Review

Murakawa ist der typische Yakuza: hart, skrupellos und "engagiert". Der Erfolg spricht für sich, er hat ein eigenes florierendes Revier. Doch seit einiger Zeit ist er des Mordens und Gehorchens müde geworden, nur widerwillig nimmt er den Auftrag an, in Okinawa einer verbündeten Familie bei einem Bandenkrieg beizustehen.
Was harmlos anfängt, endet ziemlich schnell für einige seiner Gefolgsleute tödlich, weshalb die Gruppe in einer verlassenen Strandhütte untertaucht, um auf Hilfe und Anweisungen aus Tokyo zu warten. Doch etwas stimmt an der Sache nicht. Während die kleine Gemeinschaft Albernheiten und Spiele in ihren "Strandferien" genießt, braut sich eine Verschwörung gegen Murakawa an. Ein letztes Mal muss er sich bewaffnen, das Endziel klar vor Augen.

Kitanos zweiter Film bietet gegenüber "Violent Cop" einiges an Fortschritt. Er hat sein Handwerk gelernt und seinen unverwechselbaren poetischen, lakonischen und sehr leisen Stil gefunden. Schlicht und einfach ist seine Bildsprache, und doch so aussagekräftig und bewegend. Die Darstellung des todessehnsüchtigen und -gewissen Murakawa gelingt ihm durch geradezu minimalistisches Schauspiel brilliant, wobei sein Verhalten hier noch etwas extrovertierter und lockerer erscheint, als in Kitanos späteren Werken, wie "Brother" oder "Hana-Bi". Murakawa spielt mit dem Tod, fordert ihn heraus, aber es ist keine Verbitterung in ihm zu spüren. Im Gegenteil - kaum kann er den Yakuza-Alltag vergessen, geht er in der Gesellschaft der anderen auf, spielt mit ihnen, redet viel, verliebt sich in ein junges Mädchen und treibt Späße mit seinen Kumpanen. Abgrundtiefer Galgenhumor ist das, aber auch stiller, warmer Humor, nicht zuletzt durch sein herzliches Lachen zwischen Melancholie und Schadenfreude.

Trotz der ab und zu hereinbrechenden, rapiden Wellen der Gewalt und des Mordens bleibt "Sonatine" eine sehr gefühlvolle Tragikomödie über den Wunsch nach dem Tod und den Weg dorthin. Seiner Determination ist sich Murakawa durchaus bewusst, und so erlebt er am Strandhaus die in seinem Leben warscheinlich vollkommendsten und glücklichsten Momente. Ist das der Sinn seines Daseins gewesen? Liegt darin nicht sogar der Sinn des Sterbens als letzte Konsequenz?
Jedenfalls stimmt das zärtliche, schnörkellos-lakonische Meisterwerk Kitanos sehr nachdenklich und wirkt noch lange nach. Filmkunst und Philosophie auf höchstem Niveau, 10/10.

Details
Ähnliche Filme