phantasiewelt zu leben. Denn er ist ganz allein, eingesperrt in einem dunklen Keller...
Mann, Mann! Dieser gerade mal 6-minütige Streifen ist eines der intensivsten Filmerlebnisse, die ich seit langem hatte. Wirklich hochgradig scary, ohne wenn und aber! Der Zuschauer erlebt in 360 Sekunden die düstere Welt eines mitleiderregenden Wesens. Gefilmt mit einer Nachtsicht-Kamera, wird man Zeuge von abgrundtiefer Verzweiflung und Wahnsinn. Die düsteren schwarz/weiß-Bilder intensivieren die morbide Stimmung nur noch mehr. Eine Reise in die entlegendsten Ecken der menschlichen Seele beginnt... Johnny, der in einem Rollstuhl hockt und langsam durchzudrehen droht... Sein einziger Kumpel ist ein Rehpinscher, der ständig frisst bzw. mit leuchtenden Augen durch die Gegend glotzt.
Chris Cunningham ist ein begnadeter britischer FX-Künstler, der auch schon Video-Clips für Björk, Portishead oder Aphex Twin gedreht hat. Von Letzterem stammt auch der düstere Soundtrack, zu diesem faszinierenden wie verstörenden Werk. Gerade durch den Vorfall in Österreich erhält "Rubber Johnny" einen bitteren Beigeschmack und man muss sich schon von einigen Vorbehalten frei machen, um dieses Werk "genießen" zu können. Für Kinder, Zartbesaitetet oder "the easily offended" - wie man im Englischen sagen würde - ist dieser Streifen wahrhaftig nichts. Für Leute mit starken Nerven, dem nötigen Abstand und Faible für düstere Kunst jedoch unbedingt empfehlenswert. 9 von 10 Punkten.