Mit ihrem luxuririösen Leben unzufrieden, beschließt Domino, benannt nach dem Bondgirl aus "Thunderball" und exzentrisch gespielt von Keira Knightley, ihr ordinäres und langweiliges Leben aufzugeben und ein Kopfgeldjägerseminar zu besuchen. Dabei kommt sie ihren neuen Freunden, Ed (Mickey Rourke),Choco (Edgar Ramirez) und Alf (Rizwan Abassi) in die Quere. Ihr ereignisreicher Alltag wird postwendend von einem sehr großen Geldraub überschattet, sie bekommen den Auftrag die Geldräuber zu finden und das Geld wiederzubeschaffen, unglücklicherweise sind zwei der Räuber Söhne eines Mafiabosses.....
Man muss sich schon fragen, wie Scott es schaffen soll einer so simplen Story, Autor ist "Donnie Darko"-Regisseur Richard Kelly, die noch auf einer wahren Begebenheit beruht, ein Hauch von Menschlichkeit zu verleihen. Ich muss sagen, er hat es tatsächlich geschafft. Wer "Man on Fire" kennt und den Film mag, wird bestimmt mit "Domino" genauso glücklich werden. Hier spielt das Optische wieder eine ganz entscheidene Rolle, lässt das Charakterliche hinter sich ohne völlig in das Objektive abzugleiten.
Scott erzählt die Geschichte erwartungsgemäß mit sehr viel Tempo, vielen Schnitten, Farbfilter, Close-Ups von menschlichen Gesichtszügen, die dem Film eine Intensität verleihen, die objektiv sehr simpel auffällt aber von seiner inneren Kraft trotzdem nicht viel verliert. Das liegt daran, dass die menschlichen Beziehungen eine zentralle um nicht zu sagen eine entscheidende Rolle spielen. Menschen entscheiden sich ihr Leben vom Grund aus zu ändern, verzichten auch ihr formales Dasein, lassen sich von ihren tatsächlichen Leidenschaften leiten.
Scott muss sich nicht anstrengen, die Schaupieler zu motivieren ihr Ganzes zu geben. Dort wo es nicht klappt, schafft das Visuelle ein Ausgleich. Wo es dann doch zu hektisch wird, kommt Harry Gregson-Williams mit seinem gewohnt gefühlvollem Score ins Spiel. Er sorgt vor Allem durch seine ruhigen Klänge für viel Kontrast zu Scotts Bilderflut. Das ist auch unbedingt nötig, weil der Regisseur wieder ganz in seinem Element bleibt und sein optisches Spiel überall einsetzt, sogat an Stellen, wo es wenig Sinn hat.
Weiterhin als störend erweisen sich die Nebenhandlungen, ausgehend von den beiden Beverly Hills-90210 Darstellern Ian Ziering und Brian Austin Green, die sich selbst spielen dürfen über dem Teammitglied Alf
(Rizwan Abassi), der das gestohlene Geld für die Armut in Afghanistan ergattern will, bis hin zu humorvollen Kleinigkeiten, die irgendwie nicht in das Gesamtbild passen wollen, aber trotzdem für gute Untehaltung sorgen.
Fazit:
"Domino" ist ein visuelles Gemälde der Moderne zwischen menschlicher Leidenschaft und menschlichem Leid, eindrucksvoll und zum Mitfühlen von Scott in Szene gesetzt und akkustisch erstklassig untermauert. Die Bilder überwiegen zum Teil die charakterliche Struktur, für die sich Scott dann doch viel zu wenig Zeit nimmt. Es bleibt sehr gute Unterhaltung auf objektiver Ebene, die simpel und emotional dargestellt wird. Am Ende zählt die Menschlichkeit den Klischees zum Trotz und Scott beherrscht genau das auf seine ganz individuelle Weise.