"Das wahre Monster, das besser nicht an deine Tür klopft, bin ich."
Kurt Wimmer belegte mit "Equilibrium" ein wahrhaft glorreiches Händchen zu haben, wenn es um wegweisende Science Fiction mit innovativen Actionelementen und gesellschaftskritischer Handlung geht. Mit "Ultraviolet" wollte er in die gleiche Kerbe schlagen.
Gegen Ende des 21. Jahrhunderts ist durch eine Epidemie eine weitere Form des Menschen entstanden, die einem Vampir ähnelt und sich durch eine größere Schnelligkeit, Kraft und Intelligenz auszeichnet. Da sich die Zahl dieser als Hämophagen bezeichneten Menschen rapide ansteigt, beschließt die totalitäre Regierung sie auszurotten. Violet (Milla Jovovich) hat sich bereits seit Anfangstagen des Virus angesteckt und agiert, wie viele andere Hämophagen, im Untergrund. Als bekannt wird, dass die Regierung eine vernichtende Waffe gegen die Hämophagen entwickelt hat, stiehlt Violet diese aus deren Labors. Die Waffe entpuppt sich als ein Kind namens Six (Cameron Bright) welches Blut in sich trägt, dass die Hämophagen töten kann sich gleichzeitig allerdings als eine Heilungsmöglichkeit erweisen könnte. Als ihre Gattung sie anweist das Kind zu töten widersetzt sich Violet und steht nun zwischen Mensch und Hämophag auf der Suche nach einer Rettung für beide Welten.
Zuallererst muss erwähnt werden, dass es sich bei der in Deutschland bisher einzig verfügbaren Version des Films um eine um sage und schreibe 32 Minuten erleichterte Fassung handelt, als es Regisseur Kurt Wimmer vorgesehen hatte. Sony's Screen Gems entschied sich bereits im Vorfeld den Film auf 95 Minuten Handlung zu reduzieren. Das erwünschte PG-13 rating (vergleichbar mit unserem FSK 12) forderte einen weiteren Tribut den "Ultraviolet" mit einer Laufzeit von 88 Minuten, und einem erstaunlich blutleeren Blutkrieg, zurückließ.
Einzig in den USA ist eine Unrated Fassung erhältlich, die annäherungsweise 95 Minuten dauert und die hierzulande auf der DVD als Deleted Scenes bezeichneten Szenen im Film selbst enthält. Von einer ca. 2 Stunden dauernden Fassung fehlt bis heute jede Spur.
Ein so dermaßen zerfleddertes Werk kann nur noch selten das ausstrahlen, was es eigentlich wollte. Und so ist dies leider auch mit "Ultraviolet" geschehen. Klaffende Handlungslöcher reihen sich an eine Handlung die jedweder Logik widerspricht, mit Charakteren die flacher kaum sein könnten. Die Kritiken waren vernichtend, besonders zu dem gerne im Vergleich hinzu gezogenen "Equilibrium", dabei sollte es sich mit Wimmer's düsterem Vorzeigewerk eigentlich nicht vergleichen lassen.
"Ultraviolet" begeht den gleichen Weg wie das gleichfalls zerrissene "Aeon Flux". Beide Werke operieren lediglich vordergründig mit existenzialistischen Themen wie dem Recht auf Selbstbestimmung und Individualität innerhalb einer konformistischen Gesellschaft. Der Kern besteht aus einer streng durchgestylten Fassade, die kunterbunt und futuristischer nicht sein könnte. Die am besten als Hochglanz-Trash zu umschreibende Vermischung von computeranimierten Hintergründen und realen Sets ist deutlich durch japanische Animes inspiriert. Und demnach orientiert sich gleichfalls der gesamte Film.
Sinnfreie Dialoge wie sie in einem Comic zu finden sind, eindimensionale Helden und Schurken die Abziehbildern gleichen und wagemutige Stunts jenseits der Schwerkraft stehen an der Tagesordnung. Somit trifft "Ultraviolet" bestenfalls den Geschmack eingeschworener Hardcore-Comic-Fans und unterhält die Masse mit spektakulären Actionszenen.
Die grandiose Action hat es wirklich in sich. Laut und krachend zersplittern Scheiben im Sekundentakt, stilvoll und unermüdlich erfolgen die dynamischen Martial-Arts Kämpfe. Hier erkennt man auf jeden Fall die Parallelen zu der bereits in "Equilibrium" angewandten Kampfkunst Gun Kata. Dass die dabei angewandten Effekte auch mal allzu künstlich wirken unterstreicht das Szenario des knallbunten Looks.
An die Ereignisse angepasst schmiegt sich der episch angehauchte Soundtrack nah an die visuelle Darbietung und beweist auch mal den Mut zu verzerrt futuristischen Klängen.
Wimmer entschied sich ganz bewusst für Milla Jovovich ("Das Fünfte Element", "Resident Evil"), die sich durchgehend offensiv im bauchfreien, engen Lederkostüm und wechselnder Haarfarbe präsentiert. Der gesamte Film, inclusive der inhaltlich minderqualitativen Handlung, wurde genau auf sie zugeschnitten. Nur wenige Minuten befindet sie sich abseits des Geschehens und wird von der Kamera stets ansprechend aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln eingefangen.
Dass dabei andere Darsteller kaum noch zum Zug kommen ist offensichtlich. Somit verblassen Cameron Bright ("X-Men - Der letzte Widerstand", "Running Scared") sowie William Fichtner ("Equilibrium", "The Dark Knight") hoffnungslos und werden zum Schmückwerk, der als Gegenspieler konzipierte Nick Chinlund ("Con Air", "Training Day") ist nicht der Rede wert.
"Ultraviolet" ist eine Herausforderung für die Geschmacksnerven. Wer sich von der künstlichen, kalten Aufmachung nicht abschrecken lässt kann kurzweiligen Spaß mit der rasanten Action und einer atemberaubenden Jovovich haben. Diese kann aber die klaffenden Wunden einer vernachlässigten Handlung, Bilderbuchfiguren und der zusammenhanglosen Erzählweise überblenden. Sehr schade, dass diesem Film, der eigentlich Blockbuster Niveau erreichen könnte, diese Möglichkeit vom Start weg untersagt wurde. Aufgerundete...
6 / 10