Wenn sich Steven Spielberg an einer Sci-Fi Geschichte versucht, klingelt es natürlich in den Ohren, Spielberg ist ja nun kein Amateur mehr und man erwartet natürlich ein bisschen was, wenn sich Spielberg einem neuen Projekt zuwendet. Wenn er sich dann noch Tom Cruise an Bord holt könnte man denken, ein bombastisches Gigawerk stehe kurz davor, realisiert zu werden. Nun, im Nachhinein ist Krieg der Welten vielleicht nicht der Blockbuster schlechthin, aber trotzdem ein durch und durch guter Film.
Über weite Strecken wird im Film theoretisch nur geflohen, es beginnt mit der Invasion außerirdischer Raumschiffe in New Jersey, die aus dem Boden kommen, wo sie allem Anschein nach schon eine ganze Weile auf den Angriff gegen die Menschheit gewartet haben. Mittendrin natürlich unser Protagonist Ray (Tom Cruise), der gerade eine Ehekrise durchmacht und zuhause eine kleine Zicke als Tochter und einen angekotzten Teenager als Sohn zu ernähren hat. Da durchbricht die feindliche Invasion doch glatt mal das müde Routine-Leben. Nachdem die Außerirdischen in ihren Raumschiffen schon eine gesunde Traube Menschen geröstet haben, fackelt Ray nicht lange, rennt nach Hause und schleift seine übriggebliebene Familie ins nächstbeste Auto, ohne jegliche Erklärung. Das bietet natürlich Spielraum für die kleine Zicke (Übrigens von Dakota Fanning dargestellt), rumzubrüllen und blöde Fragen zu stellen. Und Sohnemann fühlt sich eh verarscht von Daddy, anders kennt er es ja nicht. So wird die Flucht nach Boston zur Ex von Ray geplant. Natürlich kommt man da nicht ohne Schwierigkeiten hin.
Cruise als Ray ist mal wieder die typische Figur eines solchen Films, möglichst identifizierbar und eben der typische Vater. Fanning spielt zwar überzeugend die Tochter Rachel, nur hätte man die Brüllerei, die unsinnigen Fragen und das stellenweise extreme Desinteresse zur Fürsorge des eigenen Vaters ein bisschen auf Sparflamme drehen können. Nicht unbedingt besser der Sohn, der zwar nur gutes im Sinn hat, das aber möglichst schnell im Militär und im direkten Kampf mit den Aliens ausleben möchte. Eben frei nach dem Motto, wie du mir, so ich dir. Dass Spielberg seine Invasion mit dem typisch familären Drama kreuzt, ist nicht ganz so extrem wie vorher von der Presse geschildert, das heißt, es nicht nicht halb so übertrieben wie vorher in diversen Berichten dargestellt. Das eigentliche Problem ist die manchmal aufkeimende Unlogik: Hunderte Menschen schauen sich ein Loch im Boden an und gaffen selbst dann weiter, wenn das Raumschiff der Aliens schon Meter hoch über ihren Köpfen posiert. Erst als die ersten Menschen gebraten werden bricht Panik aus. Tausende kloppen sich wie die Kaputten um ein einziges Auto, in das möglicherweise zwei Dutzend Menschen passen, und letzendlich steigt ein einzelner Mann mit einer Knarre ein. Und last but not least umarmen sich Daddy und sein kriegssüchtiger Sohn am Ende des Films, es wird weder gesagt, wie der Knabe denn nach Boston (Was übrigens komischerweise noch steht) gefunden hat und warum er nicht eine Narbe hat. Überhaupt kommt es so rüber, als hätte Spielberg die letzten zehn Minuten langsam die Lust am Stoff verloren, denn plötzlich rennt der Film und erklärt die Niederlage der Aliens in einer halben Minute Monolog. Das hätte schon ein wenig ausschweifender geschehen können.
Positiv zu vermerken ist aber, dass Spielberg weitgehend auf den typischen Patriotismus verzichtet. So hängt zwar an jedem Haus die obligatorische amerikanische Flagge, aber wenigstens bekämpft nicht der Präsident persönlich die außerirdische Bedrohung oder (ein Glück, dass das nicht der Fall war!) stehen alle am Ende vor dem Sonnenuntergang und singen die amerikanische Nationalhymne. Danke, Mr. Spielberg. Die weiteren Goldseiten des Films finden sich in der unglauben Tricktechnik. Einigen Explosionen sieht man zwar die Künstlichkeit an, aber umso besser sehen dann die Aliens und deren Raumschiffe aus. Auch gut gelungen ist die klaustrophobische Panik die mitunter aufkommt. Überhaupt ist die ganze Atmosphäre ein Fest für die Sinne, bedrohlicher kam in einem Katastrophenfilm lange nichts mehr rüber. Spannend bleibt das Geschehen auch, auf dem Wege verzeiht man auch die paar logischen Lücken und die stellenweise hanebüche Story. Tom Cruise gibt eine einigermaßen gute Vorstellung ab, auch wenn er hier und da mal wieder etwas zu bemüht versucht, seiner Rolle gerecht zu werden. Letzendlich ist Spielberg ein schockierendes Sci-Fi Feuerwerk gelungen.
Fazit
Durchaus besser als die Mehrheit der Vorab-Kritiken, beweist Spielbergs Film wiedermal, dass man Sci-Fi Filme doch gekonnt inzenieren kann. Zwar wirkt nicht alles überzeugend, wie z.B eine handvoll Logiklöcher oder die Überzeichnung mancher Charaktere, aber trotzdem bleibt Krieg der Welten ein sehenswerter Filmgenuss, den man schon gesehen haben sollte.
7,5/10