Das asiatische Kino fasziniert mich schon seit vielen Jahren, doch wird es für mich zunehmend interessanter und beschränkt sich mittlerweile nicht mehr nur auf Japan oder Hong Kong. Nein, auch südkoreanisches Kino interessiert mich sehr und ebenso wird das thailändische Kino stetig besser und interessanter. Vor einigen Jahren sah ich das erste mal Takeshi Kitano in Takeshi’s Castle auf DSF. Damals wusste ich schon um seine Regie- und Schauspielarbeiten bei Violent Cop oder Hana-Bi. Ich war fasziniert von der Skurrilität der Serie und verschlang jede Episode. Zum einen amüsant gab sie mir auf der anderen Seite doch einen interessanten Einblick in die durchgeknallte Fernsehwelt der Japaner. Aber worauf wollt ich eigentlich hinaus? Ah, ja… Takeshi Kitano. Neben Akira Kurosawa und Takashi Miike zähle ich auch Takeshi Kitano zu den größten japanischen Regisseuren. Sein erster Film Violent Cop beeindruckte mich sehr und von Hana-Bi war ich tief bewegt. Aber auch Brother war beeindruckendes Kino und Dolls (den ich aber nicht ganz gesehen hab).
Vor einiger Zeit hab ich also mal den Trailer zu Sonatine gesehen und sofort Feuer und Flamme dafür. Schön, dass ich jetzt in den Genus, dieses unvergleichlichen Filmes kam.
Murakawa ist ein erfolgreicher Yakuza. In seinem Bezirk floriert das Geschäft. Doch er hat dieses Leben satt. Er übernimmt einen letzten Auftrag. Er soll mit seinen Kameraden und einigen Neulingen, einen Streit in einem anderen Bezirk beilegen. Am Ort angekommen läuft einiges schief und die dezimierte Truppe flüchtet in ein verlassenes Wohnhaus am Strand. Hier können sie etwas verschnaufen und geben sich für einen Moment ganz ihrem Vergnügen hin. Doch das ändert sich schon bald, denn Murakawas Boss hat es auf die Jungens abgesehen. Er will Geschäfte mit einer anderen Yakuza Truppe machen und da ist ihm der desillusionierte Gangster und seine Mannen hinderlich. Doch so schnell gibt Murakawa nicht und holt zum vernichtenden Gegenschlag aus.
Sonatine ist ein beeindruckendes Gangsterdrama, wie man es so gar nicht gewohnt ist. Der Angriff auf Murakawa im ersten Drittel des Filmes kam für mich wie ein Hammerschlag. Völlig unvorbereitet konfrontiert uns Kitano mit den Ereignissen, so dass man unweigerlich zusammenzuckt. Hier und auch in anderen Szenen zu Beginn verdeutlicht er die härte und Gefährlichkeit der Yakuza. Nach den Übergriffen der gegnerischen Yakuza, bei denen einige von Murakawas Leuten ihr Leben lassen, flüchtet sich die Truppe an den Strand. Was hier dann gezeigt wird ist überaus amüsant und unterhaltsam und lenkt von der Ernsthaftigkeit des sonstigen Filmes etwas ab. Die Rückkehr zum Ernst erfolgt dann abermals mit einem Hammerschlag, auf den ein passendes Finale und ein ernüchterndes Ende, ähnlich wie schon bei Hana-Bi folgt. Takeshi Kitanos Erzählstil gefällt mir überaus gut. Er läßt’s Ruhig angehen und verfällt nie in Hektik. Lässt eher Bilder sprechen als Worte und schafft somit eine unvergleichliche Atmosphäre und einen Film der seinesgleichen sucht. Die in die länge gezogenen Szenen wirken dabei nie zu lang oder unpassend, nein, alles wirkt bis ins Kleinste getimt und aufeinander abgestimmt. Es entsteht ein angenehmer Fluß in dem sich Kitano auch anderer Elemente bedient. So verfällt er beim Sumospiel in eine Rafferaufnahme oder arbeitet mit einer besonderen Beleuchtung im bleihaltigen Finale, wo lediglich das Mündungsfeuer sein Gesicht beleuchtet. Aber auch der Einsatz der Musik ist stets passend und zudem ist sie hervorragend komponiert von Joe Hisaishi der für Hana-Bi einen unverwechselbaren Score kreierte und auch bei Brother und Dolls wieder mit Kitano zusammen arbeitete. Er ist außerdem der quasi Hauskomponist für Ghibli und komponierte die beeindruckende Musik zu Mononoke Hime, „Sen to Chihiro no kamikakushi“ (Chihiros Reise ins Zauberland) oder auch „Hauru no ugoku shiro“ (Das wandelnde Schloss). Aus der Riege der überzeugenden Schupieler dürfte Susumu Terajima am bekanntesten sein, denn sein markantes Gesicht sieht man auch in Brother an Kitanos Seite wieder.
Am Ende wurde ich hervorragend unterhalten. Regisseur und Hauptdarsteller Takeshi Kitano hat auf beeindruckende Art gezeigt, dass er zu den ganz Großen Regisseuren zählt. Sein Film wirkt lange nach, wird in beeindruckenden Bildern und von sehr guten Schauspielern erzählt und bietet Action ebenso, wie dramatische Ereignisse und Wendungen.