Review

Technik die entgeistert

Selbst wenn das Original nicht der Miike'igste aller Takashi Miike-Filme war, gab’s in „One Missed Call“ doch immer mal wieder eine gemeine Kante und Seltsamkeit, die den Regisseur nicht verleugnen konnte und den Grusler von anderen J-Horror-Perlen abhob. „One Missed Call 2“ gehen diese Besonderheiten und Einfälle ziemlich ab - er begnügt sich ein simples Sequel zu sein, mit seiner technik- und gesellschaftskritischen Grundidee und mit ein paar wirklich bösen, übernatürlichen „Morden“, die fast etwas an tragischere, humorlosere „Final Destination“-Varianten erinnern können. Weiterhin werden hier storytechnisch junge Erwachsene scheinbar von ihrem zukünftigen Ich mit gruseligen Sprachnachrichten belästigt, die ihr Schicksal und ihren qualvollen Tod vorhersagen und besiegeln… 

J-Horror-Klingelton

„One Missed Call 2“ ist kein Klassiker des J-Horror. So viel ist für mich klar. Aber welches Sequel ist das schon? Da steht Japan dem Westen in null nach. Trotz seiner Einfallslosigkeit und dem straighten Ansatz ist er mit Sicherheit für Fans dieser Richtung aber auch keine Zeitverschwendung. Die Stärken des Vorgängers - Atmosphäre, Technikphobie, tragischer Kern, creepy Momente, süße Hauptdarstellerin, brutale Ausschläge - bestehen noch immer. Zudem gibt’s zeitweise mit Taiwan einen frischen neuen Blickwinkel und Schauplatz. Plus es gibt einige Wiedersehen mit Köpfen aus dem Vorgänger, auf den sich ganz ungeniert bis stolz bezogen wird. Dennoch ist auch hier die Laufzeit für sein geringes Fleisch auf den Knochen mit wieder über 100 Minuten zu lang und der Leerlauf zwischen einzelnen Jubel- und Schockmomenten ist deutlich spürbarer als beim irgendwie frischeren, zackigeren, kreativeren Vorgänger. Miike fehlt dann doch. Aber der macht wie bekannt ja keine bzw. kaum Sequels…

Fazit: solides, teils sogar richtig schön fieses, aber insgesamt sehr safe gespieltes Sequel, das lange braucht um in die Gänge zu kommen und mit heftigen Längen zwischen den Highlights zäh wirkt. Durch den tragischen Kern und den teilweise neuen Schauplatz (Taiwan) aber immerhin mit guten Ansätzen und ein paar überraschend eleganten Kameraeinstellungen. Eine seltsam beunruhigende Grundstimmung durchzieht die komplette Trilogie, wie man sie von J-Horror im besten Fall aber eh erwartet. 

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