"In grenzenloser Selbstzufriedenheit wanderte die Menschheit auf dem Erdball umher und glaubte die Herrschaft dieser Welt zu besitzen."
Ray Ferrier (Tom Cruise) beendet unpünktlich seine Schicht am Dock. Vor seinem Heim warten bereits ungeduldig seine Ex-Frau Mary Ann (Miranda Otto) mit ihrem neuen Partner Tim (David Alan Basche) auf ihn. Grund für den Besuch sind die beiden gemeinsamen Kinder Robbie (Justin Chatwin) und Rachel (Dakota Fanning). Ray soll das Wochenende auf seine beiden Kinder aufpassen, die er selbst nicht oft sieht und dessen Verhältnis zueinander kurz vor einer Eskalation steht. Den verantwortungslosen Vater interessiert aber zunächst nur sein eigener Schlaf und lässt seine Kinder eigenständig etwas zu essen bestellen.
Kurz nach seinem Erwachen zieht ein heftiges Gewitter auf, was für die winterliche Jahreszeit ungewöhnlich ist. Als es vorüber gezogen ist funktioniert kein einziges Auto mehr und die Stromversorgung scheint lahm gelegt. Ray und die Bewohner des Viertels versammeln sich um einen kleinen Krater, an dem die Blitze mehrfach eingeschlagen haben. Plötzlich bebt die Erde, die Straße bricht auf und eine krakenähnliche Maschine mit drei Füßen bricht heraus. Die Maschine beginnt direkt die Menschenmasse zu beschießen. Ray kann flüchten und bringt seine beiden Kinder zu einem Wagen, der gerade wieder repariert wurde. Mit dem einzigen Fahrzeug weit und breit flüchten sie aus der Stadt, während der Koloss hinter ihnen her ist.
Steven Spielberg's "Krieg der Welten" ist eine Neuinterpretation von Byron Haskin's "Kampf der Welten" aus dem Jahre 1953. Im Gegensatz zur Filmvorlage oder dem Roman von H.G. Wells stellt Spielberg nicht das Militär und den globalen Angriff der Außerirdischen in den Mittelpunkt, sondern eine amerikanische Durchschnittsfamilie, die durch den Konflikt wieder zusammengeschweißt werden soll.
"Krieg der Welten" fokussiert sich auf die Figur von Ray, der sich vom verantwortungslosen und desinteressierten Wochenend-Vater zum statthaften Beschützer seiner Kinder mausert. Diese Reise seiner Hauptfigur widmet der Film sehr viel Zeit, scheitert aber ganz offensichtlich daran diese Thematik mit Substanz und Tiefgang interessant zu machen. Was am Ende davon übrig bleibt sind klar erkennbare, gute Ansätze und viele langsame Szenen die sich mehr schlecht als recht in das apokalyptische Kriegsszenario einfügen. Die Invasion der Aliens, welche durchaus mit einigen spektakulären Szenen aufwarten kann, wird dadurch jedoch kontinuierlich jedweder Dynamik beraubt.
Obwohl "Krieg der Welten" einige gute Einzelszenen enthält, setzt sich der Film letztendlich nicht zu einem konsistenten Gesamtbild zusammen. Der Wechsel zwischen Familiendrama und angerissener Invasion lässt den Film stets zwischen Science-Fiction und Drama hin und her springen, keines der beiden Genres wird allerdings zufriedenstellend ausgefüllt.
Bei einem Krieg gehört eine Ernsthaftigkeit und Dramatik zu den erwarteten Größen. Ebenso Opfer, deren Größenordnung varieren kann. Jedoch sind nicht einmal bei einer immens detailreichen Absturzstelle eines Passagierflugzeuges Leichen zu sehen. Spielberg verspielt sich damit die Glaubwürdigkeit seines Films, die spätestens zum aufgesetzten Schluss endgültig flöten geht.
Technisch dagegen kann "Krieg der Welten" einiges vorweisen. Gerade zu Beginn ist der Film enorm temporeich und spektakulär inszeniert. Da reißt ein kompletter Straßenzug auseinander, Häuser brechen in sich zusammen und Brückenteile fliegen durch die Luft. Zu einem späteren Zeitpunkt wird eine Pkw-Fähre ebenso detailreich umgeworfen.
Der Gegenschlag des Militärs dagegen ist weit weniger liebevoll gestaltet. Zu sehen sind nur ein paar Panzer, Soldaten und Transportfahrzeuge. Einem direkten Angriff wohnt man nur kurz gegen Ende bei. Rein von seiner Action ist der Film also äußerst mau.
Die mögliche Intensität und bedrückende Atmosphäre kommt ohnehin nur bei einer wesentlich ruhigeren Sequenz zustande. Einen Blick auf die globale Gesamtlage gibt es nicht. Reichlich wenig für einen Krieg der Welten.
Von den Darstellern hat es Neuling Justin Chatwin ("Taken“) am schlechtesten getroffen. Gegen die schwach gezeichnete Rolle verpuffen seine Bemühungen wirkungslos. Beeindruckend ist dagegen Dakota Fanning ("Mann unter Feuer") anzusehen. Ihre stets attestierte mimische Ausdruckskraft und erstaunliche schauspielerische Reife lassen selbst Schauspielgrößen, wie den hierigen Tom Cruise ("Last Samurai“, "Minority Report"), verblassen, der enorme Schwierigkeiten hat, aus seiner Identifikationsrolle eine zu machen.
Erwähnenswert ist noch ein äußerst überzeugender Kurzauftritt von Tim Robbins ("Die Verurteilten") sowie die kleinen Gastauftritte von Ann Robinson und Gene Barry, den Stars aus der ersten Verfilmung.
Audiovisuell ist "Krieg der Welten" überzeugend, handlungstechnisch nicht. Die Gratwanderung zwischen Familiendrama und außerirdischer Invasion gelang nur halbherzig. Der Film beginnt extrem stark, lässt dann aber Stück für Stück immer mehr nach. Den größten Fehler begeht Spielberg bei seiner zwanghaften Zusammenführung der zerrütteten Familie, die eine größere Priorität hat als das Schicksal der gesamten Menschheit. Detailreiche Kulissen und saubere Effekte können weder die klischeehafte Handlung noch die wenig vorhandenen Actionsequenzen kaschieren.
5 / 10