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Ach, Asia-Kino, ich tu mich schwer mit dir. Da wird mir "Hana-Bi" als künstlerisch hervorragender Film verkauft und ich kann wieder kaum der Argumentation folgen. Na immerhin, er ist nicht schlecht, aber wer sich davon ein paar unterhaltsame Stunden erwartet, dürfte mit einer harten Nuß zu kämpfen haben.

Denn "Hana-Bi" ist einerseits herbe "Frustrierter-Cop-turns-Bankräuber-and-beats-Killers"-Story, andererseits ein gefühlvolles Melodram rund um einen wortkargen Cop, der eine letzte Reise mit seiner todkranken Frau macht. In einer Nebenhandlung folgt man außerdem noch dem Schicksal eines zum Krüppel geschossenen Kollegen, der versucht, einen neuen Lebenssinn in der Malerei zu finden.

Die sogenannte Rezeption wird einem hier nicht leicht gemacht, denn der Film ist recht wirr konstruiert, zeigt wunderbare Bilder, hat aber eine sehr rätselhafte Bildsprache, die schwer zu entschlüsseln ist. Völlig Gegensätzliches wird hart hintereinandergeschnitten, Ruhe und Brutalität wechseln sich schnell ab und Sprünge in der Zeit sind nichts Ungewöhnliches, so daß man erst später merkt, daß man bereits Vergangenes miterlebt hat.
Die Regie ist hier sichtlich bemüht, Poesie auf Film zu bannen, aber das Gedicht ruckt bisweilen sehr stark. Interessanterweise sind die intimen Szenen mit seiner Frau, Angeln an einem See, ein Selbstaufnahmefoto, daß durch einen vorbeifahrenden Wagen verhunzt wird, ein Spaziergang im Schnee viel stärker als die zeitweisen Gewaltausbrüche mit ein paar lächerlich gezeichneten Gangstern und diversen Polizeikollegen, die auch dem Verhaltenskodex mehr schulden als aufklärerischer Verbrechensarbeit. Wenn es denn aber mal brutal wird, dann geht es gleich richtig ab.

Takeshi Kitano ist hier ein Eisberg in der Unendlichkeit des Schicksals und deswegen trampele ich auch auf seiner nichtvorhandenen Mimik (die in reiner Action nicht stören würde) nicht herum. Mich am meisten beeindruckt haben allerdings die Bilder des Kollegen, der wunderbare Symbiosen aus Menschen, Tieren und Blumen- bzw. Blütenmotiven anfertigt, die die sonst gezeigten Bilder unterstreichen oder kontrakarieren.

"Hana-Bi" ist ein mutiger Filmversuch, der für mich zu durchwachsen künstlerisch wirkt, zu halbherzig in der Abkehr vom "harten" Film, um wirklich gut zu sein. Filmfreunde der ernsten Art dürften hier aber eine wunderbare Bastelstunde erleben. (6/10)

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