Review

Inhalt:
In der Kanalisation einer amerikanischen Kleinstadt hat sich eine fleischfressende Nacktschneckenart entwickelt, deren Vorliebe die Bewohner der Stadt zu spüren bekommen. Ein Mann vom Gesundheitsamt geht der Sache auf den Grund und sagt den Kriechern den Kampf an.


Kritik:
"Slugs" ist einer der Filme, die ich als Jugendlicher geliebt und häufig geschaut habe. Daher war ich sehr erfreut zu erkennen, dass X-Rated (oder heißt das jetzt X-NK?) in seiner "Sag ja zu Tierhorror"-Reihe mal keinen Krokodilreißer raushaut, sondern diesen Trashklassiker. Auch wenn ich diesen Streifen wesentlich besser in Erinnerung hatte, ist das mal eine gelungene Abwechslung.

Wie bei fast allen Tierhorrorfilmen ist die Story einfach gehalten. Man muss dem Kind nur einen Namen geben, sprich halbwegs eine Handlung schaffen, um rund um dieser ein paar Tierchen auf die Menschheit loszulassen. Hier sind die Schnecken durch Giftmüll zu einer Gefahr für die Menschen geworden, aber der Sheriff der Stadt bezweifelt dies natürlich (ausnahmsweise stehen mal nicht die Einnahmen einer Veranstaltung oder eines neuen Projektes auf dem Spiel) und so liegt es an dem Typen von Gesundheitsamt, die Schnecken in ihre Schranken zu weisen.
Alle anderen Geschehnisse sind Nebenhandlungen, die nur dazu dienen, Opfer kurz vorzustellen, um diese dann blutig aus dem Drehbuch zu entsorgen. Der Nebenplot mit den Jugendlichen und der Halloweenparty wird für meinen Geschmack unnötig ausgewalzt und hätte ruhig kürzer ausfallen können.
Hinzu kommt, dass es viele selten dämlich Dialoge zu hören gibt, wodurch zugegebenermäßen der Unterhaltungswert sehr gesteigert wird. Hearing is believing möchte ich an dieser Stelle mal anbringen.
Mit der Logik nimmt man es ebenfalls nicht so eng und es wimmeln sich einige Ungereimtheiten in dem Film. Gleich zu Beginn wird ein Mann, der seinen Fuß auf einem Boot sitzend ins Wasser hält, von den Nacktschnecken ins Gewässer gezogen, wodurch er als rotes Geblubbere endet. Seit wann Nacktschnecken im Wasser leben bzw. schwimmen bzw. tauchen können und woher sie die Kraft zum "Männlein aus dem Boot reißen" genommen haben, bleibt mir schleierhaft.
Auch werden mir ganz neue Kenntnisse über Schnecken durch den Film vermittelt. So sollen sie Hermaphroditen sein und in ihrer Blutbahn sollen sich blutegelige Parasiten befinden.

Naja, wie auch immer. Wodurch der Film neben seiner unfreiwilligen Komik auf jeden Fall punkten kann, sind die derben Splattereffekte. Was die schleimigen Viecher hier für ein Tempo vorlegen ist beachtlich. Das hätte ich ihnen gar nicht zugetraut.
Komik und Splatter wird vorzüglich in folgender Szene zelebriert: Einem Glashausgärtner krabbelt so ein Ding in den Handschuh, den er sich anzieht und dann Schmerzen zu empfinden scheint, wenn ich seine schauspielerischen Bemühungen richtig gedeutet habe. Um den Schuh für die Hand auszuziehen, nimmt er sich eine Gartenschere zur Hilfe. Doch da dies nicht so ganz klappt, wie er sich das vorgestellt hat, rennt er lieber gegen ein Regal, welches umkippt und ihn unter sich begräbt. Zum Glück liegt eine Axt in Griffnähe, mit der sich der Mann den Handschuh auszieht, indem er sich die Hand abschlägt. Endlich erhört seine Frau seine Hilfeschreie und just in dem Moment, als sie das Glashaus betritt, entzündet sich durch eine chemische Reaktion ein Benzinkanister und die ganze Bude fliegt in die Luft.
Auch später gibt es noch einige Blutigkeiten zu bestaunen, wenn beispielsweise das Teeniepärchen nach seiner Knatterei von den aus der Toilette geschlüpften Schneckenarmee überrascht wird. Die Dame der Schöpfung glitscht voll in die Tierchen, was diese als Anlass für einen Festschmaus nehmen. Die Versuche des Kerls, seine Freundin feige im Stich zu lassen und aus dem Fenster zu klettern enden für ihn ebenfalls tödlich (wenn auch im Off).
Nennenswert ist auch die Restaurantszene, bei der während des Geschäftsessens ein Teilnehmer die Auswirkungen der zuhause unbemerkt im Salat zu sich genommenen Schnecke zu spüren bekommt. Hier zeigen die bereits erwähnten Blutegelparasiten der Schnecke ihr Können und steigern sich von einem starken Nasenbluten bis zu einer Augenexplosion.
All diese Effekte sind stellenweise wirklich eklig und bleiben einem lange im Gedächtnis. Tragischer Höhepunkt ist aber der Tod eines unschuldigen Hamsters, dem sich so eine un(an)gezogenes Schneckchen auf den Rücken heftet und den Nager zerknabbert. Grausamkeiten gegen Hamster verabscheue ich hiermit ausdrücklich und verbitte mir soetwas in Zukunft!

Am Ende allerdings, als es zum Showdown in der Kanalisation geht, lässt der Film unterhaltsungstechnisch sehr stark nach. Es kommt Langeweile auf, da sich die Geschehnisse arg hinziehen. Dafür wird man, wenn man dieses Kaugummi wach überstanden hat, mit einem Festival des Unsinns entlohnt. In der Kanalisation stehen zwei Männlein vor einem Becken voller Wasser, in dem sich die fleischliebenden Schnecken tummeln. Auf der anderen Seite befindet sich der Weg in die Freiheit, aber die beiden Nasen wissen nicht wie sie, ohne angefressen zu werden, dort hingelangen sollen. Also wird an einem Nebentürchen rumgefummelt, was einer der beiden mit dem Leben bezahlt, denn der austretende Wasserschwall befördert ihn zu der todbringenden Schneckenbrut. Der andere Mann will ihm helfen und hangelt sich an einem Rohr an der Decke zu dem Sterbenden, kommt jedoch zu spät. Naja, also hangelt er sich weiter auf die andere Seite des Beckens und klettert in die Freiheit. Warum er und der andere (jetzt tote) Mann das nicht gleich getan haben, wird auf ewig das Geheimnis des Drehbuchschreibers sein. Die finalen Explosionen sind auch nicht von schlechten Eltern, wirken aber alles andere als glaubhaft und die letzte Einstellung konnte man bereits erahnen, als die Rede von Hermaphroditen war.

Ich fasse nochmal zusammen: Schwache klischeehafte Story, schwache klischeehafte Dialoge und schwache schauspielerische Leistungen machen diesen Film auf Grund seiner unfreiwilligen Komik zu Trash vom Feinsten. Die Effekte sind überzeugend.
Insgesamt eignet sich der Film auf jeden Fall für einen unterhaltsamen Abend, auch wenn das Ende unnötig in die Länge gezogen wurde.

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