Na also, er kann es doch noch. Nachdem Steven Spielberg seit Jurassic Park, keinen Film mehr zustande gebracht hab, der ohne größere Macken daherkam, meldet er sich mit Krieg der Welten, der bereits zweiten Kinoadaption von H.G. Wells Science-Fiction Klassiker eindrucksvoll in einem Genre zurück, welchem er seinen etwas übertriebenen legendären Ruf verdankt.
Was macht einen guten Spielberg aus? Allen voran ein perfekt designter Spannungsbogen, der den Zuschauer jederzeit fest im Griff hat (Der weise Hai, Duell), Charaktere, die sich innerhalb der Rahmenhandlung realistisch verhalten und so dem Zuschauer gute Identifikationsmöglichkeiten bieten (E.T. Unheimliche Begegnung…), und der gezielte Einsatz von Effekten als Storyelement, ohne selbige nur aus Selbstzweck in den Film zu stopfen (Jurassic Park). Dass Spielberg in Sachen Optik, Soundtrack und Timing nichts vorzumachen ist, dürfte niemand bezweifeln. Leider krankten seine neueren Filme meist mehr oder weniger an demselben Problem, sie waren zu harmlos, zu glatt gebügelt, teilweise zu kitschig, und dadurch meist schnell wieder vergessen.
Krieg der Welten setzt diesem Abwärtstrend ein Ende. Fast völlig humorlos geht in deprimierenden Bildern die Welt zu Grunde, in Stücke geschossen und eingedeckt mit den Überresten ihrer früheren Bewohner, von gewaltigen außerirdischen Kampfmaschinen. Die Geschichte von der übermächtigen Alieninvasion ist zwar nun schon so abgegriffen, wie der Teenie-Horror-Film. Allerdings wählt Spielberg eine recht ungewöhnliche Perspektive für solch eine epische Geschichte. Okay, frisch ist auch diese Perspektive nicht wirklich, denn auf die Idee die globale Invasion aus der Sicht einer zerrütteten Familie zu zeigen kam 2002 schon M. Night Shyamalan mit seinem Film Signs. Und trotz der marektingtechnischen Zelebrierung als Event-Movie hat Krieg der Welten mit diesem Film viel mehr gemein, als mit dem Krawallkino eines Independence Day. Hier mag der ein oder andere Zuschauer ein wenig enttäuscht werden, denn Familie Ferrier ist mehr damit beschäftigt sich vor den unfreundlichen Besuchern aus dem All zu verstecken und vom Ort des Geschehens zu fliehen, als die Popcorntüte und Campingstühle auszupacken und laut schmatzend die Einäscherung des Landes zu beglotzen. Der Zuschauer sieht jederzeit nur, was die Protagonisten sehen, von der ersten bis zur letzten Szene ist entweder Tom Cruise oder Dakota Fanning ständig im Bild.
Bei einer so starken Charakterfokussierung ist es natürlich sehr wichtig, dass sowohl die Figurenzeichnungen, die Konflikte und die darstellerischen Leistungen stimmen, oder der Film als Ganzes würde nicht funktionieren. Man kann nicht wirklich behaupten Ray Ferrier wäre keine Klischeefigur, der hart arbeitende amerikanische Unterschichtler, der im Umgang mit seinen Kindern überfordert ist, ist schon sehr stereotypisch. Auch der Konflikt zwischen den Familienmitgliedern, die erst durch die Extremsituation zueinander finden ist recht vorhersehbar und schon sehr oft auf der Leinwand zu begutachten gewesen. Aber warum sollte man sich darüber beschweren, wenn es so gut umgesetzt ist wie hier. Cruise liefert eine der besten Performances seiner Karriere und Dakota Fanning beeindruckt nach dem miserablen Hide and Seek wieder durch eine völlig überzeugende Vorstellung. Obwohl Ray und vor allem sein Sohn eigentlich eher unsympathisch sind, bangt man doch jederzeit mit ihnen mit. Auch Tim Robbins nutzt seine begrenzte Screentime bestens aus, obwohl er sich manchmal an der Grenze zum Overacting bewegt.
Die Kriegsmaschinerie der Aliens macht sich auf der Leinwand rar, was sie wenigen Szenen in denen sie zu sehen ist aber umso beeindruckender macht. Spielberg weiß genau wie man Effekte richtig dosiert und lässt sich durch die zunehmenden technischen Möglichkeiten nicht zu deren exzessiven Gebrauch verführen. Die Tripods sehen beeindruckend aus, mysteriös und bedrohlich. Auch die Aliens selbst sind vom Design her wirklich gelungen, obwohl es vielleicht besser gewesen wäre, sie dem Zuschauer komplett vorzuenthalten. Vor allem bei eben jener Szene, in der die Invasoren in Persona Jagd auf die Helden machen, kann man Spielberg vorwerfen sich selbst zu kopieren, so sehr erinnert das ganze an die Raptoren in der Küche-Szene in aus Jurassic Park. Aber das Schema funktioniert auch hier immer noch hervorragend, also warum meckern?
Ein wenig Anlass zur Kritik, bietet das Ende, das Finale ist sehr kurz und der Film endet sehr abrupt. Klar, wer das Buch oder die alte Verfilmung kennt, weis wie es ausgeht, gegen die Schlusswendung ist natürlich nichts einzuwenden, das Überlebensthema trägt ja den ganzen Film und die Geschichte. Nur hätte Spielberg das etwas spannender und ausgedehnter enthüllen können. Zuschauer, welche die Vorlage nicht kennen könnten enttäuscht sein von diesem Schluss. Die Tatsache, dass Spielberg dann ganz am Ende doch noch mal unnötigerweise den Zuckerguss aufs Zellolid kippt hilft da auch nicht wirklich weiter.
Fazit: Der beste Spielberg Film seit langem. Krieg der Welten ist ein perfekt inszeniertes, beklemmendes Survivaldrama, welches dem Zuschauer kaum eine Atempause gönnt. Man sollte nur nicht unbedingt eine effektfokussierte Materialschlacht erwarten. Neben dem wirklich hervorragenden Spannungsbogen überzeugen vor allem die tollen Darsteller und lassen uns mit ihnen um den Fortbestand der Menschheit zittern. Dass der Film dann beim Ende leider etwas in die Sentimentalität abdriftet ist zwar ärgerlich, tut dem ansonsten äußerst positivem Gesamtbild, wie einige kleinere Ungereimtheiten, aber nicht wirklich weh. Einer der besten Filme zum Thema Alieninvasion die man schauen kann.