Review

Sony meinte es nicht gut Kurt Wimmer und „Ultraviolet“: Als der Film bei Testvorführungen durchfiel mussten rund 30 Minuten Handlung rausgeschnitten werden und zudem wurde der in seiner Ursprungsfassung R- oder NC-17-würdige Film auf PG 13 heruntergekürzt.
In ferner Zukunft hat eine gefährlicher Virus die Menschheit befallen: Die Infizierten werden zu einer Art Vampir, genannt Hemophagen. Lange Schneidezähne, Lichtempfindlichkeit und die Not von Blutversorgung (allerdings durch Injektionen), aber auch schnellere Heilung, besseres Gehör und größere Kraft. Allerdings sterben die Infizierten nach einigen Jahren und zu ihnen gehört auch Violet (Milla Jovovich). Doch als die Regierung die Hemophagen immer stärker interniert und kontrolliert, formt sich ein Widerstand. Dies alles handelt „Ultraviolet“ im Intro ab, das von Violets Off-Kommentar untermalt wird und die meisten Erläuterungen liefert, denn danach gibt es nicht mehr viele davon.
Violet dringt im Auftrag der Rebellen in ein staatliches Labor ein und klaut eine Waffe, mit welcher man die Hemophagen gänzlich ausrotten will. Doch sie öffnet das Päckchen und findet heraus, dass es sich bei der Waffe um Kind handelt. Mutterinstinkten folgend (sie war selbst mal schwanger und verlor das Kind bei Untersuchungen durch die Regierung) will sie den Jungen (Cameron Bright) vor Rebellen und Regierung beschützen...

Selbst in der vorliegenden Extended DVD ist „Ultraviolet“ nicht Wimmers Wunschvorstellung, sondern die Kinofassung, die um wenige Minuten Handlung erweitert wurde. Inwieweit die Ursprungsfassung besser war ist (zumindest momentan) nicht zu sagen, aber trotz vieler Ähnlichkeiten (Kampf von Rebellen gegen die Regierung, ähnliche Actionszenen usw.) wirkt „Ultraviolet“ wie ein Gegenstück zu „Equilibrium“: Dieser war eine düstere Zukunftsvision mit wenigen, extrem effektiv platzierten Actionszenen, „Ultraviolet“ hingegen ist eine knallbunte Actionorgie.
Plot und Tiefgang kommen dabei erwartungsgemäß ziemlich kurz. Die Erklärung mit den Kind muss ausreichen, wenn Violet sich gegen alle Fronten stellt und die Technologie, die es erlaubt Waffen und Ausrüstung entmaterialisiert und damit extremst verkleinert mit sich herumzutragen, wird in zwei Sätzen erwähnt. Und wenn Violet den Laborkomplex infiltriert muss man sich mit der Erklärung zufrieden geben, dass die Rebellen eine Supertechnologie besitzen, welche die Supertechnologie der Regierung bei Identitätscheck ausstechen kann. Über Logiklücken muss auch hinwegsehen: Da muss Violet einem Gegner die Waffe entreißen und nach Ausgang der Munition im Nahkampf weiterfighten, um dann in der nächsten Szene eigene Knarren zu materialisieren, die sie die ganze Zeit bei sich trug.

