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Mit Filmpreisen (u.a. dem Max Ophüls-Preis) ausgezeichnet und durch die Bank als großartiges Werk gelobt, tritt „Eine andere Liga“ an, um das nicht gerade dünnbesiedelte Genre des deutschen Sozial- und Beziehungsdramas zu bereichern. Dass dies diesem Film allerdings in keinem Fall gelingt, liegt an der hanebüchenen story, den wenig überzeugenden Charakteren und darüberhinaus auch an dem o.g. Genre, dem sich der Film verpflichtet fühlt und das noch nie für besondere Höhenflüge sorgte. Erwähnt man, dass der Film von Arte teilfinanziert wurde und wohl vorgesehen ist zur Vorführung im Rahmen des „Kleinen Fernsehspiels“ des ZDF, könnten böse Zungen behaupten, die Grundstimmung und Zielrichtung des Streifens bereits zu kennen. Das Schlimme ist, dass sich solche Befürchtungen bis hin ins kleinste Detail bewahrheiten. Zur Story: Die 20-jährige Hayat (in einer durchaus bezeichnend zu nennenden Szene, die wohl die tragische Grundstimmung des Films verdeutlichen soll, erklärt ihr Vater, der Name sei türkisch für „Hoffnung“) erkrankt an Brustkerbs, was in seiner Unwahrscheinlichkeit schon ein lautes Seufzen bei jedem provoziert, der sich Filme nicht mit dem Ziel ansieht, sich in einer wie weit auch immer hergeholten traurig-fatalistischen Grundstimmung zu suhlen. Ganz recht kommt der story da auch die Tatsache, dass Hayat aufgrund ihrer Medikation nicht mehr bei ihrem Semiprofi-Verein spielen kann. Nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, zerstört sie in einer ebenso entnervenden wie für den deutschen Film geradezu beispielhaften Szene ihre Fußballtapete, die ihr natürlich ihr seelisch vom Tod seiner Frau zerstörter und als Frührentner wenig verdienender Vater gemalt hat. Zu spätestens diesem Zeitpunkt ist das Maß an 08/15 Melancholie-Kitsch aufs Höchste überschritten und der Film driftet ab in eine unaushaltbare, von Klischees durchzogene Schmonzette. Dass das Fußballteam, bei dem sich Hayat „neu zu akzeptieren lernt“, wie das Tausende von Deutschlehrern sicher bald formulieren werden, wenn der Film erst für den Schulunterrricht empfohlen ist, einen schönen Durchschnitt durch die Nationalitäten in Deutschland lebender Migranten bildet und auch das wohl unumgängliche dicke Mädchen inkludiert, ist von einer so gutgemeinten, auf einer PC-Ebene gutmenschelnden Art, dass es kaum auszuhalten ist. Was selbstverständlich nicht an den Charakteren oder gar ihrer Herkunft liegt, sondern an der Art, wie sie in bester Manier des Positivrassismus (das afro-deutsche Mädchen muss natürlich einen Afro tragen und Hip-Hop hören) völlig überzeichnet und comic-haft eindimensional entwickelt sind. Auch die Liebesgeschichte zwischen dem Trainer der Mannschaft (einziger Lichtblick: Ken Duken) und Hayat, in der sich der Trainer vom biertrinkenden Macho zum einfühlsamen Freund entwickelt, ist von einer kaum aushaltbaren Kitschigkeit. Als sich am Ende des Films der Vater von seiner Frau losgelöst hat und Hayat in den letzten Minuten das Spiel gegen ihren früheren Verein - der selbstverständlich nur aus rassistischen, weißgekleideten upper-class-Mädchen besteht – ein 1:1 erzielt, fragt man sich als Zuschauer, wie man diesen oberflächlichen Filmkitsch nur 100 Minuten aushalten konnte. Bleibt nur anzufügen, dass wohl jedes Land die Filme bekommt, die es verdient. Ein weiterer Grund, sich den Kopf ob der scripte, die in Deutschland gefördert werden, zu kratzen und den Blick nach Hollywood oder Asien zu wenden, wo immer noch die besten Filme produziert werden. 1/10 Punkten

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