(Review spoilert)
Eine dänische Lehrerin bekommt, nachdem sie gefeuert wurde, eine neue Anstellung in einem Kaff am Ende der Welt, welches voller religiöser, verwirrter Fanatikern steckt. Bei ihrer Arbeit kommt sie langsam einem lange totgeschwiegenem Geheimnis auf die Spur. Vor Jahren sind einige Kinder verschwunden. Die Einwohner haben dies immer mit unglücklichen Unfällen oder als Selbstmord dargstellt. Die Wahrheit ist allerdings wesentlich grausamer.
Die Kinder wurden von einem fanatischen Gottesanbeter, dem Dorfpfarrer, missbraucht und getötet. Das man dies in der streng gläubigen Ortschaft totschweigen möchte, liegt auf der Hand. Zumal auch viele Menschen im Ort in diesen Machenschaften mit drin hängen oder zumindest wissentlich die Taten in Kauf nehmen.
Als sich der Lehrerin ein Mädchen anvertraut, welches gerade in die Fänge des Pfarrers geraten ist, spitzt sich die Situation zu. Allein kämpft die Lehrerin gegen ihre feindliche Umwelt und durchbricht dabei die Mauer des Schweigens.
Man könnte diesen Film als wirklich mutigen Beitrag zum immer wieder aktuellen Thema des Kindesmissbrauchs in kirchlichen Kreisen bewerten. Jedenfalls erschließt sich mir dies so, da ja sonst sehr viele Filme selten die Kirche als Institution direkt nennt, sondern Kritik in Form von Sekten oder einzelnen religiösen Fanatikern darstellt. „Island of Darkness“ geht einen Schritt weiter, und liefert eine schonungslose Darstellung ab. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen und die angebliche Heiligkeit und Unantastbarkeit des Themas ans sich und der Kirche im speziellen, angegriffen. Das Schweigen wird durchbrochen, die Feigheit der Schuldigen und Mitschuldigen offen dargelegt.
Wähnt man sich am Anfang des Films noch in relativer Sicherheit und baut sogar Sympathien gegenüber dem Pfarrer auf, ja es gelingt sogar, so etwas wie eine Beziehung zu seiner Person zwischen Zuschauer und Charakter herzustellen, folgt schon bald das böse Erwachen. Eine schöne Falle, in die der Betrachter da tappt. Denn der Geistliche entpuppt sich schon bald als Freund der körperlichen Ertüchtigung durch Gewaltanwendung und mutiert zum menschlichen Monster.
In diesem Film wird nichts verschönert dargestellt. Die Kamera hält selbst bei der Vergewaltigung des Mädchens drauf. Ob dies so nötig war, kann ich für mich mit einem Nein beantworten. Aber, der Vorgang der Vergewaltigung wird weder positiv noch in irgendeiner Weise sensationslüstern dargestellt, ist aber trotzdem ein zentraler Punkt im Film. Hier soll aufgerüttelt werden. Die Bilder sind erschreckend kühl gezeichnet und offenbaren dabei eine erschreckende Realität, ohne dabei nur eine niedere Schaulust befriedigen zu wollen. Die dargestellten Schmerzen der Kinder sind überzeugend, mitreisend. Ohne Schönmalerei. Ich ziehe meinen Hut vor den wirklich guten Darstellerinnen des Films. Die Kritik an Staat und Gesellschaft und den Vorgängen wurde gekonnt in den Film eingearbeitet sowie glaubhaft dokumentiert.
„Island of Darkness“ ist ein geglückter Horror – Thriller, der abseits gängiger Genremuster eine spannende Geschichte erzählt, glaubhafte Charaktere vorweisen kann und gekonnt in Szene gesetzt wurde.