Doch nicht nur Erklärungen kommen (vermutlich aufgrund der Studiokürzungen) zu kurz, auch die Charaktere bleiben extrem eindimensional. Rebellenführer sowie Regierungschef sind jeder auf seine Art Fanatiker, Violet das ultratoughe Killerbabe und der Junge hat (drehbuchbedingt, wie sich nachher herausstellt) keine Eigenschaften. So wirken emotionale Szenen stets unglaubwürdig, die vollkommen deplazierte Szene mit dem Karussell unglaubwürdig. Einzig und allein die Offerte des Untergrundwissenschaftlers Garth (William Fichtner), dass er in Violet verliebt ist, wirkt überzeugend, der Rest geht jedoch in dem knallbunten Treiben unter, zumal sich „Ultraviolet“ eh fast nur um die Oberfläche sorgt.
So ist der Plot nur mäßig spannend, es geht einzig und allein darum, dass Violet auf ihrer Flucht zurückschlägt und nach und nach alle fiesen Subjekte über den Jordan befördert. Teilweise tun sich auch da Mängel auf, ihren ehemaligen Rebellenchef erledigt sie schon ziemlich früh und dies in einem enttäuschend kurzen Kampf. „Ultraviolet“ versucht dann stets mit der knallbunten Optik über inhaltliche Schwächen hinwegzutäuschen. Will man eine größtenteils digitale Welt erschaffen, so sollte man aber schon über das Budget von „Minority Report“ oder der „Star Wars“-Prequel-Trilogie verfügen und das tut „Ultraviolet“ leider nicht. Stets wirken die Effekte künstlich und sie immer als solche zu erkennen, einige Shots sind sogar erschreckend billig (z.B. das Feuer aus dem Kuppeldach am Ende). Tiefpunkt des Ganzen ist die Verfolgungsjagd nach der Laborszene, in der Violet von zwei Hubschraubern durch die Stadt gejagt wird. Das Wändehochfahren ist von der Idee her ganz nett, sieht aber schon arg künstlich aus, der Sprung in Richtung Hubschrauber kommt sogar billig daher und die finale Explosion der Helis hätten auch die Ostblock-Seagals der letzten Jahre nicht schlechter hinbekommen.

Allerdings kann man „Ultraviolet“ eines zugute halten: So exzessiv wie hier gab es in den letzten Jahren selten auf die Fresse. Durch die Handlungskürzungen kommt es hier immer schnell zur Sache und die Actionszenen sind stets ausufernd. Aufgrund dieses Masse statt Klasse Prinzips wirken die Actionszenen nie so atemberaubend wie in „Equilibrium“ und haben auch einige Ermüdungserscheinungen, denn andauernd wird Violet von einer Übermacht eingekreist. Doch Kurt Wimmer verschießt sein Pulver nicht zu früh und wenn einige der Actionszenen in der Mitte wenig vom Hocker reißen, dann deshalb, damit sich „Ultraviolet“ im letzten Drittel steigern kann. Ähnlich den Katas aus „Equilibrium“ und den Fights aus der „Blade“-Trilogie kämpft sich Violet mit Schwerten, Klingen und Feuerwaffen durch ganze Gegnerhorden und wirbelt spektakulär umher. Teilweise exzellente Choreographien (z.B. beim Bibliotheksfight) und nette Ideen wie das Duell mit den brennenden Schwertern im Dunkel oder die zersplitternden Brustpanzer machen die Action immer wieder sehenswert trotz Ermüdungserscheinungen (gegen Ende werden einige Fights sogar gar nicht oder nur ansatzweise gezeigt).
Milla Jovovich hat in dieser Rolle wenig zu tun, sie muss vor allem cool sein und physisch Präsenz zeigen, aber mal ehrlich: Mehr musste Arnie in seinen frühen Filmen auch nicht. Ihre Outfits und Haarfarbe wechseln ständig durch eine ominöse Technologie, noch ein Beweis dafür, dass es „Ultraviolet“ fast nur um die Oberfläche geht. Nick Chinlund als Bösewicht ist Standard, aber OK, Cameron Bright wenig einprägsam. Einzig und allein William Fichtner ist großartig, hat aber nur wenige Szenen.

Dadurch, dass es beständig auf die Fresse gibt, ist „Ultraviolet“ noch OK für den Actionfan und den Simpelplot verzeiht man auch. Doch der Mangel an Erklärungen sowie viele nicht verfolgte Ansätze zerstören die Spannung der Geschichte und im Bereich CGI-Effekte hat sich „Ultraviolet“ zu oft merklich verhoben, denn teilweise sieht die Optik billig oder gar schlecht aus.

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