Deutsche Filme haben es oft schwer mit dem Niveau, wenn es um das Thema Teenagerprobleme geht. Da ist man ja in letzter Zeit nicht gerade verwöhnt worden, was die dumm-dämlichen Eigenproduktionen von gewissen Privatsendern anbelangt. In diese Kategorie fällt dieser Film mit Sicherheit nicht. Wobei einem die Einordnung von „Wahrheit oder Pflicht" schon schwer fällt, denn der Film ist recht ernst und schwermütig ausgefallen, wobei man immer wieder mal leicht ins Klamaukige abgleitet, irgendwie soll das aber wohl auch den wechselnden Gemütszustand der Hauptperson widerspiegeln.
Diese heißt übrigens Annika (Katharina Schüttler), ist 18 und hat das Abitur verkackt. Die Eltern dürfen nichts mitbekommen, für sie geht sie einfach weiter zur Schule. Wenn sie ihrem Lehrer am Morgen begegnet, erzählt sie ihm von irgendeinem Praktikum, was sie gerade in der Stadt macht und sie muss rasch zur Bushaltestelle. So gesellt sich fröhlich Lüge an Lüge, und mit jedem Tag - dass merkt man als Zuschauer nur zu deutlich - wird die Last für Annika schwerer. Wie sie es dennoch fast bis zum Schluss - hier in Gestalt des Abi-Balls - durchhält, mag zwar eine Leistung sein, wirkt aber doch etwas an den Haaren herbeigezogen und damit unglaubwürdig. Dennoch wird erreicht, dass man als Zuschauer mit Annika erst mitfiebert, und im nächsten Moment ihr aber auch am liebsten eine kleben möchte. Denn ihre Eltern kann sie täuschen, ihre Liebe Kai jedoch nicht...
Der Film arbeitet geschickt die Thematik auf, mit der Halberwachsene bereits frühzeitig konfrontiert werden: Der Leistungsdruck in einer Erfolgsgesellschaft als Triebfeder für Versagungsängste und das Sich-nicht-Wohlfühlen in dieser Welt, die so wie sie ist gar nicht gemocht wird. Dazu passend, dass Annikas Vater als Pilot genau das gleiche Problem widerfährt, als er durch eine Flugprüfung rasselt und die Lizenz verliert. Oder dass ihre Mutter ein Verhältnis hat und natürlich ebenfalls lügt. Annika muss feststellen, dass sie gar nicht so anders ist wie die anderen, doch zu einem Geständnis reicht es bis zum Schluss nicht, was mir stark missfallen hat. Ihr flammendes Plädoyer auf dem Abi-Ball war letztlich nur geträumt, und sie haut stattdessen mit Kai ab, Endstation Kreuzfahrtschiff in die weite Welt. Ein bisschen zu radikal für meinen Geschmack, aber da kommt vielleicht in mir der Spießer wieder vor, der ich eigentlich auch nie sein wollte.
Fazit: Ein Film mit eigenwilligem Charme, der allerdings in Sachen Story mit fortlaufender Zeit an Glaubwürdigkeit verliert, aber immerhin von guten Darstellern, insbesondere Katharina Schüttler gerettet wird. Kann man durchaus mal zwischendurch sehen, aber einmal reicht dann auch. Und wer die Popgruppe „Klee" mag, ist hier ebenfalls richtig.