Review

Eigentlich möchte ich dieses Review nicht wie Moonshades beginnen lassen, doch nachdem er mir fast aus der Seele gesprochen hat, werde ich das wohl fast tun müssen. Ich kann mich mit dem japanischen Film einfach nicht anfreunden. Von vielen als Land mit den größten und meisten Geheimtipps des Films auserkoren, ist bei mir der Funke ganz sicher noch nicht übergesprungen und ich hege große Zweifel daran, dass dies noch einmal geschehen wird.

"Hana-Bi" wurde mir von Fans immer ans Herz gelegt und als Takeshi Kitanos unumstößliches Meisterwerk angepriesen, doch nachdem dieses Produkt der Kunst den Weg in meinen Videorecorder gefunden hat, war mir schon schnell klar, dass dies wieder ein japanischer Film sein wird, der nicht zu meinen besten Freunden zählt. Die Filme sind mir stets etwas zu gekünstelt und zu zwanghaft auf Kunst gemacht, es wird kaum etwas geredet und die Erzählung wirft oft große Fragezeichen auf, die sich nur nach und nach oder teilweise erschließen.

Es geht um den Ex-Cop Nishi, von Kitano gespielt, dessen Leben nicht unbedingt das Paradies auf Erden ist. Seine Frau ist todkrank, einer seiner besten Freunde sitzt im Rollstuhl und zu allem Überfluss schuldet er den Yakuza noch einen Haufen Geld. Daher begeht er einen Banküberfall und kümmert sich um die ihm nahestehenden Menschen. Doch bald sind ihm die Yakuza und die Polizei auf den Fersen.

Der Tod als Erlösung. So kann man kurz den Inhalt und die Aussage von "Hana-Bi" erklären. Im Vergleich zu Nishi ist Arnie in "Terminator" das wandelnde Wörterbuch. Nishi ist gebeutelt vom Leben. Die Yakuza ist ihm auf den Fersen, da er ihnen Geld schuldet. Zudem ist seine Frau au Leukämie erkrankt und jegliche Heilung ausgeschlossen. Wie apathisch wandelt er durch die Straßen. Eine chronologische Erzählung sucht man auch vergebens. Immer wieder werden einem neue Handlungsstränge vorgesetzt, die zunächst völlig deplatziert wirken. Doch teilweise erschließt sich mir derer Bedeutung auch im Nachhinein nicht völlig. Wieso plötzlich dem Schrottplatzbesitzer so viel Zeit gewidmet wird, der mit seinem Abschlepplaster Autos anderer Leute anfährt, damit diese auf seinem Schrottplatz einkaufen, bleibt mir unerklärt. Logisch spielt dieser Mechaniker eine gewisse Rolle im Film, stellt er ja immerhin Nishi das gestohlene Taxi zur Verfügung, aber wieso ihm dann gegen Ende eine fast schon tragende Rolle auferlegt wurde, bleibt unklar.

Das wäre jedoch nicht das Problem. Vielmehr stört es mich, dass Kitano seinen Film so zwanghaft kunstvoll inszenieren wollte. So kommt es mir zumindest vor. Klar erreicht "Hana-Bi" seine Intention und launt sicher nicht gut, in gewisser Art und Weise kann man Nishis Entscheidung, seinem Leben und dem seiner Frau ein Ende zu setzen, doch da ist vorher alles so dermaßen negativ und pessimistisch, dass fast nichts Anderes über bleibt. Versteht mich nicht falsch, ich bin sicherlich kein Befürworter des Suizids, mir geht es nur darum, dass man anhand des Films Nishis endgültige Entscheidung nicht für absolut übertrieben sieht. Aber es passt ins Bild, dass zum Schluss noch etwas richtig Deprimierendes passiert. Andererseits schafft der Film auch da seine Intention, den Tod als etwas nicht allzu Schlimmes darzustellen. Hätte man sicherlich auf eine einfühlsamere Art auch schaffen können, doch dafür sind ja Independent-Filme, vor allem die Japaner, bekannt, dass die dies auf einer etwas unkonventionellen Schiene betreiben. Diese Aussage, dass der Mensch den Tod nicht fürchten brauche und es im Endeffekt etwas ganz Natürliches und Selbstverständliches handelt, mag ja wiederum ganz sinnvoll und erstaunlich sein, doch dass Nishi seinem Leben selbst ein Ende setzt und seine Frau noch mitreißt, ist wiederum sehr kritisch zu betrachten. Zumindest wird im Film sehr darauf angespielt, dass Nishi persönlich keine Lust mehr auf sein Leben hat und dem mehr oder weniger unsinnigen Leben seiner Frau auch ein verfrühtes Ende bereitet.

Bis es jedoch letztendlich mal soweit ist und der Zuschauer in den Genuss dieses Schlusses kommt, gibts mal wieder typisch japanisch teilweise gewohnt harte, aber streckenweise auch philosophische Kost, die im völligen Kontrast zueinander stehen. Der ganze Film wird eigentlich von Gegensätzen dominiert. Wo Nishi aufgrund seiner Probleme immer depressiver und nihilistischer wird, kämpft sein bester Freund und Ex-Kollege, der seit einem Einsatz im Rollstuhl sitzt, gegen sein Schicksal an. Seine Frau und sein Kind haben ihn kurz nach dem Unglück verlassen, er selbst sah danach auch nicht sonderlich viel Grund, weiterzuleben, doch er findet wieder einen elementaren Sinn des Lebens und beginnt, sich für die Kunst zu interessieren und Bilder zu malen. Der Zuschauer wird nach und nach Zeuge seiner Produkte, wenn sie zur Abwechslung von bluttränkenden Szenen minutenlang den Bildschirm ausfüllen und ihre Schönheit präsentieren.

Die Gewalt geht hauptsächlich auf die Rechnung von Nishi selbst, der, wenn er nicht gerade in seinem Selbstmitleid und der unendlichen Trauer schwelgt, mit Essensstäbchen auf irgendwelche Yakuza-Augen einsticht oder andere Mitglieder der Yakuza brutalst hinrichtet und tötet. Das soll wohl auch seine innere Zerrissenheit darstellen, da er die meiste Zeit wie apathisch durch die Gegend schwebt und plötzlich wieder einen krassen Gewaltausbruch hat.

"Hana-Bi" ist sicherlich anspruchsvolles Kino, gar keine Frage. Auch Kitano spielt seine Rolle wirklich prächtig, nur mit dem Problem, dass dieser Charakter zumindest mich persönlich einfach irgendwann nervt und der Film wirklich anstrengend wird. Nicht im Sinne von, dass man ihn schwerlich verstehen kann. Sondern weil das wirklich langatmig ist. Die Aussage an sich finde ich persönlich gut, doch die Umsetzung und die Art und Weise, auf die diese Aussage mitgeteilt werden soll, deckt sich nicht mit meinen Ansichten und Vorstellungen. Daher bin ich ganz einfach enttäuscht, obwohl der Film so leicht so viel mehr hätte bewirken können.

6/10 Punkte

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