Nach dem überraschenden Erfolg von Star Wars 1977 wurden in dessen Fahrwasser so einige Weltraumfilme auf den Markt geschmissen. Und auch Disney wollte hier mitmischen, nahm 20 Millionen Dollar in die Hand und schickte „Das schwarze Loch“ ins Rennen.
Zugegeben, es schwingt einiges an Nostalgie mit, denn für mich ist das eine der früheren Erinnerungen zum Thema Film aus meiner Kindheit. Von daher mag die Kritik eine gewisse Einfärbung haben, aber der Film funktioniert für mich immer noch, obwohl die Mängel offensichtlich sind.
„Hinein, hindurch und darüber hinaus“
Das Raumschiff USS Palomino entdeckt auf dem Rückflug zur Erde nicht nur ein gewaltiges Schwarzes Loch, sondern auch ein scheinbar führerlos treibendes Schiff, die vermisste USS Cygnus, das sich ganz in seiner Nähe befindet. Kaum dem Sog des Schwarzen Lochs entkommen, stellt die Crew der Palomino fest, dass die Cygnus doch nicht ganz so verlassen ist.
Der Plot ist durchaus in Ordnung und wird wohl alleine durch das unverbrauchte Setting gerechtfertigt, ist bei genauerer Betrachtung aber auch sehr löchrig. Die Hintergründe der Figuren, und damit sind auch die auf der Cygnus tätigen Individuen gemeint, werden nur angerissen. Wie Dr. Reinhardt all dies aber bewerkstelligen konnte, darüber denkt man lieber nicht allzu lange nach. Hält man sich nicht damit auf und lässt sich einfach treiben, so kann man trotz alledem aufgrund der flotten Inszenierung und wohl auch, sofern möglich, aus kindlichem Staunen heraus, seinen Spaß damit haben.
Den Soundtrack liefert der unter anderem für seine Bond-Kompositionen bekannte John Barry, das Hauptthema ist dramatisch und bleibt im Ohr. Wie aus der Zeit gefallen hat man dem Film sogar, 2001 und andere Klassiker lassen grüßen, dem Film eine knapp zweiminütige Ouvertüre über schwarzem Bild vorangestellt, bevor der Vorspann einsetzt. Die Musik bleibt dabei oftmals unheilschwanger und untermalt die stete Bedrohung durch das alles vernichtende Etwas da draußen, und auch drinnen, sehr ansprechend. Die Kameraarbeit von Frank Phillips ist angenehm ruhig und übersichtlich
Genretypisch kommt „Das schwarze Loch“ recht effektlastig daher und hier muss man leider Abstriche machen. Wie der eingangs erwähnte Sternenkrieg klarmacht, kann man das aber nicht allein auf das Alter zurückführen, denn der 1977er Blockbuster war diesbezüglich eine Wucht. Leider kommt da Disneys Werk nicht ansatzweise ran und so sind die Spezialeffekte mal ansehnlich, oftmals aber auch eben ganz und gar nicht. Auffallend sind dabei beispielsweise Szenen, in denen die Figuren vor Fenstern stehen. Trotzdem kann ich dem Ganzen einen gewissen Charme nicht absprechen, die eingangs erwähnte Nostalgie spielt hier sicherlich auch rein.
Schön anzusehen ist dafür das erste Auftauchen der Cygnus, die wie ein Schatten im All zu schweben scheint. Hierfür wurde extra ein 3,66 m langes Modell gebaut; die Umrisse alleine wirken imposant und überhaupt transportiert das Schiff schon den für einen Disneyfilm bemerkenswert dunklen Ton, der sich durch den kompletten Film zieht. Dieser führt sich auch in den Charakteren fort, von denen nicht jeder diese Reise überleben wird. Die meisten Figuren stehen dabei klar auf einer Seite, doch hat man es hinbekommen, dass immerhin keiner auf die Nerven fällt. Selbst dem schwebende Roboter Vincent mit seiner Zitierfreude kann man einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, wenn auch die Möglichkeit der Telepathie zwischen ihm und Dr. McCrae merkwürdig anmutet und wohl eine günstige Lösung mancher Handlungsstränge darstellt.
Ansonsten tummeln sich allerlei Gestalten auf der Cygnus, wobei die hinter ihren Spiegelmasken lange Zeit verborgen bleiben, andere als Androiden ihren Aufgaben nachgehen. Und dann ist da noch Maximilian, Dr. Reinhardts rechte Hand, die (fast) stumm ihrem Meister dient und dabei auch vor Mord nicht zurückschreckt.
Was die Besetzung angeht, konnte man mit Maximilian Schell einen charismatischen Darsteller für die Rolle des Dr. Reinhardt gewinnen. In seiner scheinbaren Ruhe strahlt er permanent eine unterschwellige Gefahr und auch einen Wahn aus, der in fast jeder Szene spürbar wird. Es finden sich aber noch weitere bekannte Gesichter. Anthony Perkins, der mit fortschreitender Zeit auf Reinhardts Faszination erliegt, Ernest Borgnine ist ebenso dabei wie Yvette Mimieux. Der Cast funktioniert soweit ganz gut und spielt sich ohne Ausfälle durch das bunte Abenteuer.
„Alles aus“
Trotz des begrenzten Areals bieten sich diverse Schauplätze, genutzt für Entdeckungen, Schießereien und Erläuterungen eines Genies – oder eines Wahnsinnigen. Dieser setzt gen Ende natürlich seinen Plan um, der allerdings aus mehreren Gründen ziemlich daneben geht.
Am Ende scheint Reinhardt mit Maximillian zu verschmelzen, in einer Art Hölle zwischen all denen, die er dort hineingezwungen hat. Währenddessen durchfliegen die Überlebenden (?) einen erhellten Korridor und steuern auf einen erdähnlichen Planeten zu. Sieht zwar chic aus, mutet aber unpassend religiös aufgeladen an. Immerhin bekommt man schön schaurige Bilder; etwas surreal, aber gerade deswegen auch angenehm untypisch. Weiterhin sollte man den Film nicht unter wissenschaftlichen Aspekten begutachten; allein die Darstellung des Gravitationsmonsters fällt wohl eher unter eine fantasievolle Bebilderung. Tut dem Spaß aber keinen Abbruch, man möchte ja auch mal was sehen.
„Das schwarze Loch“ ist in meinen Augen auch aus heutiger Sicht ein ungewöhnlicher Disneyfilm. Und auch wenn nicht alles gut gealtert ist und man nicht allzu tief in der Geschichte rumwühlen sollte, macht mir das Werk auch heute noch richtig Spaß. Ein charmanter Trip in die filmische Vergangenheit, als ich einfach noch unbeschwert staunen konnte.