Mit „Krieg der Welten“ hat Steven Spielberg ohne Zweifel den wohl derzeit besten Effektfilm aller Zeiten geschaffen. Zumindest habe ich bis heute noch keine derart hervorragenden und vor allem wirklich furchteinflößenden Spezialeffekte gesehen.
Im direkten Vergleich wirkt das inzwischen 52 Jahre alte Original aus den 50ern hier fast wie Daumenkino.
Verglichen mit Gurken wie „The Day After Tomorrow“ punktet „Krieg der Welten“ gleich auf mehreren Ebenen:
(1) Anstatt nur einer wirklich beeindruckenden Tricksequenz (die Flutwelle gegen Ende des ersten Drittels) bietet „Krieg der Welten“ von Anfang bis Ende immer wieder atemberaubend hervorragende Effekte.
(2) Im Gegensatz zu „The Day After Tomorrow“, wo einem das Schicksal der bekloppten Protagonisten förmlich am Arsch vorbeiging, fiebert man bei „Krieg der Welten“ permanent mit den Protagonisten mit. Man wird von der Handlung mitgerissen.
(3) Bei „The Day After Tomorrow“ war spätestens nach der großen Flutwelle tote Hose und der Film verreckte völlig, weil er nur noch einschläfernd langweilig dahinplätscherte.
„Krieg der Welten“ hat einen durchgängigen Spannungsbogen, dessen Spitze eindeutig in der nervenzerfetzend spannenden Szene im Keller gegen Ende des Film erreicht wird, als sich die Protagonisten vor den Außerirdischen verstecken müssen.
Hätte ich mich hier in den Kinosessel gekrallt, hätte ich wohl echte Furchen hinterlassen.
(4) Neben spannenden Szenen hat der Film auch einige emotional wirkende Szenen (ein von Menschenasche eingehüllter Tom Cruise oder die durch den Fluss treibenden Leichen). Das Handeln der panischen Menschenmassen ist ebenfalls glaubwürdig. So wird einem zum Beispiel doch ganz anders, wenn sich ein paar aufgebrachte Menschen im Streit um ein Auto gegenseitig über den Haufen schießen.
Was die Effekte angeht, braucht sich „Krieg der Welten“ also nicht zu verstecken.
„Krieg der Welten“ kränkelt hier an anderer Stelle:
(1) Die letzten fünf Minuten (also das Ende) sind in der Tat derart bescheuert, dass es dem Fass den Boden ausschlägt.
Da trottet Cruise mit seiner Tochter auf dem Arm die Straße entlang, auf das Haus der Großmutter zu, wo sich prompt die Tür öffnet und ihm seine Ex-Frau entgegenkommt und ihre Tochter in die Arme schließt (also genau, wie Cruise es seiner Tochter immer zur Beruhigung erzählt hat).
Aber das reicht natürlich nicht aus. Zusammen mit den Großeltern kommt auch noch der Sohn heraus, der eigentlich in der Feuersbrunst beim Kampf auf den Feldern hätte umkommen müssen.
Sieht man mal davon ab, dass der halbe Planet in Schutt und Asche liegt, hat Spielberg hier ein „Happy End“ erzwungen, dass der Zuschauer fast am Zuckerguss erstickt.
So schön es ja auch sein mag, das letzten Endes alle Familienmitglieder überlebt haben, so unglaubwürdig ist es auch.
(2) Zweiter Kritikpunkt ist das finale Dahinscheiden der Außerirdischen. Angesichts dessen, dass sie diesen Angriff seit Millionen von Jahren geplant haben, erscheint es mehr als unglaubwürdig, dass sie die tödliche Wirkung von Mikroorganismen wie dem Pantoffeltierchen auf ihren Organismus nicht beachtet bzw. einkalkuliert haben.
Der Prolog erklärt unmissverständlich, dass uns die Außerirdischen, was die Intelligenz angeht, haushoch überlegen sind. Um so unglaubwürdiger ist daher, dass sie letzten Endes sogar „freiwillig“ in ihren eigenen Tod gereist sind.
Dass sie auch noch mit „veralteten“ Maschinen gegen uns kämpfen (denn die waren ja schon seit Ewigkeiten unterirdisch bei uns plaziert) und nicht mit „aktuell entwickelten“ Maschinen vom All aus angreifen, will ich erst gar nicht weiter hinterfragen.
(3) Dritter Kritikpunkt ist der abschließende Epilog. Nimmt man den leicht dusseligen Prolog ja gerade noch so hin („Auch was leben wir Menschen doch mit einer geradezu unverschämten Selbstgefälligkeit auf diesem Planten!"), kommt der Epilog, in dem uns erklärt wird, dass wir Menschen uns das Recht hier zu leben, durch die viele Opfer fordernde Evolution, quasi erworben haben, einfach nur doof herüber.
Die Außerirdischen beißen ins Gras, weil sie dies nicht getan haben? In diesem Moment habe ich unwillkürlich mit den Augen gerollt.
Bei „Krieg der Welt“ überwiegen bei weiten die positiven Aspekte, da dass wie gesagt dusselige Ende des Films bei einer Gesamtlaufzeit von 117 Minuten nur einen verschwindend geringen Anteil ausmacht.
Zu gut sind die Effekte und zu spannend und Aktion geladen die Handlung, als dass man diesen Film nicht mögen könnte.
Tom Cruise gehört zwar nicht unbedingt zu meinen Lieblingsschauspielern, macht seine Sache aber gut. Natürlich darf auch Hollywoods derzeit wohl beliebtiste Kinderdarstellerin Dakota Fanning nicht feheln; oder warum sieht man sie momentan sonst in jedem zweiten Film? Sie schreit zwar für meinen Geschmack etwas zuviel herum, leistet insgesamt aber auch gute Arbeit.
Fazit: Reingehen!